Schluss nach 111 Jahren

Stuhrer Traditionsgärtnerei Heinken schließt an Silvester

Die Stuhrer Traditions-Gärtnerei Heinken schließt nach 111 Jahren. Am 31. Dezember um 13 Uhr ist Schluss.
16.12.2019, 22:07
Lesedauer: 3 Min
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Stuhrer Traditionsgärtnerei Heinken schließt an Silvester
Von Eike Wienbarg
Stuhrer Traditionsgärtnerei Heinken schließt an Silvester

Blickt mit Wehmut zurück: Hans Heinken schließt zum Ende des Jahres seinen Betrieb.

fotos: Vasil Dinev

An der Blockener Straße 26 in Alt-Stuhr endet bald ein Ära. Zum Jahresende schließt dann das Blumenhaus Heinken – nach 111 Jahren. Laut Gärtnerei-Inhaber Hans Heinken sind vor allem die fehlende Nachfolge sowie der Fachkräftemangel die Gründe für die Schließung. Angefangen hat dabei alles im Jahr 1908 mit Hans Heinkens Großvater Johann.

Er gründete den Stuhrer Betrieb. So verkaufte Heinken Gemüsepflanzen, Obstgehölze und Baumschulartikel, erzählt sein Enkel. Auch beim Wochenmarkt in Bremen bot er seine Waren an. Bis in die 1960er-Jahre waren die Heinkens dort vertreten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Hans' Vater Christel den Betrieb. Er vergrößerte das Unternehmen und setzte den Schwerpunkt vermehrt auch auf den Verkauf von Blumen. Dafür wurde unter anderem ein eigener Blumenladen gebaut, berichtet Hans Heinken.

Erweiterung des Kundenkreises

Ab diesem Zeitpunkt bot das Unternehmen „alles an, was im Ort gebraucht wurde“, so Heinken weiter. Dazu zählen Sämereien wie auch Grabschmuck oder Kränze und Gebinde zu allen möglichen Anlässen. „Wir waren vielseitig“, sagt Heinken. Dabei profitierte die Gärtnerei auch vom Bauboom in den 1970er-Jahren. Immer mehr Menschen zogen nach Stuhr und auch der Kundenkreis der Heinkens erweiterte sich stetig.

„Die Ansprüche wurden auch größer“, erinnert sich Hans Heinken, der Anfang der 1970er-Jahre mit seinem Bruder Helmut in den Betrieb einstieg. „Wir sind beide gelernte Gärtner“, berichtet der heute 69-Jährige. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage und der Aufnahme von Zierpflanzenkulturen, unter anderem Azaleen und Eriken, wie Hans Heinken berichtet, musste die Fläche der Gewächshäuser im hinteren Teil des Grundstücks an der Blockener Straße erweitert werden. „Wir haben immer auf die Qualität geachtet“, betont er.

Um das Blumengeschäft kümmerte sich Hans' Mutter Melita. In dem Laden wurden ebenfalls die Samen verkauft. „Jeder auf dem Land hatte damals seinen eigenen Garten“, sagt Hans Heinken. Auch Floristen konnten eingestellt werden. Seit 2000 führt Hans Heinken die Gärtnerei allein. Unterstützt wird er dabei von Floristik-Meisterin Christa Frieling, seiner Schwester Christa Duve, Annegret Lange, Anja Lieske und Katrin Domnick.

Stammkunden seit 30 Jahren

„Was wir hier machen, ist nur im Team möglich“, hebt Frieling die „besondere“ Atmosphäre in der Firma hervor. Und auch Chef Hans Heinken lobt seine Mitarbeiterinnen. „Es ging immer alles Hand in Hand“, sagt er. So sei eine richtige Gemeinschaft entstanden. „Es hat immer Spaß gemacht, hier zu sein“, sagt Christa Frieling mit einer Prise Wehmut. Und das merkten auch die Kunden. Das Blumenhaus baute sich nach und nach einen Kundenstamm auf, der heute bis nach Bremen reicht, erzählt Hans Heinken.

Christa Frieling betont auch die besondere „Wahrnehmung“ der Firma. Gemeinsam mit den Kunden wurden die Arrangements besprochen, sowohl sie als auch die Mitarbeiter konnten ihre Wünsche äußern. „Das war der Heinken-Style“, sagt Frieling nicht ohne Stolz. „Die Kunden sind alle sehr traurig“, berichtet Hans Heinken von einigen „sehr emotionalen Momenten“ in den vergangenen Tagen. Manche der Kunden kommen seinen Angaben nach schon mehr als 30 Jahre in das Geschäft und holen Blumen und Kränze für alle möglichen Anlässe.

„Da haben sich sehr gute Kontakte aufgebaut“, sagt Heinken. Aber sein Entschluss steht fest. „Am 31. Dezember um 13 Uhr ist Schluss“, sagt Heinken. Zwar habe er sich die Entscheidung nicht einfach gemacht, mehrere Gründe sprachen aber für die Schließung des Familienbetriebes. So gebe es seit Jahren schon Personalprobleme. „Fachpersonal zu finden, ist schwierig. Und wir sind auf Floristen angewiesen“, berichtet er. Nur so sei der hohe Anspruch der Kunden zu erfüllen, und Abstriche bei der Qualität wolle er nicht machen.

Kein Nachfolger

Schon seit einiger Zeit hatte Heinken daher die Geschäftszeiten reduziert. An zwei Nachmittagen die Woche hatte das Geschäft geschlossen. Einen Nachfolger in der Familie gebe es nicht, sagt der 69-Jährige weiter. Auch für ihn persönlich sei nun mit der Arbeit Schluss. Die vielen Jahre Arbeit haben ihre Spuren hinterlassen. „Der Beruf ist sehr körperlich“, erzählt Hans Heinken von dem ein oder anderen Wehwehchen. An Urlaub sei in den vergangenen Jahren nicht zu denken gewesen, sagt er weiter. „Fünf Mal in 50 Jahren“, kann Heinken seine Reisen an einer Hand abzählen. Gerade im Sommer habe er viel mit der Pflege der Pflanzen zu tun gehabt, berichtet er. „Ich bin durch und durch Gärtner“, sagt Heinken.

Außerdem hätte Heinken noch einmal massiv in die Modernisierung der Gewächshäuser investieren müssen. „Das möchte ich mit 69 nicht mehr auf mich nehmen“, berichtet er und weiter: „Dann müsste ich noch zehn Jahre weiterarbeiten.“ Wie es mit dem großen Grundstück der Gärtnerei weitergeht, ist auch schon so gut wie geklärt. Ein Teil der Fläche der Gewächshäuser ist bereits jetzt als Bauland vorgesehen. Laut Planungen der Gemeinde Stuhr könnten im hinteren Bereich Einzel- und Doppelhäuser entstehen (wir berichteten). Gleiches könnte auch bald dem vorderen Teil des Gärtnerei-Geländes blühen. „Irgendwann wird es auch noch Baugebiet“, ist sich Heinken sicher.

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