Neue Straßenverkehrsordnung Dynamik im Verkehr

In der Gemeinde Stuhr und auch anderswo könnten auf Verkehrsteilnehmer bald neue Schilder warten. Die neue Straßenverkehrsordnung hat aber auch noch andere Auswirkungen.
05.07.2020, 20:14
Lesedauer: 4 Min
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Dynamik im Verkehr
Von Eike Wienbarg

Stuhr/Landkreis Diepholz. Der Straßenverkehr ist immer etwas Dynamisches. Und genauso wie die Verkehrsmittel und -arten muss sich auch die Straßenverkehrsordnung (STVO) an neue Entwicklungen anpassen. Eben dieses ist vor Kurzem wieder geschehen. Neue Verkehrszeichen und Regelungen kommen dabei auf alle Teilnehmer im Straßenverkehr zu. Dabei gehe es vor allem um die Stärkung der schwächeren Verkehrsteilnehmer, berichtet Hartmut Martens, Leiter des Fachbereichs Bürgerservice, Verkehr und Feuerwehr bei der Stuhrer Gemeindeverwaltung. So werden unter anderem die Rechte von Radfahrern und Fußgängern gestärkt.

„Es geht um Abstand“, fasst Martens einen Kerngedanken der neuen Regelungen zusammen. Dieses Faktum wird in vielen neuen Regelungen deutlich. Zum Beispiel bei dem neuen Verkehrszeichen „Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen“. Das neue Symbol, das an das normale Überholverbots-Zeichen erinnert, zeigt statt eines zweiten Autos ein Rad und ein Motorrad. Damit soll an übersichtlichen Stellen das Überholen von einspurigen Fahrzeugen durch mehrspurige Fahrzeuge wie Autos verboten werden, erläutert Martens. Ist das Überholen erlaubt, muss innerorts ab sofort ein Mindestabstand von anderthalb Metern, außerorts von zwei Metern eingehalten werden.

Um Abstand geht es auch bei neuen Regelungen zum Parkverbot an Kreuzungen. „Früher gab es die Fünf-Meter-Regelung zum Parken an Kreuzungen“, sagt Martens. In diesem Bereich rund um die Kreuzung ist das Parken tabu. Wenn aber ein Radweg an der Straße verläuft, ist ab sofort ein größerer Abstand zu Kreuzungen und Einmündungen einzuhalten. „Bei Radwegen sind es jetzt acht Meter“, erläutert der Fachbereichsleiter. „Hier soll Sicherheit durch Sichtbarkeit geschaffen werden“, sagt er weiter. Dazu gehöre auch, dass Lastwagen nur noch in Schrittgeschwindigkeit abbiegen dürfen.

Apropos Parken: Auch dafür gibt es neue Regelungen, die sich vor allem auf die Sanktionen für Falschparker auf sogenannten Sonderwegen beziehen. „Fußwege und Radwege sind Sonderwege“, erklärt Martens. Wer auf diesen Wegen parkt, ohne dass es eine Einschränkung für die Nutzer gibt, musste früher mit einem Verwarngeld von 20 Euro rechnen, ab sofort sind es 55 Euro. Bei einer Nutzungseinschränkung oder einer Parkdauer länger als einer Stunde erhöht sich die Sanktion von früher 30 Euro auf 70 Euro und einen Punkt zuzüglich der Bearbeitung durch die Bußgeldstelle. Auch das Bußgeld für Fahrer, die ihren Wagen unberechtigt auf Schwerbehindertenparkplätzen abstellen, steigt an. Dort ist anstatt eines Bußgeldes in Höhe von 35 Euro nun eine Strafe von 55 Euro vorgesehen. „Wir gehen jetzt nicht gezielt los“, sagt Martens über die Kontrollpraxis in der Gemeinde Stuhr. Vielmehr gehe es in der Regel um Aufklärungsarbeit. „Kritische Parkräume“ sieht Martens vor allem in der Nähe von Seniorenheimen, Schulen und Kindertagesstätten.

Auch beim Parken könnten in Zukunft neue Symbole zu finden sein. Nach den erneuerten Regelungen ist es möglich, Standflächen für Elektrofahrzeuge oder Carsharing-Autos auszuzeichnen. „Vielleicht gibt es ja mal einen Carsharing-Anbieter in Stuhr“, sagt Martens vorausschauend. Nach der neuen Straßenverkehrsordnung können auch Flächen als Park- und Ladezone für Lastenfahrräder deklariert werden. Wie berichtet, erfreut sich das Lastenrad, egal ob zum Transport von Waren oder Menschen, auch in Stuhr immer größerer Beliebtheit. Anlässlich des Förderprogramms für den Klimaschutz der Gemeinde Stuhr wurden in diesem Jahr bereits fünf Förderungen für Lastenfahrräder in Höhe von 500 Euro durch den Verein Stuhr Plus, der sich um die Förderanträge kümmert, vergeben.

„Neu ist auch der Grüpfeil für Radfahrer“, berichtet Hartmut Martens weiter. Das Zeichen erlaubt Radfahrern – wie das Pendant für Autofahrer – das Abbiegen vom am rechten Fahrbahnrand gelegenen Radstreifen nach rechts trotz roter Ampel. Weiterhin gilt aber auch, dass die Verkehrsteilnehmer vor dem Abbiegen anhalten müssen. Außerdem darf niemand behindert oder gefährdet werden. In Stuhr gibt es für den Grünpfeil für Räder derzeit keinen Ort, sagt Martens. Für Autos findet sich dieses Symbol aber an der Kreuzung Blockener Straße/Stuhrer Landstraße im Ortskern von Alt-Stuhr.

Ein weiteres neues Verkehrszeichen soll ebenfalls Fahrradfahrern dienen. Dabei handelt es sich um ein grünes Schild mit einem Rad und zwei Streifen. Dieses Zeichen soll in Zukunft sogenannte Radschnellwege kennzeichnen. Diese sollen wichtige Verbindungen im überregionalen Radverkehrsnetz aufzeigen. „Das ist durchaus denkbar“, sagt Hartmut Martens auch mit Blick auf das laufende Projekt zum Thema Radwege des Kommunalverbunds Niedersachsen/Bremen.

Nicht ganz so neu sind die sogenannten Haifischzahn-Markierungen auf Fahrbahnen. Die drei weißen Dreiecke sollen beispielsweise im Bereich von Kreuzungen oder Einmündungen zum Einsatz kommen. Sie weisen unter anderem auf die Wartepflicht bei der Rechts-vor-links-Regelung hin. „Das gab es schon mal. Die machen Sinn“, befindet Martens. So will er nicht ausschließen, dass dieser Markierungen bald auch vermehrt in der Gemeinde zu sehen sind.

Allerdings schränkt der Fachbereichsleiter auch ein: „Wir werden mit den Verkehrszeichen sehr, sehr sorgsam umgehen.“ Bei den regelmäßigen Verkehrsschauen, die zwei- bis dreimal im Jahr stattfinden, werden kritische Punkte in der Gemeinde immer wieder geprüft. Auch auf die Hinweise von Anwohnern sei die Gemeinde angewiesen, so Martens. Änderungen würden immer in enger Abstimmung mit der Straßenbauverwaltung und der Polizei getroffen.

Mehr Informationen zu den Änderungen der Straßenverkehrsordnung gibt es im Internet unter der Adresse www.runtervomgas.de oder auf der Internetseite des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur unter www.bmvi.de. Hinweise für kritische Verkehrspunkte nimmt die Gemeinde Stuhr unter 04 21 / 5 69 52 03 oder per E-Mail an h.martens@stuhr.de entgegen.

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