SIG Solar aus Brinkum

Luftfilter als neuer Verkaufsschlager

Eigentlich hat das Brinkumer Unternehmen SIG Solar vorwiegend mit Solarmodulen, Elektromobilität und LED-Technik zu tun. Nun vertreibt die Firma auch Luftfilter unter dem Label „Lumitenso Clean Air“.
26.04.2021, 17:40
Lesedauer: 4 Min
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Luftfilter als neuer Verkaufsschlager
Von Esther Nöggerath

Stuhr-Brinkum. Eigentlich war es eher ein Zufall, dass das Brinkumer Unternehmen SIG Solar in den Markt für Luftfilter eingestiegen ist. „Wir haben mit unseren Partnern bereits 2015 darüber gesprochen“, erzählt Jan-Christian Schröder, der zusammen mit seiner Schwester Anja Christina Schröder die Geschäftsführung der Firma innehat. „In Asien sind Luftfilter ein riesiges Thema“, hat er damals festgestellt. Nicht nur wegen Smog, sondern auch wegen der SARS-Epidemie, die bereits 2002 in China ausgebrochen war. In Deutschland sahen die Schröders damals allerdings noch keinen Markt für Luftfilter, dennoch bauten sie sich eine kleine Expertise damit in China auf. Inzwischen hat SIG Solar den Bereich ausgeweitet und zusammen mit seinen Partnern eine Luftfilterfamilie für Räume aller Art entwickelt, die unter dem Namen „Lumitenso Clean Air“ in Deutschland, aber auch Italien und Spanien vertrieben wird.

„Wir gehen damit jetzt breiter in den Markt“, erklärt Jan-Christian Schröder. Mit dem Geschäftsfeld will das Unternehmen auch die Einbußen ausgleichen, die es durch die Coronakrise in anderen Bereichen erlitten hat. Denn neben den Luftfiltern ist SIG Solar als Importeur und Exporteur von Produkten aus den Bereichen Solar, LED und Elektromobilität tätig.

2005 wurde das Unternehmen in Brinkum gegründet und ging aus der Firma Schröder Import hervor, die es seit 1992 in Stuhr gab. „Die hat damals unser Vater gegründet“, erzählt Jan-Christian Schröder. Sein Vater und auch seine Mutter hätten bereits seit den 1960er-Jahren mit Asien zu tun und so über die Jahre ein weitverzweigtes Handelsnetzwerk der Unternehmensgruppe aufbauen können. 1997 stieg Anja Christina Schröder in die Firma mit ein, zwei Jahre später auch ihr Bruder. Als es dann 2004 auch in Deutschland mit der Solar-Energie richtig los ging, beschloss die Familie, mit der Gründung von SIG Solar den Weg in die Branche zu gehen. „Wir hatten durch die Kontakte nach China auch gleich gute Lieferanten für Solarmodule“, erklärt Jan-Christian Schröder.

Später kamen auch noch Produkte aus der Elektromobilität sowie LED dazu. „Unser Netzwerk in Asien hat sich immer weiter vergrößert“, erzählt der 42-Jährige. Und auch die Brinkumer Firma wuchs. Mehr als 100 Mitarbeitende waren zur Hochzeit für SIG Solar tätig, 2010 baute das Unternehmen einen neuen Firmensitz an der Ernst-Abbe-Straße. Wenige Jahre später kam dann der große Einbruch in der Solar-Branche durch Entscheidungen in der Politik, aber auch durch einen Handelsstreit zwischen der EU und China. „Unser Umsatz ist von einem auf den anderen Moment um 96 Prozent eingebrochen“, berichtet Jan-Christian Schröder. Danach habe man versucht zu retten, was noch zu retten war. „Wir hatten jahrelang damit zu tun, die Firma zu restrukturieren und zu verkleinern“, erzählt er.

Inzwischen sind bei dem Familienunternehmen nur noch sechs Mitarbeitende in Brinkum sowie 18 in Italien und weitere bei den Partner-Firmen in Asien beschäftigt. „Das waren schon auch harte Zeiten“, sagt Anja Christina Schröder. „Wir sind froh, dass wir den Wandel gut überstanden haben.“ Auch für den vielen Platz im Neubau fanden die Geschwister eine Lösung: Das Gebäude wird inzwischen als Bürogemeinschaft von elf verschiedenen Firmen genutzt. Inzwischen sei man auch gar nicht mehr so erpicht darauf, noch einmal ein so großes Unternehmen zu werden, erklärt Jan-Christian Schröder. Stattdessen konzentriere man sich darauf, Produkte von Partnern zu vertreiben. „Das schaffen wir mit einem kleinen Team“, sagt er.

Die Luftfilter ergänzen nun seit Oktober 2020 das Angebot der Firma. Bereits mit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr des vergangenen Jahres rückten bei SIG Solar die Luftfilter stärker in den Fokus. Die Schröders schauten sich in China nach einem Lieferanten um, wollten aber nicht einfach so ohne Weiteres dessen Produkte weiterverkaufen. „Wir haben die Elektromotoren geändert, um den Energieverbrauch zu senken und die Luftfilter immer wieder getestet“, erzählt Jan-Christian Schröder. „Wir durften sogar mit echten Viren im Labor testen.“

Gut sieben Monate dauerte es, die Filter so weiterzuentwickeln, bis sie den Ansprüchen der Schröders genügten. So entstand schließlich ein mit Silber-Ionen beschichteter Sechs-Wege-Filter. „Am Ende waren wir auch wirklich überzeugt“, sagt Jan-Christian Schröder. Als die Luftfilter von SIG Solar im Herbst dann erhältlich waren, kamen vor allem viele Anfragen dazu aus dem süddeutschen Raum. „Jedes Gerät, das wir bis Mitte Januar kriegen konnten, war auch direkt wieder vergeben“, erzählt er.

Zwischen 65 Euro für ein kleines Tischgerät und 1100 Euro für das größte Gerät liegen die Luftfilter von SIG Solar preislich. Teilweise können für die Anschaffung auch Fördermittel der Bundesregierung beantragt werden. Für Käufer aus der näheren Umgebung gibt das Unternehmen auch einen „Stuhr und Umgebung“-Rabatt, von dem inzwischen auch bereits einige Arztpraxen Gebrauch gemacht hätten, die die Luftfilter in ihren Wartezimmern oder im Tresen-Bereich aufgestellt haben, berichtet Jan-Christian Schröder. „Es geht dabei ja auch nicht nur um Corona, sondern auch um die Grippewellen“, sagt er.

Nun hoffen die Schröders, dass auch in Norddeutschland noch mehr Einrichtungen und Firmen die Luftfilter in ihren Räumen einsetzen wollen. „Gerade auch in den Schulen hängen wir da noch hinterher“, sagt Anja Christina Schröder, die selbst ein schulpflichtiges Kind hat. Und weil es in der Kindertagespflege keine Unterstützung für die Anschaffung von Luftfiltern gibt, gelte der Umgebungsrabatt für die ganze Berufsvereinigung. Einen Luftfilter hat SIG Solar vor Kurzem auch an die Kindertagespflege Stuhr gespendet.

Unterstützen will das Familienunternehmen auch den Verein AVS and Friends in Bremen, der sich für an Krebs erkrankte Menschen engagiert. „Mein Mann ist 2007 an Krebs gestorben“, erklärt Anja Christina Schröder das ihr persönliche Anliegen. „Daher habe ich einen guten Draht zu AVS and Friends.“ Für jeden verkauften Luftfilter will SIG Solar nun fünf Euro an den gemeinnützigen Verein spenden.

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