Bürgermeisterwechsel in Stuhr Start ins neue Amt

Jetzt ist es soweit: Mehr als acht Monate nach seiner Wahl hat Stephan Korte das Amt als Stuhrer Bürgermeister angetreten. Er hofft auf eine gute Zusammenarbeit.
14.02.2020, 18:39
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Start ins neue Amt
Von Eike Wienbarg

Stuhr. An der Tür zum Bürgermeisterbüro im Stuhrer Rathaus prangt schon der Name des neuen Bürgermeisters Stephan Korte. Der Schreibtisch im Büro wirkt allerdings noch ein wenig verwaist. „Ich durfte schon zwei Kartons mitbringen“, sagt Korte mit einem Lachen. Am Freitag begann seine offizielle Amtszeit als Bürgermeister. Zur Schlüsselübergabe kam auch der bisherige Rathauschef Niels Thomsen vorbei.

„Es ist schon ein komisches Gefühl, in mein Büro zu kommen und jemand anderes residiert dort“, sagte Thomsen über seinen ehemaligen Arbeitsplatz. Am Mittwoch hatte er sich wie berichtet im Gemeinderat verabschiedet, am Donnerstag folgte der Abschluss mit den Mitarbeitern im Rathaus. Er übergebe die Schlüssel gerne an seinen Nachfolger, so Thomsen.

Stephan Korte wiederum hatte seit seiner Wahl im vergangenen Juni viel Zeit, sich auf das neue Amt vorzubereiten. Diese habe er unter anderem dafür genutzt, sich mit seinem Vorgänger Thomsen zu treffen. Dabei sei es nicht so sehr um Sachthemen gegangen. Vielmehr besprachen die beiden „Dinge, die nicht zwischen den Aktendeckeln“ stehen, berichtet Korte. Thomsen habe ihm seine persönlichen Eindrücke aus seiner Zeit als Gemeindeoberhaupt geschildert. Der neue Bürgermeister nutzte die Wartezeit auf das Amt nach eigenen Angaben aber auch, um viel in der Gemeinde unterwegs zu sein. Seit Oktober habe er sich aus seinem alten Job beurlauben lassen, berichtete Korte. „Ich freue mich auch wirklich, dass es jetzt losgeht“, sagte er.

Seinen ersten Tag im neuen Job begann Korte gemeinsam mit Thomsen. Anschließend schaute der Diepholzer Landrat und ebenfalls ehemalige Stuhrer Bürgermeister Cord Bockhop zu einem Besuch vorbei. Danach stand eine Besprechung mit den Abteilungsleitern im Rathaus auf dem Programm. „Viele kenne ich ja schon“, erzählte Korte. Gemeinsam mit ihnen möchte er sich nun auf den aktuellen Stand bei den vielen Projekten der Gemeinde bringen. Dabei geht es unter anderem um Langzeitthemen wie die Ortskernentwicklung in Brinkum oder um die Verlängerung der Bremer Straßenbahnlinie 8 über Stuhr nach Weyhe. Nach der rechtlichen Klarheit, die vom Bundesverwaltungsgericht geschaffen wurde (wir berichteten), gehe es jetzt an die Fragen, was die Gemeinde zum Beispiel im Bereich der Haltestellen und der Infrastruktur machen muss, so Korte. Ein konkretes Projekt, das Korte ganz oben auf seiner Liste hat, ist auch die Sanierung der Sporthallen an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Brinkum.

Ansonsten gebe es viele Themen, die „im Fluss sind“, so Korte unter anderem mit Blick auf die geplante Ansiedlung des Sportartikel-Händlers Decathlon in Brinkum-Nord, die Entwicklung der einzelnen Ortskerne und die Diskussion um Wohnraum oder die weitere Entwicklung von Gewerbeflächen. „Auch Stuhr stößt an die Grenzen“, sagte Korte. Im Falle von Gewerbegebieten möchte er sich möglichst schnell mit seinen Bürgermeisterkollegen aus der Region austauschen. Auch zum großen Nachbarn Bremen möchte Korte weiterhin ein „unkompliziertes Verhältnis“ pflegen.

