Nabu Stuhr Rundum-Sorglos-Paket für Wildbienen

Der Nabu Stuhr hat ein neues Haus für Wildbienen gebaut. Dort sollen bis zu 17 000 Insekten Platz finden.
04.09.2018, 17:17
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Rundum-Sorglos-Paket für Wildbienen
Von Eike Wienbarg

Stuhr. Bienen sind für die Bestäubung von Pflanzen unerlässlich. Das sollte bekannt sein. Zumeist wird in diesem Zusammenhang an die klassische Honigbiene gedacht, die beim Nektartransport die Pollen von der einen zur anderen Blüte bringt. Einen Großteil der Bestäubungsarbeit leisten aber die Wildbienen, berichtet Rita Wolff von der Stuhrer Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Um die heimischen Wildbienen in Stuhr zu unterstützen, hat der Nabu nun auf einer eigenen Fläche ein neues Wildbienenhaus aufgestellt. In dem 2,60 mal 1,80 Meter großen überdachten Haus sollen laut Klaus Torns von Stuhrer Nabu rund 17 000 Wildbienen ein neues Zuhause finden.

Um die neue Behausung für die Wildbienen zu errichten, war aber einige Kraftarbeit erforderlich, berichten Wolff und Torns. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern Hilmer Schumacher, Hans Wielenberg, Heiner Segelken sowie Sabine, Gerd und Michael Hoppe machten sie sich ans Werk. Familie Hoppe brachte dabei ihre Erfahrung aus dem Zimmerhandwerk ein. Zusammen wurde zuerst das Gerüst des Wildbienenhauses konstruiert.

Mit schwerem Gerät wurde die Konstruktion dann an die vorgesehene Stelle gebracht und dort mit vereinten Kräften installiert. Wo genau sich das Haus befindet, möchten Wolff und Torns aufgrund von möglichem Vandalismus nicht sagen. Allerdings ist die Fläche vom Nabu Stuhr verwaltet. "Wichtig für eine Ansiedlung ist die richtige Bestückung und eine arten- und blütenreiche Umgebung", berichtet Wolff. In der Nähe des Hauses müssen sich also Pflanzen befinden, mit denen die verschiedenen Wildbienen-Arten zurechtkommen.

Das Wildbienenhaus wird nun nach und nach mit einzelnen, schuhkartongroßen Fächern bestückt, die für die Tiere präpariert wurden. In den Fächern befinden sich zum Beispiel kleine Röhren aus Schilf und Reet, in denen sich die Weibchen einnisten können. Die Einsiedler- oder Solitärbienen legen ihre Zellen gerne in Reet, Schilf oder Bambus an, weiß Rita Wolff. In den möglichst waagerecht angeordneten Nisthilfen legen sie dann ihre Eier und eine Mischung aus Pollen und Nektar ab, die als Futtervorrat für die Larve dient. Auch gut abgelagertes Holz sowie Tot- und Morschholz eignen sich laut Wolff als Nistplatz.

Im Gegensatz zu den Honigbienen ist zum Beispiel die Mauerbiene bereits ab einer Temperatur von zwei Grad aktiv, berichtet Rita Wolff weiter. "Wären die Mauerbienen nicht gewesen, hätten viele Früchte nicht bestäubt werden können", sagt sie mit Blick auf die veränderten Witterungslagen. Honigbienen werden erst ab einer Temperatur von acht Grad aktiv. "Daran lässt sich sehen, wie unglaublich wichtig sie sind", berichtet Wolff über die Wildbienen, die durch den Nabu jetzt ein neues, sicheres Zuhause bekommen haben.

Das Wildbienenhaus ist allerdings kein Selbstläufer. So ist es keineswegs wartungsfrei, betont Wolff. Die Schilfröhrchen müssen nach ein paar Jahren ausgetauscht werden. "Sie werden zwar mehrfach belegt und die Weibchen putzen vor Bezug jede Röhre, aber Witterung und Nässe lassen das Material rissig werden", berichtet Rita Wolff. Einige Wildbienen-Arten putzen ihre benutzten Röhren allerdings nicht. Dort ist dann die Gefahr durch Parasiten- oder Pilzbefall gegeben, erläutert Wolff die Wichtigkeit der Pflege der Nisthilfen. Neben diesen sollen in der Nähe des Wildbienenhauses auch Sandwälle entstehen, "für im Erdboden nistende Arten", so Wolff. Auch Lehmflächen sollen vorgehalten werden. "Einige Bienen graben gerne selbst das Loch", sagt sie weiter.

Weiterhin engagieren sich Rita Wolff und Klaus Torns auch für die Einrichtung von Blühstreifen in der Gemeinde. Hierbei sei es wichtig, auf Saatgut von deutschen Herstellern zu achten, sagen die beiden. "Auch wenn die gezüchteten Pflanzen aus dem Ausland sich optisch nicht von unseren Wildpflanzen unterscheiden, so sind sie doch genetisch nicht identisch und somit für die Fortpflanzung der Wildbienen nicht geeignet", sagt Wolff.

"Der Anfang ist gemacht", freuen sich Rita Wolff und Klaus Torns über das neue Wildbienenhaus in Stuhr. Allerdings sei im Bezug auf den Schutz der Bienen und anderer Insekten noch weiterhin viel zu tun.

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