Paulus-Gemeinde Moordeich Wechsel am Altar

38 Jahre lang war Helmuth Schomaker Pfarrer der katholischen St.-Paulus-Kirchengemeinde in Moordeich. Nun wird er in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger ist der aus Indien stammende Pater Sajive.
23.09.2022, 15:48
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Wechsel am Altar
Von Claudia Ihmels

Stuhr-Moordeich. Für Pfarrer Helmuth Schomaker beginnt im Oktober der Ruhestand. Ohne einen Priester muss die katholische Kirchengemeinde St. Paulus in Moordeich jedoch nicht auskommen: Pater Sajive Varghese Maliakal wird neuer Pfarrverwalter der Gemeinde. Die beiden Geistlichen haben in den vergangenen Wochen bereits eng zusammengearbeitet, um den Übergang fließend zu gestalten. Offiziell wird der Pfarrerwechsel am Sonntag, 2. Oktober, ab 15 Uhr in einem Festhochamt von Dechant Guido Wachtel vollzogen, anschließend lädt der Pfarreirat zu einem Empfang ins Gemeindehaus ein. Darauf folgt noch ein kleines Gemeindefest. 

Der scheidende Pfarrer geht nach 38 Jahren in Moordeich mit viel Dankbarkeit. "Ich bin sehr dankbar, was die Gemeinde mir getan hat", sagt der 75-Jährige, der Stuhr weiterhin verbunden bleibt. Eine neue Wohnung hat er schon gefunden, diese wird gerade renoviert, solange bleibt Schomaker noch in der Pfarrwohnung neben der Kirche wohnen. Auch dem Gottesdienst in der Pauluskirche will er regelmäßig beiwohnen, dann allerdings als Gemeindemitglied. Wenn allerdings mal "große Not" ist, könne man ihn natürlich ansprechen. Ansonsten möchte er sich auch mal anderen Dingen widmen, zum Beispiel verschiedene Parks in der Umgebung erkunden. Das habe auch mit seinem alten Beruf zu tun, verrät der Pfarrer.

Denn Schomaker, der in Lohne geboren und in Vechta aufgewachsen ist, studierte zunächst Gartenbauingenieurswesen in Osnabrück. Dort traf er auf eine sehr aktive Studentengemeinde, mit der dann die Berufung kam. Schomaker studierte ein weiteres Mal – nämlich katholische Theologie in Münster. Während des Studiums sammelte er auch erste Erfahrungen in einer Tätigkeit, die er bis vor Kurzem mit einer halben Stelle ausübte: Er absolvierte ein Praktikum im Jugendgefängnis Vechta. Nach dem Studium verschlug es Schomaker zunächst 1978 als Kaplan nach Vechta. Ebenso wurde ihm das Vechtaer Gefängnis zugeteilt. Seine zweite Kaplan-Stelle trat er vier Jahre später bei der St.-Willehad-Gemeinde in Oldenburg an. 1984 wurde er vom Bischof nach Moordeich beordert – mit einer halben Stelle, mit einer weiteren halben Stelle wurde er wieder dem Gefängnis zugeordnet. Die Katholiken aus Stuhr, Varrel und Moordeich waren damals noch in einer sogenannten Kapellengemeinde zusammengeschlossen, die zur Pfarrgemeinde St. Marien in Delmenhorst gehörte. Die Amtsbezeichnung von Schomaker lautete zunächst Pfarrrektor. 2000 wurden die Moordeicher eine eigene Gemeinde und Schomaker durfte sich fortan auch Pfarrer nennen.

Froh ist er darüber, dass die Zahl der Gemeindemitglieder mit mehr als 1100 Menschen in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben ist. "Wir haben sehr treue Mitglieder", sagt er. Die gemeinsamen Aktivitäten mit den Gemeindemitgliedern sind es auch, die Helmuth Schomaker besonders im Gedächtnis bleiben werden. Gerne erinnert er sich an diverse Fahrten mit Jugendlichen und Erwachsenen, die auch in seine alte Heimat geführt hätten. Auch Pater Sajives Eindruck von seinen neuen Gemeindemitgliedern ist durchweg positiv. "Ich habe schon gemerkt, dass das eine sehr aktive Gemeinde ist, darunter auch viele junge Leute", freut er sich. Das sei für ihn als Priester auch eine große Wertschätzung.

Pater Sajive wohnt derzeit noch übergangsweise bei der Christopheruskirche in Delmenhorst. Sobald Pfarrer Schomaker in seine neue Wohnung ziehen kann, wird er seinen Wohnort aber nach Moordeich in die Pfarrwohnung verlagern. In Delmenhorst wird Pater Sajive weiterhin zur Mithilfe eingesetzt, seinen Tätigkeitsschwerpunkt hat er aber als Pfarrverwalter in Moordeich. Geboren wurde er 1976 im Bundesstaat Kerala in Indien. Nach dem Abitur trat er in den Orden "Missionare Unserer Lieben Frau von La Salette" ein, der in Indien eine Ordensprovinz gegründet hatte. Nach einem dreijährigen Philosophiestudium, dem Noviziat und einem vierjährigen Theologiestudium wurde er im September 2005 zum Priester geweiht. Nach der Priesterweihe hat er im Ordenshaus in Kerala und in der Niederlassung in Mysore gearbeitet.

2014 kam Pater Sajive zum ersten Mal nach Deutschland, darauf hatte er sich in Indien mit einem einjährigen Deutschkurs und Vorlesungen in deutscher Geschichte und Kirchengeschichte vorbereitet. Von Herbst 2014 bis Frühjahr 2019 war er Kaplan/Pastor im Seelsorge-Team im Wallfahrtsort Bethen bei Cloppenburg. Da er im Januar 2019 zum Provincial Superior der indischen Ordensprovinz gewählt wurde, musste er Ende Februar seinen Dienst im Bischöflich Münsterschen Offizialat (BMO) Vechta beenden. Nun kehrt er nach Ende seiner Amtszeit ins Bistum Münster zurück und freut sich auf seine erste Pfarrstelle. Das sei für jeden Priester ein Traum und eine Ehre.

Das Erbe von Helmuth Schomaker weiterzuführen, beschreibt er außerdem als Herausforderung. Erste Erfahrungen hat er bereits gesammelt, durfte zum Beispiel gemeinsam mit Pastor Robert Vetter von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Stuhr den traditionellen Einschulungsgottesdienst übernehmen. Der Zusammenarbeit mit den benachbarten evangelischen Gemeinden steht er ohnehin offen gegenüber, betont er. Als Christen seien sie schließlich beide für die Menschen da.

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