Faire Wochen

Gruppe Stuhr Fair plant Lesung mit Imke Müller-Hellmann

Die Gruppe Stuhr Fair beteiligte sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Fairen Woche. Dafür hat die Gruppe eine Lesung mit Imke Müller-Hellmann organisiert.
22.09.2021, 18:07
Lesedauer: 4 Min
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Gruppe Stuhr Fair plant Lesung mit Imke Müller-Hellmann
Von Eike Wienbarg

Stuhr. Unter dem Motto "Zukunft fair gestalten" läuft bereits seit dem 10. September deutschlandweit die Faire Woche, veranstaltet vom Forum Fairer Handel in Kooperation mit den Organisationen Fairtrade Deutschland und dem Weltladen-Dachverband. Mehr als tausend Veranstaltungen im Bundesgebiet beschäftigen sich daher derzeit mit Themen rund um den fairen Handel und die faire Produktion von Gütern. Und das schon zum 20. Mal. Auch die Gruppe Stuhr Fair nimmt wieder an der Veranstaltungsreihe teil. Für Donnerstag, 14. Oktober, haben Annegret Merke und ihr Team eine Lesung mit der Autorin Imke Müller-Hellmann in Brinkum organisiert.

Die Gruppe Stuhr Fair beteiligt sich laut Merke bereits seit dem Jahr 2006 an den Aktionen der Fairen Woche. "Das Thema bezieht sich auf menschenwürdiges Arbeiten und eine nachhaltige Produktion", umreißt Merke den Hintergrund der Aktion. "Millionen von Menschen arbeiten immer noch unter schlechten Bedingungen", gibt Merke zu Bedenken. So gehe es bei der aktuellen Fairen Woche vor allem um die Auswirkungen des Wirtschaftens hier vor Ort auf die Arbeitsbedingungen am Anfang der Lieferketten.

In den vergangenen Jahren habe Stuhr Fair ganz verschiedene Veranstaltungen und Projekte angeschoben, die sich mit dem Themenbereich beschäftigten. "Wir haben immer auf Veranstaltungen gesetzt, die Menschen Freude bringen und Spaß machen", sagt Merke über die Philosophie der Gruppe. Sie erinnert sich dabei vor allem an ein Mädchen-Fußballturnier zwischen den Kooperativen Gesamtschulen (KGS) in Brinkum und Moordeich mit fairgehandelten Bällen. Zweimal habe dieses Turnier stattgefunden, so Merke. Hinzu kamen faire Frühstücke, Kochduelle oder Schlemmermahle sowie Ausstellungen, Vorträge und Projekte mit Kirchen, Schulen oder Jugendlichen.

Einmal alleine und einmal zusammen mit dem damaligen Stuhrer Klimaschutzmanager Colja Beyer gab der Stuhrer Arbeitskreis Einkaufsführer mit Tipps für den bewussten Einkauf in der Region heraus, erzählt Merke weiter. Aktuell läuft auch noch das Projekt der Gruppe zum Recycling von Handys. Dafür stehen Boxen unter anderem im Rathaus der Gemeinde Stuhr an der Blockener Straße 6 bereit.

In diesem Jahr möchte sich Stuhr Fair mit einer Lesung am 14. Oktober ab 19 Uhr im Brinkumer Treffpunkt Sie(h) da an der Jupiterstraße 1 an den Fairen Wochen beteiligen. Eingeladen ist dafür die Autorin Imke Müller-Hellmann mit ihrem Buch "Leute machen Kleider: Eine Reise durch die globale Textilindustrie". Darin beschäftigt sich die Autorin mit der Herkunft ihrer Kleidung, erzählt Annegret Merke. Ausgangspunkt ist dabei ihr Lieblingskleidungsstück. Auf der Suche nach der Herkunft gelangt Müller-Hellmann dann unter anderem nach Bangladesch, Vietnam, Portugal und China, aber auch nach Thüringen und auf die Schwäbische Alb. Vor allem die Produktionsbedingungen hat sie dabei im Blick.

Ursprünglich sei die Veranstaltung schon im vergangenen Jahr zusammen mit der Ausstellung "Ich mache deine Kleider" geplant gewesen, erzählt Stuhrs Gleichstellungsbeauftragte Nicole Feldmann-Paske. Allerdings machte Corona der Veranstaltung einen Strich durch die Rechnung. Die Ausstellung konnte nur digital zum Weltfrauentag gezeigt werden, so Feldmann-Paske weiter.

Gerade in der Modeindustrie seien es vor allem Frauen, die unter Ausbeutung leiden, berichtet die Stuhrer Gleichstellungsbeauftragte, der ein Schicksal aus der Ausstellung besonders in Erinnerung geblieben ist. Dabei handelt es sich um eine junge Frau aus Südostasien, die sechs Tage in der Woche arbeiten muss. Pro Stunde nähe sie hundert Kragen an Hemden. Es gebe keine Zeit für Pausen oder auch nur, um auf die Toilette zu gehen, erzählt Feldmann-Paske aus den Schilderungen der Frau. "Bangladesch hat die billigsten Arbeitskräfte der Welt", sagt die Gleichstellungsbeauftragte weiter. Das führe in dem Land zwar zu einem "spektakulären Wachstum", die Arbeiterinnen würden davon aber nicht profitieren.

Sie würden vor allem unter den traditionellen Rollenbildern in der Region leiden. Männer seien eher die Aufseher und üben Druck aus, die Frauen fügen sich und arbeiten, so Feldmann-Paske. Weltweit hätten Frauen nur 20 Prozent Anteil am Grundbesitz und verfügen so schon strukturell über wenig Kapital. Studien hätten auch gezeigt, dass Frauen bei der Vergabe von Krediten massiv benachteiligt werden, sagt Feldmann-Paske. Auch in Deutschland erlangten Frauen erst in den 1970er-Jahren das Recht auf ein eigenes Bankkonto oder die eigene Entscheidung, wo sie arbeiten möchten, erinnert sie. "Frauen in Entwicklungsländern kämpfen bis heute für diese Rechte", so Feldmann-Paske.

Um all diese Themen soll es im Anschluss an die Lesung im Sie(h) da dann auch gehen, sagen Merke und Feldmann-Paske. Wer daran teilnehmen möchte, muss sich bis 8. Oktober verbindlich per E-Mail an gleichstellungsbeauftragte@stuhr.de unter Angabe der Adressdaten und Telefonnummer anmelden. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Es gelten die aktuellen Hygieneregeln, wie zum Beispiel die Maskenpflicht auf dem Weg zum Platz.

Weitere Informationen zur Fairen Woche gibt es um Internet unter www.fairewoche.de.

Zur Sache

Arbeitsgruppe Stuhr Fair

Unter dem Motto "Global denken - lokal handeln" setzt sich die Gruppe Stuhr Fair seit Jahren für die Verbreitung des Fairen Handels ein. Laut Annegret Merke von der Gruppe besteht das Team derzeit aus sieben Mitgliedern. Die Gruppe trifft sich jeden letzten Dienstag im Monat ab 16.30 Uhr im Gebäude der Volkshochschule (VHS) in Brinkum an der Jupiterstraße 1. Weitere Informationen zur Gruppe erteilt Merke unter der Rufnummer 0421/73555 oder per E-Mail an info@stuhr-fair.de. Außerdem ist die Gruppe im Internet unter www.stuhr-fair.de zu finden.

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