Stuhr Rocks malt für Krankenhauspersonal Ein Dankeschön als ständiger Begleiter

Bemalte Steine als Mutmacher für den stressigen Arbeitsalltag verschenkt die Stuhrer Facebook-Gruppe Stuhr Rocks an Krankenhaus- und Rettungsdienstpersonal.
28.01.2021, 17:37
Lesedauer: 3 Min
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Ein Dankeschön als ständiger Begleiter
Von Alexandra Penth

Stuhr/Bremen. „Du bist unser Held des Alltags“ steht auf einem Stein. Und immer wieder taucht das Wort „Danke“ auf, auch auf Spanisch, Französisch und Arabisch. Auf weiteren Steinen krempelt jemand in OP-Montur motivierend die Ärmel hoch, eine Krankenschwester hat das Gesicht verzweifelt in die Hände gelegt. Wenn Kristina Davis in ihrem Zuhause in Groß Mackenstedt von solchen auf Stein gebannten Botschaften umgeben ist, färben die Emotionen sofort auf sie ab. „Es muss nichts Großes sein, um einen großen Einfluss zu haben“, sagt die Gründerin der Facebook-Gruppe Stuhr Rocks. Die Bewegung um die bunten Steine aus Stuhr hat sich mit den Nachbarn der Gruppe #Bremer Steine zusammengetan, um Krankenhauspersonal eine kleine Freude zu machen. „Viele wollen sich gerne bedanken, wissen aber nicht wie. Sie können gerade nicht persönlich zu den Krankenhäusern“, schildert Davis.

1218 Steine haben die beiden Gruppen innerhalb von zweieinhalb Wochen bemalt und mit einem Klarlack versiegelt, der Desinfektionsmitteln standhält. Etwas weniger als 200 kommen dabei aus Stuhr, immerhin haben die Bremer auch mehr als doppelt so viele Mitglieder, sagt Davis. Vor zwei Jahren hatte sie die Bewegung in Stuhr ins Leben gerufen. Die Idee, bunt bemalte Steine mit Verweis auf die Facebook-Gruppe in der Umgebung auszulegen, damit sich andere über sie freuen, hatte die Groß Mackenstedterin aus ihrer Heimat, den USA, mitgebracht. Vielerorts hat sich das etwas andere „Flaschenpost-Prinzip“ nun verbreitet. Die Stuhrer Facebook-Gruppe hat dabei etwa 2600 Anhänger.

Die Stuhrer haben mit ihren Kunstwerken bereits bei vielen Menschen für ein Lächeln gesorgt. Nun möchten sie mit kleinen Botschaften Krankenhaus- und Rettungsdienstpersonal für den aufopferungsvollen Einsatz in der Corona-Krise danken. Elke Waßmann, die neben Kristina Davis und Michaela Schnelle Administratorin der Gruppe ist, hatte den Stein ins Rollen gebracht. Eine Mutter in der Krabbelgruppe, die sie leitet, hatte seinerzeit gesagt, dass sie zunächst nicht mehr an den Terminen teilnehmen könne. „Sie sagte: Ich bin mit den Kräften am Ende“, erinnert sich Waßmann, die sich fragte, wie die Bevölkerung zeigen kann, dass sie an diese Menschen denkt. So kamen die Steine ins Spiel.

Da Stuhr aber kein eigenes Krankenhaus hat, war zunächst das Bremer Krankenhaus Links der Weser angedacht. Dort arbeitet auch ein Mitglied der Stuhrer Gruppe. Schließlich schlossen sich die Stuhr Rocks mit dem Bremer Äquivalent zusammen. „Erst hatten wir gesagt, dass eine Woche Zeit zum Malen ist, danach haben wir die Aktion noch einmal verlängert“, sagt Kristina Davis. Zunächst waren die Krankenhäuser Links der Weser, St.-Joseph-Stift und Bremen-Ost vorgesehen. Da es aber nun doch so viele Steine geworden sind, sollen auch das Klinikum Bremen-Mitte, die Professor-Hess-Kinderklinik, der Rettungsdienst Leeste, der Hospizverein und eventuell auch die Feuerwehr und andere bedacht werden. Elke Waßmann hatte eine Kiste voller Bremer und Stuhrer Steine persönlich bei der Rettungswache Leeste abgegeben. „Die waren total überrascht und erfreut, dass man an sie gedacht hat.“

Die fertigen Kunstwerke haben die Bremer und Stuhrer gemischt, die jeweiligen Administratorinnen koordinieren nun die Verteilung. „Wir haben natürlich alles kontaktlos gemacht, die Übergabe übernehmen unsere Mitglieder, die in den Krankenhäusern arbeiten“, erklärt Davis. Die Steine waren zum Teil in den Briefkasten des Verteilers gelegt worden. An diesem Wochenende erfolgen die vorerst letzten Übergaben der Stuhrer. Die Aktion passt gut in die Zeit, sagt Davis. Sie ermöglicht Zusammenarbeit trotz der Kontaktbeschränkungen. Allein die Teilnahme der Steinkünstlerinnen empfindet Elke Waßmann als „überwältigend“. Noch emotionaler aber ist die Reaktion aus den Krankenhäusern. Eine Nachtschwester aus dem Klinikum Links der Weser habe ihr eine persönliche Nachricht geschickt mit einem Foto von einem Stein auf einer Fensterbank ihres Arbeitsplatzes. Eine Kollegin hatte ihn dort platziert als kleinen Mutmacher, um gut durch die Nacht zu kommen.

„Es geht derzeit bei vielen nicht nur um die zu verrichtende Arbeit, sondern auch um die Angst, die in der Luft hängt“, sagt Kristina Davis, deren Ehemann im Rettungsdienst arbeitet. Vielleicht, sagt sie, kommt noch ein weiterer Schwung Steine dazu und die Mutmacher finden ihren Weg in weitere Bereiche. Als geübte Steinkünstlerin fasziniert sie, wie viel Zeit und Mühe Mitglieder in die Kunstwerke gesteckt haben. Und auch Kinder haben sich beteiligt.

Bettina Michaelis, die Gründerin der Gruppe #Bremer Steine, weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, seit Monaten am Limit zu arbeiten. Die Neustädterin arbeitet mit Menschen mit Beeinträchtigung und psychischen Erkrankungen, sagt aber: „Für die Menschen im Krankenhaus ist das nochmal eine Spur härter.“ Extraschichten und Notbesetzung seien an der Tagesordnung. Das Klatschen vom Balkon für Pflegekräfte sei verklungen, doch die Steine könnten zu ständigen Begleitern und Zeichen der Wertschätzung werden.

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