Willi-Heineking-Ehrenpreis für Benno Tamsen

Stuhrer Handwerker ausgezeichnet

Stetige Veränderung und das Bauen auf mehrere Säulen sind das Erfolgsrezept des Stuhrer Unternehmers Benno Tamsen. Der 59-jährige Senior bei Tamsen Bau hat nun den Willi-Heineking-Ehrenpreis erhalten.
29.11.2019, 17:57
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Stuhrer Handwerker ausgezeichnet
Von Alexandra Penth
Stuhrer Handwerker ausgezeichnet

Er steigt nicht mehr selbst aufs Dach, die Zunftkleidung ist für Benno Tamsen, Gründer von Tamsen Bau, aber unerlässlich.

Vasil Dinev

Stuhr-Groß Mackenstedt. Benno Tamsen ist ganz in seinem Element. Das Bürogebäude seiner Firma Tamsen Bau ist nicht etwa ein moderner Glas- und Betonklotz. Der Schreibtisch des 59-Jährigen steht in der Nische unter dem Dach eines Blockhauses mitten im Industriegebiet. Wände, Treppe, sogar die Sitzecke für die Mitarbeiter – alles aus naturbelassenem Holz. Der Werkstoff, der den Zimmerei- und Dachdecker-Meister schon ein Leben lang begleitet. Und weil der gebürtige Bremer nie stehen geblieben ist, auch als Chef immer von seinen Mitarbeitern verlangt hat, sich weiterzubilden, hat er kürzlich den Willi-Heineking-Ehrenpreis der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU im Bezirksverband Hannover erhalten.

Er war stutzig geworden, als Mitglieder der Vereinigung bei ihm in der Firma waren und das Gespräch dann in eine unerwartete Richtung lenkten. „Ich dachte: Wann fragen sie, was sie für mich tun können?“, sagt Benno Tamsen. Als man mit der Sprache rausrückte, war er „überrascht und stolz“. Die Kriterien für den Preis, der an mittelständische Unternehmer aus dem Landkreis Diepholz geht, sind laut der MIT Mut zur Innovation, Integrität, Transparenz sowie ethisches Verhalten. Um zu verstehen, warum Benno Tamsen sie alle erfüllt, muss man die ganze Geschichte betrachten.

In der Schule deutete alles auf eine kaufmännische Lehre hin, also bewarb sich Benno Tamsen in diese Richtung. Die Mutter begleitete ihren noch nicht volljährigen Sohn zum Unterzeichnen des Ausbildungsvertrages. Der 17-jährige Tamsen aber zögerte: „Ich wollte etwas an der frischen Luft, etwas Praktisches machen.“ Am Tag darauf ging er alleine zu einem Zimmerei-Betrieb und stellte sich vor. Per Handschlag war die Sache klar. Auch heute noch imponieren dem Unternehmer Schulabgänger, die sich ohne ihre Eltern bei ihm vorstellen, sagt er. Tamsen verkürzte die Lehre, leitete im dritten Lehrjahr bereits eine Baustelle. Dort sprach er als einziger Kollege Deutsch, doch das machte ihm nichts aus. „Ich gehe gerne auf Menschen zu“, sagt Tamsen. Später bildete er auch Nachwuchs über Landesgrenzen hinaus aus. Bis vor drei Jahren war er intensiv mit der Europaschule der Berufsbildenden Schulen (BBS) Syke verbunden. Lehrlinge bekommen dabei die Chance, einen Teil ihrer Ausbildung in anderen europäischen Ländern zu absolvieren. Tamsen fuhr mit, war viel in Osteuropa und Skandinavien unterwegs.

Auf dem eigenen Garagenhof in Seckenhausen war Tamsen Bau vor 30 Jahren als Ein-Mann-Betrieb gestartet. Die damals geltenden fünf Pflichtjahre nach dem Gesellenbrief hatte Benno Tamsen abgewartet, ehe er in die Zimmerer-Meisterprüfung ging. 1992 zog die Firma an die Mackenstedter Straße. Heute sind es 19 Angestellte, die Geschäftsführung hat 2014 Junior Lucas Tamsen übernommen. Hinter Tamsen Bau steht die ganze Familie, alle drei Kinder sind involviert.

Aufs Dach steigt Benno Tamsen, der Senior, nicht mehr, trägt dennoch wie selbstverständlich seine schwarze Zunftkleidung über einem weißen Hemd. Er vermisst die Arbeit draußen, aber Veränderung ist für ihn mindestens genauso selbstverständlich. Benno Tamsens Steckenpferd ist die Bauplanung geworden. Vor 30 Jahren stand Tamsen Bau für Dachstühle und Dachdeckerarbeiten, mittlerweile bietet die Firma das Komplettpaket an. „Wir übergeben den Bau schlüsselfertig“, erklärt Benno Tamsen. Auch die Fassade und Wände macht die Firma. Die Holzrahmenbauwände nehmen gut 80 Prozent der eigenen Werkstatt ein. Fenster und Türen werden eingesetzt und das Ganze per Kran an Ort und Stelle gebracht. Die Aufträge konzentrieren sich auf Bremen und das Umland. „Wir sind sehr gut ausgelastet“, sagt Benno Tamsen.

Fünf Auszubildende im Handwerk hat das Groß Mackenstedter Unternehmen derzeit. Immer, sagt Benno Tamsen, hat er Lehrlinge gehabt. Das sei keine Selbstverständlichkeit. Er wolle seinen Mitarbeitern etwas bieten. Von den Holzwänden ist über der Sitzecke im Bürogebäude vor lauter Urkunden kaum etwas zu sehen. „Jeder Mitarbeiter hat mehrere Qualifikationen“, erklärt Tamsen, blickt dabei auf die gerahmten Zertifikate und Meisterbriefe.

Der dreifache Großvater, der nach Bremen gezogen ist, Stuhr aber seine Heimat nennt, war Dozent an der Meisterschule Hannover, dann klärt er ehrenamtlich über altersgerechtes Wohnen auf, unter anderem als Teil des Technikbeirates für Stuhr und Weyhe. Viel hat er auf dem Zettel – und das wird die Mitglieder der MIT wohl davon überzeugt haben, Benno Tamsen auszuzeichnen. Für den zählt aber nur eines: „Ich mache die Dinge immer mit sehr viel Herzblut.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+