Stadtentwicklung in Bassum Proteste nach geplanter Erweiterung der Gar

Auch eine Woche nach der Entscheidung des Bassumer Ausschusses für Stadtentwicklung, einen Bauplan für eine Erweiterung der Gesellschaft für Abfall und Recycling aufzustellen, bleibt das Thema kontrovers.
18.10.2019, 18:36
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Proteste nach geplanter Erweiterung der Gar
Von Tobias Denne

„Ich kann die Bedenken verstehen und auch nachvollziehen, dass die Erweiterung nicht mit Beifall durchlaufen wird. Aber wir wollen den Betrieb vernünftig weiterführen“, sagt Axel Schreiber, Geschäftsführer der Gesellschaft für Abfall und Recycling (Gar). Hintergrund der geplanten Erweiterung ist, dass die Fläche der Gar zu klein geworden ist. Der Bassumer Ausschuss für Stadtentwicklung hatte jüngst für die Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eine Bebauungsplans gestimmt.

„Wir haben die Vorlage erstellt und dieser wurde gefolgt. Wir müssen schauen, wie wir die gesetzlichen Vorgaben umsetzen müssen“, sagt Bassums Erster Stadtrat Nobert Lyko zu der Entscheidung. Sein Amtskollege aus Stuhr, Ulrich Richter, wollte derweil noch keine Stellungnahme abgeben, weil es eine Angelegenheit Bassums sei. Wenn man in die Bauleitplanung einbezogen werde, dann würde die Verwaltung auch Stellung zu der Angelegenheit beziehen. Im Gegensatz dazu taten Einwohner bereits während der Ausschuss-Sitzung ihren Unmut hinsichtlich der möglichen Erweiterung kund.

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Gar-Betriebsleiter Jens Blume versichert: „Das ist keine abfallwirtschaftliche Erweiterung, sondern dem Umstand geschuldet, dass wir keine Parkplätze mehr haben. Das haben wir auch offen kommuniziert. Das ist nichts Überraschendes.“ Das Problem sei, dass die Fläche, die derzeit als Parkplatz dient, lediglich vom angrenzenden Kalksandsteinwerk gepachtet sei. Dieses könne dementsprechend jederzeit Eigenbedarf anmelden. Daher wolle man sich frühzeitig absichern, „weil so ein Vorhaben auch ein paar Jahre dauert und wir ansonsten noch größere Probleme haben. Wir stehen uns jetzt schon selbst im Weg“, weiß Blume hinsichtlich der Dauer, ehe ein Bauvorhaben umgesetzt wird. Denn bereits jetzt seien die Kapazitäten überschritten, und der Wald, der für die Erweiterung weichen müsste, „ist die einzige Fläche, die uns gehört“.

Immer weiter ausgeweitet

Friedrich Menn, Fahrenhorster, hatte zur Ausschusssitzung einen offenen Brief ausgelegt, um seine Ablehnung gegenüber einer etwaigen Erweiterung zu zeigen. „Es ist eine traurige Geschichte, dass das passiert. Aber wir können das wohl nicht verhindern, obwohl bereits jetzt die Zumutbarkeit überschritten ist“, sagt Menn, der auf der gegenüberliegenden Seite des Waldes wohnt, an den das Gelände der Gar grenzt. Er selbst ist enttäuscht davon, dass „eine Stelle für den Betrieb gesucht wurde, weil es stinkt und man das nicht will. Aber niemand nimmt Rücksicht auf die Fahrenhorster.“ Gleichzeitig ist ihm bewusst: „Dass Sachen recycelt und entsorgt werden müssen, das weiß jeder. Aber warum gerade dieser Ort hier? Sicher kann man es nicht jedem recht machen, aber direkt an einem Erholungsgebiet?“ Denn der Gestank, der von der Gar ausgehe, ziehe nach Fahrenhorst und nicht nach Bassum. „Wenn ich sehe, wie Qualm und Dreck hochsteigen, und ich die Belastung schon sehe, dann will ich nicht wissen, wie Messgeräte dann reagieren“, sagt Menn.

Menn ist nicht der Einzige, der die mögliche Erweiterung – denn einen B-Plan gibt es noch nicht – kritisch sieht. Auch die vor acht Jahren gegründete Bürgerinitiative für Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde und Fahrenhorst rund um den Vorsitzenden Jürgen Schierholz kann eine erneute Erweiterung nicht verstehen. „Der Betrieb hat sich wie ein Tumor entwickelt, und die Flächennutzungspläne wurden entsprechend geändert. Unser Ziel ist es, dass das Ding nicht mehr hier steht“, sagt Schierholz. Vor einigen Jahren wurde ein Nachbarschaftsdialog eingerichtet, um gegenseitiges Verständnis zu erreichen. Gebracht hat das bislang wenig. „Anfangs war es nur ein kleiner Sortierbetrieb, der sich immer weiter ausgeweitet hat“, sagt Schierholz. Mittlerweile komme der Abfall aus „allen Himmelsrichtungen“.

Die Bürgerinitiative spricht sich daher dafür aus, den Betrieb zu verlagern. „Mir kommt es so vor, als hätte man mal einen Fehler gemacht und dieser wird immer wieder reproduziert, anstatt den zu beheben. Das kann ja passieren, aber eigentlich wäre ein anderer Standort, der auch besser angebunden ist, sinnvoller“, sagt etwa Birgit Radmann von der Initiative. Sie schlägt vor, die Thematik von den Stadtgrenzen zu lösen. „Es geht nicht um Bassum oder Fahrenhorst, sondern um das Landschaftsschutzgebiet. Im Moment reibt man sich nur auf. Vielleicht wäre eine Beschäftigung eine Ebene höher effektiver“, überlegt sie. Denn: „Wo ist es sinnvoll, solche Betriebe anzusiedeln? Was gibt es für Alternativen?“ Dem stimmt Schierholz zu: „Man sollte eine Bodenuntersuchung und -sanierung und am ehesten eine Standortverlagerung durchführen.“ Um gegen die Erweiterung zu protestieren, hat die Initiative eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, die an diesem Wochenende startet.

Umgebung sauber halten

Der Nachbarschaftsdialog, der in den vergangenen Jahren eingerichtet wurde, trifft sich regelmäßig, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. „Es wird immer angezweifelt, dass das, was wir machen, rechtens ist“, sagt Axel Schreiber. Dabei lägen sämtliche Gutachten vor. „Aber wenn man nicht miteinander redet, dann kann man auch keine Akzeptanz erreichen. Alle sagen immer, wir wollen Mehrweg und Recycling, aber nicht hier“, weiß Schreiber. Blume fügt hinzu: „Wir versuchen Konflikte in Nachbarschaft frühzeitig zu entschärfen.“ So sei ein Netz aufgestellt worden, damit Plastik bei Wind nicht einfach in den Wald wehe. Gleichzeitig versuche man alles, „was Lärm verursacht, ins Tagesgeschäft zu verlagern“, versichert Blume. So seien extra drei Mitarbeiter damit beschäftigt, den Abfall, der durch den Wind im Wald gelandet oder vom Lkw heruntergefallen ist, aufzusammeln. Außerdem sagt er entschieden: „Wir zünden kein Plastik an. Wenn ich eines nicht gebrauchen kann, dann ist das ein Feuer. Im Rahmen des Möglichen machen wir es so erträglich wie möglich.“

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