Der Bereich Wohnraum betrifft Korte derzeit auch ganz persönlich. So ist er auf der Suche nach einer Wohnung in der Gemeinde. „Meine Familie bleibt erstmal in Bremen“, sagte er mit Blick auf seine Tochter, die dort zur Schule geht. Ein bisschen Bremen findet sich aber auch im neuen Büro von Korte wieder. So hängt hinter seinem Schreibtisch das Modell einer Hanse-Kogge mit der Bremer Speckflagge, ein Geschenk der Hansestadt zur Jubiläumsfeier des Ortes Brinkum.

Seinen neuen Job im Stuhrer Rathaus sieht Korte als „Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und Bürgerschaft“. Aus den vielen Gesprächen, die er im Wahlkampf geführt hat, habe er viele Anregungen mitgenommen. Zu allen Themen gebe es aber immer auch die Sicht der Verwaltung, so der neue Rathauschef. Um die Gemeinde kennenzulernen, will Korte bald eine Runde mit seinen neuen Kollegen vom Stuhrer Bauhof drehen, kündigte er an.

Am Freitagnachmittag stellte sich Korte noch den Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen vor. Durch die lange Zeit zwischen Wahl und Amtsantritt sowie den Wahlkampf hätten sich bereits viele Berührungspunkte ergeben, so Korte. Als Bürgermeister wolle er mit allen Fraktionen „gut zusammenarbeiten“. „Wir wollen fair miteinander umgehen“, sagte Korte. Das beinhalte unter anderem, dass alle Fraktionen immer auf dem gleichen Informationsstand sind. „Alle Argumente werden gehört“, versprach er den Fraktionsvorsitzenden. Am Ende stehe dann aber die Mehrheitsentscheidung.

„Ich stehe hier heute nicht als Sieger, aber ich bin Demokrat“, sagte CDU-Fraktionschef Frank Schröder zum Amtsantritt von Stephan Korte, der als unabhängiger Kandidat mit Unterstützung der SPD und der Grünen zur Wahl angetreten war und sich in der Stichwahl gegen den CDU-Mann Frank Holle durchsetzte. Es sei wichtig, jetzt wieder einen Bürgermeister zu haben. „Die Bevölkerung hat schon gefragt: Wann arbeitet ihr endlich wieder“, so Schröder. Er versprach Korte die Unterstützung seiner Fraktion, „so lange er auf der Seite von Stuhr“ ist.

SPD-Fraktionschefin Susanne Cohs freute sich „wahnsinnig“ über den Amtsantritt, da zahlreiche große Projekte für die Gemeinde anstehen. „Die nächsten Monate werden alles andere als einfach. Wir werden den Bürgermeister tatkräftig unterstützen“, sagte Cohrs. Ins gleiche Horn stieß Grünen-Fraktionsvorsitzende Kristine Helmerichs. „Ich freue mich, dass wir so viele Projekte vor der Nase haben, die vorher Ziele der Politik waren“, sagte sie. Die Straßenbahn komme endlich und die Ortskernentwicklung in Brinkum sei in der Bahn. „Es gibt einen positiven Drive“, hat sie beobachtet.

Alexander Carapinha Hesse, Vorsitzender des FDP-Fraktion, knüpfte einen Wunsch an den Bürgermeisterwechsel. „Ich hoffe, dass der Bürgermeister nicht nur verwaltet, sondern auch gestaltet.“ Die Liberalen wollen dabei ein „konstruktiver Partner“ sein. Besser-Fraktionschef Gerd-Wilhelm Bode unterstrich die Hoffnung auf mehr Gestaltung. Er schrieb Korte vor allem zwei Themen ins Stammbuch: Beim Ortskern in Brinkum hofft Bode, dass „eine Stadtplanung gemacht“ wird und bei der Straßenbahn fordert der Besser-Ratsherr die Erreichbarkeit der Haltestellen auch aus den südlicheren Ortsteilen. „Wir haben eine ganze Menge Pläne und Konzepte“, sagte Bode mit Blick auf das Mobilitätskonzept und den Lärmaktionsplan. „Ich bin guter Dinge, dass es gut laufen wird“, blickte Stephan Korte voraus auf die anstehenden Aufgaben. In der kommenden Ratssitzung im März wird er dann vereidigt.

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