Strohbach und Krey

Ladengestaltung statt Messe-Ständen

Das Messegeschäft ist durch die Corona-Krise komplett eingebrochen. Die Firma Strohbach und Krey aus Stuhr setzt nun verstärkt auf die Ladengestaltung anstelle des Messebaus.
01.03.2021, 17:33
Lesedauer: 3 Min
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Ladengestaltung statt Messe-Ständen
Von Esther Nöggerath
Ladengestaltung statt Messe-Ständen

Nils Krey ist seit 20 Jahren geschäftsführender Gesellschafter der Firma.

Vasil Dinev

Stuhr. Acht fertige Stände stehen in den beiden Hallen der Firma Strohbach und Krey an der Werner-von-Siemens-Straße in Stuhrbaum bereit. Eigentlich sollten sie auf Messen in ganz Deutschland aufgestellt werden, doch wegen der aktuellen Corona-Krise warten die einzelnen Maßanfertigungen der Firma nach wie vor auf ihren Einsatz. Rund 100 laufende Meter Lastwagen-Ware stehen dort bereit, dazu kommen tausende fertige Möbelstücke. Genutzt werden konnten sie im vergangenen Jahr nur wenig, auch dieses Jahr sieht es bislang kaum besser aus. Doch in der gut 4000 Quadratmeter großen Produktionshalle steht nicht alles still: Ein Schlosser schweißt an einem Geländer herum, auch in der hauseigenen Tischlerei herrscht Betrieb. Statt an Messe-Ständen wird dort derzeit an dem Interieur und der Außenfassade einer Apotheke gearbeitet, auch einen Schriftzug für ein Unternehmen gestalten die Handwerker derzeit. „Wir sind jetzt umgeschwenkt – weg vom Messebau hin zum Ladenbau“, erzählt Geschäftsführer Nils Krey.

Anstelle von großen Messe-Ständen gestalten die Mitarbeiter nun kreative Büro-Lofts, Showrooms oder auch Oldtimer-Garagen für ihre Kunden. „Die Themen, für die wir sonst in den Hochzeiten keine Zeit hatten, kann man jetzt angehen“, sagt Krey. Auch virtuelle Messe-Stände mit 3D-Visualisierungen designt und entwirft das Unternehmen derzeit vermehrt. „Das ist im Moment ganz trendy, aber ich glaube auch ganz fest an unser Kerngeschäft Messebau“, sagt Krey, der hofft, dass es mit den Messen auch irgendwann wieder losgehen kann. Denn auch wenn sich das Unternehmen derzeit anderweitig orientiert, reicht das lange nicht aus. „Wenn wir das jetzt weiter betreiben, kann das schon mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein werden“, sagt er. Die Verluste durch den weggefallenen Messebau könne das Geschäft mit dem Ladenumbau und den virtuellen Angeboten aber dennoch bei Weitem nicht ausgleichen.

Gut 70 Prozent Umsatzeinbußen hat das Unternehmen Strohbach und Krey allein im vergangenen Jahr durch die Corona-Pandemie einstecken müssen. „Wir hatten noch einen guten Januar und Februar mit starken Messen, das hat uns sehr geholfen“, sagt Nils Krey. Andernfalls wäre der Verlust wohl noch höher ausgefallen. Schwierig ist es laut dem Geschäftsführer vor allem auch mit der Planung gewesen, weil nie klar war, wie lange der Lockdown gehen würde und wann man wieder mit Veranstaltungen rechnen könnte. „Das hat das Handeln schwierig gemacht“, erklärt Krey, der sich auch mehr Unterstützung seitens der Politik gewünscht hätte. „Die ganze Veranstaltungsbranche wurde ja kaum gesehen“, moniert er. Dabei sei die Branche insgesamt ein enormer Wirtschaftszweig. Da dieser sich aber in sehr viele Kleinbetriebe untergliedere, fehle jedoch eine gewisse Lobby.

Strohbach und Krey gibt es bereits seit 1961 und war ursprünglich ein Bremer Grafik-Atelier. „Durch Kontakte kam dann irgendwann der Messebau dazu“, erzählt Krey. Inzwischen bildet der Messebau das Kerngeschäft von Strohbach und Krey, die bereits seit 25 Jahren in Stuhrbaum ihren Sitz haben. Der Grafik-Aspekt spielt bei Strohbach und Krey auch heute noch eine große Rolle beim Messebau: „Die Kunden kommen mit einem Thema zu uns und wir formen daraus ein Konzept“, schildert der Geschäftsführer. „In der Regel denken wir frei.“ Bei der Realisierung geht es dann von der Architektur des Standes über das Catering bis hin zur Werbung. „Wir leben auch stark vom internationalen Geschäft“, berichtet Krey. So habe die Firma etwa auch schon in Dubai Projekte realisiert.

Die rund 30 Mitarbeiter des Unternehmens Strohbach und Krey sind derzeit jedoch in Kurzarbeit, von der das Planungsbüro am stärksten betroffen ist. Die Produktion ist dagegen nur zu 20 Prozent in Kurzarbeit, für die Handwerker gibt es noch etwas zu tun. „Wir drehen auch das Lager gerade auf links und strukturieren komplett um“, erzählt Krey. Auch gut 50 freie Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen normalerweise, die regelmäßig bei der Montage vor Ort auf Messen mithelfen. „Messebau ist ein reines Termingeschäft“, sagt Krey, der fürchtet, dass sich der ein oder andere freie Mitarbeiter durch die fehlenden Aufträge nun auch anderweitig umguckt und dann nicht mehr zur Verfügung steht, wenn es wieder richtig losgehen sollte. „Das ist eines unserer größten Themen“, sagt er. Denn im Termingeschäft brauche man Flexibilität. „Ohne Subunternehmer geht das nicht.“

Dennoch ist Nils Krey zuversichtlich, dass das Unternehmen die Krise überstehen wird und sich mit der Verlagerung auf andere Projekte über Wasser halten kann. „Wir sind liquide genug“, sagt er. Gleichzeitig geht er davon aus, dass die Talfahrt noch lange nicht vorbei ist. „Für unsere Branche ist jetzt schon klar, dass bis Ende des Jahres alles tot ist“, sagt der Geschäftsführer, der hofft, dass das Messegeschäft danach allmählich wieder anläuft. „Wir rechnen damit, dass wir bei dem alten Umsatz in den nächsten vier bis fünf Jahren irgendwann wieder ankommen“, schätzt Krey.

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