Heinz Wilhelm Schmidt wird 95 Die Lokalpolitik immer im Fokus

Heinz Wilhelm Schmidt war Brinkums letzter und Stuhr erster Bürgermeister. Nun wird der Brinkumer Lokalpolitiker 95 Jahre alt und blickt auf Stationen seines Lebens zurück.
24.11.2022, 05:05
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Die Lokalpolitik immer im Fokus
Von Claudia Ihmels

Stuhr. Ein Platz in der Stuhrer Geschichte ist ihm längst sicher. Heinz Wilhelm Schmidt war 1974 nach der Gebietsreform der erste Bürgermeister der neuen Gesamtgemeinde Stuhr. Vorher hatte der Sozialdemokrat bereits die Geschicke der Gemeinde Brinkum geleitet. Schmidt, der am Donnerstag, 24. November, 95 Jahre alt wird, blickt voller Freude und Stolz auf seine lange Zeit in der Kommunalpolitik zurück. Damit verbunden sind auch zahlreiche besondere Erinnerungen, zum Beispiel an das Zusammentreffen mit seinem Vorbild Wilhelm Kaisen.

Dabei deutete zunächst wenig darauf hin, dass er einmal kommunalpolitisch Karriere machen wird. Seine Kindheit und Jugend waren geprägt von der Zeit des Nationalsozialismus und vom Zweiten Weltkrieg. Der gebürtige Brinkumer besuchte in seinem Heimatort die Schule. Mit 15 Jahren wurde er zusammen mit sieben anderen Jungen aus seinem Jahrgang Luftwaffenhelfer. Nach der Mittleren Reife folgte die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst und kurz vor Kriegsende kam er als Soldat zum Einsatz nach Berlin. Schmidt geriet erst in amerikanische und dann in britische Gefangenschaft. Als er im Juli 1945 aus dieser nach Brinkum zurückkehrte, fand er seinen Heimatort "total zerstört" vor, erinnert er sich. 

Der junge Mann begann eine Ausbildung zum Nähmaschinenkaufmann beim Nähmaschinenhaus Erich Sievert in Bremen, die er mit Auszeichnung abschloss. Sieben Jahre war er dort weiterhin tätig, dann wechselte er als Verkaufsassistent zur Bremer Filiale der Singer AG, später war er auch Leiter der Geschäftsstelle. Seit 1961 arbeitete Heinz Wilhelm Schmidt im öffentlichen Dienst für den Abwasserverband in Leeste. 1953 heiratete Schmidt seine Frau Gertrud. "Ich habe sie beim Tanzen bei Knief in Angelse kennengelernt", erzählt er. Richtig ins Gespräch gekommen sei man aber erst kurze Zeit später, als man sich zufällig erneut bei einer privaten Feier traf. Sehr froh ist Schmidt, dass seine vor einigen Jahren verstorbene Frau und er noch ihre Diamantene Hochzeit feiern konnten. Das Paar hat einen Sohn, zwei Enkel und zwei Urenkel. "Und ich habe eine sehr liebe Schwiegertochter", ergänzt Heinz Wilhelm Schmidt.

Neben der Familie und dem Beruf hat die Kommunalpolitik lange einen großen Teil seines Lebens eingenommen. Sein Großvater war 1903 Gründungsmitglied der SPD, auch habe er schon immer ein großes Interesse an Geschichte gehabt, so Schmidt. 1956 trat auch er in die SPD ein, zu Wahlkampfzeiten half er beim Plakate kleben. Den Anstoß zu seiner ersten Kandidatur für den Brinkumer Gemeinderat gab ein Nachbar – Hermann Rendigs. "Er hat mich angeworben. Meine Frau hat dann auch gesagt, ich soll doch ruhig kandidieren", sagt Schmidt. Rendigs und er kandidierten und wurden beide gewählt. Politische Weggefährten blieben sie über viele Jahre. Rendigs wurde später Gemeindedirektor, Schmidt war von 1970 bis 1974 Bürgermeister von Brinkum. In dieser Zeit begleitete er die Gebietsreform in Niedersachsen mit, in deren Zuge die heutige Gemeinde Stuhr entstanden ist. Für zwei Jahre wurde Schmidt anschließend erster Bürgermeister der neuen Gemeinde, von 1986 bis 1991 bekleidete er dieses Amt erneut. Auch in anderer Hinsicht passierte gerade in den 1960er- und 1970er-Jahren viel in Brinkum, erinnert er sich. Durch den Autobahnbau waren die Bereiche rund um die Anschlussstellen attraktiv geworden. "Viele namhafte Firmen siedelten sich in Brinkum-Nord an", sagt Schmidt, der außerdem den Bau der Kooperativen Gesamtschule Brinkum und diverser Kindergärten nennt.

Auch auf Kreisebene engagierte er sich politisch. Bis 1996 gehörte Schmidt dem Kreistag an, war zwischenzeitlich sogar stellvertretender Landrat. Da er alle seine politischen Ämter ehrenamtlich neben Beruf und Familie ausübte, fielen die Vorbereitungen für Sitzungen häufig in die Abendstunden. "Ich habe meine Sache sehr ernst genommen", sagt Schmidt und ist dankbar für die Unterstützung seiner Familie. Vor allem seine Frau habe sich bei den Besuchen aus den französischen und lettischen Partnergemeinden als gute Gastgeberin engagiert. "Die Franzosen waren auch privat bei uns, wir haben dann während dieser Zeit auf dem Sofa übernachtet", erinnert er sich. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm auch eine SPD-Veranstaltung in Heiligenrode im Jahr 1976. Weil ein anderer Gastredner ausgefallen war, lud Heinz Wilhelm Schmidt den ehemaligen Bremer Bürgermeister Wilhelm Kaisen ein. Dieser sagte zu, allerdings mit der Bedingung, dass Schmidt ihn aus Borgfeld abholt. "Mein Sohn Wolfgang war unser Chauffeur", so Schmidt. Während der Hin- und Rückfahrt sei er ausgiebig mit Kaisen ins Gespräch gekommen.

Ganz bewusst hat sich Schmidt gegen eine weitere Karriere in der Politik entschieden. Dabei habe man ihm durchaus eine Landtagskandidatur zugetraut. "Ich bekam ja immer viele Stimmen", sagt er. Doch der nun 95-Jährige wollte Brinkum treu bleiben, woanders hinzuziehen kam für ihn weder politisch noch beruflich in Frage. Neben der Politik engagierte er sich außerdem lange im Männerchor Erichshof. "Ich bin sehr heimatverbunden", sagt er und freut sich, dass er in seiner Heimat nun auch seinen hohen Geburtstag begehen kann. Dazu wird es unter anderem eine Feier im Familienkreis geben.

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