Läufer vom LC Hansa Stuhr

Sebastian Kohlwes eilt von Bestzeit zu Bestzeit

Im Frühjahr plagte ihn eine Verletzung, doch mittlerweile ist Sebastian Kohlwes zurück auf der Laufstrecke – und eilt von Bestzeit zu Bestzeit.
16.08.2019, 15:05
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Sebastian Kohlwes eilt von Bestzeit zu Bestzeit

Tempo ohne Ende macht Sebastian Kohlwes. Der Stuhrer hat in den vergangenen Wochen mehrere Bestleistungen aufgestellt.

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Sebastian Kohlwes schwebt – nicht nur über die Laufstrecken der Region, sondern auch auf der Erfolgswelle. Der Läufer des LC Hansa Stuhr ist schnell wie nie zuvor. Dabei begann das Jahr äußerst schwierig für ihn. Doch der 30-Jährige hat sich stärker als zuvor zurückgemeldet.

Berlin war in den vergangenen Wochen ein Sehnsuchtsort für viele Sportler. Die Finals 2019 riefen, die Mammutveranstaltung, bei der gleich zehn Sportverbände von der Leichtathletik bis hin zu den Bogenschützen ihre Meisterschaften ausrichteten. Am selben Wochenende Anfang August reiste auch Sebastian Kohlwes in die deutsche Hauptstadt. Sein Ziel war nicht das Olympiastadion, sondern der Kurfürstendamm. Berlins schnellste Nacht, wie der Veranstalter seine „Runners City Night“ betitelte, fand hier statt. Zehn Kilometer auf der Straße, ein hochklassiges internationales Starterfeld und ein großes Ziel für den Stuhrer: eine neue Bestzeit. 31:14 Minuten waren die Marke, die es zu unterbieten galt. Doch Kohlwes unterbot sie nicht nur, er pulverisierte sie geradezu. 30:47 Minuten zeigte die Uhr an, als er ins Ziel einlief. 27 Sekunden schneller als zuvor. „Endlich unter 31 Minuten“, strahlt Kohlwes, der weiß: „Meistens sind es ja nur ein paar Sekunden, die man von seiner Bestzeit abknabbern kann.“ Seine deutliche Steigerung überraschte ihn dennoch nicht: „Ich hatte mir erhofft, unter 31 Minuten bleiben zu können. Das Training hat gezeigt, dass ich das leisten kann.“

Man kann es wörtlich nehmen: Bei Kohlwes läuft es. Berlin war der Höhepunkt, aber nicht die einzige Bestleistung, die er in diesem Jahr bereits aufgestellt hat. Im Juli war er beim Halbmarathon in Bremen in 1:08:48 Stunden so schnell wie nie zuvor, und nur wenige Tage später ließ er über 10 000 Meter auf der Bahn in Delmenhorst 31:19,7 Minuten folgen. Die Bestzeit in Berlin war die dritte persönliche Top-Marke innerhalb eines Monats. „Es ist momentan richtig gut. Natürlich bin ich sehr zufrieden damit, wie schnell es jetzt vorangeht“, sagt Kohlwes glücklich.

Ein verkorkstes Frühjahr

Vor einigen Monaten war er dagegen alles andere als glücklich. Verkorkst nennt der Ausnahmeläufer sein Frühjahr, das eigentlich verheißungsvoll begonnen hatte. Sehr gut sei er im Training gewesen, sagt er. Alles lief nach Plan, bis er sich nach einem Trainingslager in Portugal verletzte. Eine Sehne unterhalb des Fußes schmerzte. Ausgerechnet im Vorderfuß, dem Bereich also, auf dem Kohlwes läuft. „Das hat mich sehr beeinträchtigt. Ich konnte nicht mehr richtig trainieren, musste dieser Verletzung alles unterordnen“, blickt der 30-Jährige zurück. Die Deutschen Meisterschaften im Marathonlauf in Düsseldorf im April musste er streichen, sehr schwer sei ihm das gefallen. Ohnehin ist das Kürzertreten nichts für einen Sportler wie Kohlwes, der fokussiert und ehrgeizig ist wie kaum ein Zweiter. „Gerade eigentlich gut drauf zu sein und dann nicht laufen zu können, war echt schwer für mich.“ Alternativtraining wie Radfahren oder Einheiten im Fitnessstudio legte er dennoch ein. Dasselbe war das nicht: „Das Herz blutet trotzdem“, sagt er ehrlich.

Rund zwei Monate musste sich Kohlwes in Geduld üben, dann konnte er wieder langsam angreifen. Aus langsam wurde in rasender Geschwindigkeit schnell. In Windeseile kehrte er auf ein Niveau zurück, von dem er selbst nicht erwartet hatte, es innerhalb kurzer Zeit zu erreichen. Die Zeiten im Training stimmten, „sie sprachen für sich“, wie es der Stuhrer ausdrückt. Die Berlin-Leistung, dieser Husarenlauf am Ku’damm, kam nicht von ungefähr, sondern mit Ansage. Die Zusammenarbeit mit Hartmut Selz zahlt sich aus. Der Trainer war einer der Hauptgründe für Kohlwes’ Rückkehr vom ATS Buntentor zum LC Hansa, er kitzelt aus seinem Schützling die neuen Bestzeiten heraus. Beide verbindet keine Trainer-Läufer-Beziehung, sondern „ein inniges, freundschaftliches Verhältnis“, verrät Kohlwes. Drei- bis viermal pro Woche trainieren die beiden gemeinsam.

„Das geht nur, wenn du jeden Tag unterwegs bist“

Doch auch an den anderen Tagen gönnt sich der Stuhrer keine Pause. 170 bis 190 Kilometer läuft er derzeit pro Woche. „Das geht nur, wenn du jeden Tag unterwegs bist“, erklärt er. Momentan bereitet er sich auf den Berlin-Marathon Ende September vor. Dann will er eine Top-Zeit unter 2:26:00 Stunden laufen. Das Gefühl ist gut – die Hauptstadt ist für ihn bekanntlich ein gutes Pflaster.

Vor dem Wettkampf aber steht noch jede Menge Training. Darüber hinaus legt er ein einwöchiges Trainingslager mit Selz auf Mallorca ein. Rauskommen, etwas anderes sehen: Es ist ein Gefühl, das wohl jeder nachvollziehen kann, schließlich kennt Kohlwes jeden Halm und jeden Stein auf den Laufstrecken der Region. Diese kurzzeitige Luftveränderung soll helfen, die eine oder andere weitere Sekunde herauszuholen. Darauf hofft der Stuhrer, der von seiner Familie und seinem Arbeitgeber, der ihn dauerhaft in der Frühschicht arbeiten lässt, Unterstützung erfährt. Als Läufer muss er aber vor allem von sich selbst viel einfordern: „Man muss viel Disziplin haben, hartnäckig sein, immer sein Ziel vor Augen haben und wissen, wofür man das alles macht. Dann gibt dir das Laufen auch extrem viel zurück.“

So wie die Glücksgefühle von Berlin. Die 30:47 Minuten sollen nicht die letzte Bestzeit bleiben. „Es ist ein großer Traum von mir, dass die 29 vorne steht“, will er die Strecke unter 30 Minuten absolvieren. Einen Meilenstein dorthin hat Kohlwes gerade erst erreicht – der nächste wird ihn antreiben. Zumal er eine Sache in den vergangenen Wochen oft erfahren durfte: „Es ist ein geniales Gefühl, ein Ziel erreicht zu haben.“

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