Handball

Stuhrs Aufbäumen kommt zu spät

Die HSG Stuhr verspielt einen möglichen Sieg gegen die HSG Delmenhorst II bereits in der ersten Hälfte. Nach dem Seitenwechsel macht sie die Gäste nervös. Delmenhorst wankt, fällt aber nicht.
23.02.2020, 20:25
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Thorin Mentrup
Stuhrs Aufbäumen kommt zu spät

Insgesamt 26 Mal musste Stuhrs Keeper Bjarne Niklas Asmus (links) hinter sich greifen.

Michael Galian

Brinkum. Sven Engelmanns Körperhaltung sprach Bände: Das Gesicht tief in den Händen vergraben, saß er auf der Bank. Als wollte der Coach des Handball-Landesligisten HSG Stuhr kurz für sich sein, von der Außenwelt nichts mitbekommen. Verarbeiten, was er gerade erlebt hatte. Denn das war, so gab der Trainer zu, nicht weniger als „ein harter Schlag“. Das 24:26 (10:16) gegen die HSG Delmenhorst II ordnete er als zwei verlorene Punkte ein, die im Kampf um den Klassenerhalt umso schmerzhafter auf dem Punktekonto fehlen. Der Rückstand auf Rang elf, den ersten Nichtabstiegsplatz, beträgt bereits sieben Zähler. Die HSG verliert das rettende Ufer mehr und mehr aus den Augen. Erst einmal geht es nun darum, den SVGO Bremen auf dem Relegationsplatz einzuholen. Die Westbremer liegen nur drei Punkte vor Stuhr.

Mit einer Leistung wie im ersten Durchgang gegen Delmenhorst wird das Unterfangen Klassenerhalt allerdings kaum zu realisieren sein. „Keine Frage, in den ersten 30 Minuten haben wir das Spiel verloren“, redete Engelmann Klartext. „Wer so viele technische Fehler macht und so wenig Druck ausübt, der muss sich nicht wundern, wenn er 10:16 hinten liegt“, sah er große Mängel im Offensivspiel. Doch auch in der Defensive setzten die Gastgeber nicht um, was sich der Trainer erhofft hatte: „Wir wollten eigentlich, dass Delmenhorst dicht rankommt, und die Spieler dann im Nahwurfbereich festmachen. Aber jeder hat sich auf den anderen verlassen. Dann kann das nicht funktionieren“, haderte Engelmann. Seine Sieben machte es sich selbst schwer – und den Gästen viel zu leicht. Delmenhorst kam zu etlichen einfachen Toren durch Tempogegenstöße und setzte sich früh ab. Marlin Hörner traf bereits in der vierten Minuten zum 4:1 für die Delmestädter. Deren Trainer Adrian Hoppe war mit dem ersten Durchgang seines Teams zufrieden: „Wir haben hinten sicher gestanden und auch unsere Angriffssituationen gut ausgespielt.“ Über eine 10:6-Führung setzte sich sein frischer wirkendes und variabler auftretendes Team bis zur Pause deutlich ab.

Stuhr stellt um und kommt heran

Eigentlich sprach nichts mehr für die HSG Stuhr, als die zweiten 30 Minuten begannen. Doch die Gastgeber bäumten sich noch einmal auf, „der Kampfgeist ist erwacht“, registrierte Engelmann die deutliche Steigerung. Stuhr verteidigte nun offensiver und machte das Spiel um Angriff breiter. So öffneten sich mehr Lücken im vor der Pause kaum einmal ernsthaft geprüften Delmenhorster Deckungsverbund, in die Heimsieben nun auch mit mehr Nachdruck stieß. „Dadurch haben wir bessere Chancen bekommen. Weil unser Angriffsspiel insgesamt besser geworden ist, sind auch die Tempogegenstöße der Delmenhorster entfallen“, wusste Engelmann. Die Gäste bekamen mehr und mehr Probleme, verloren nun ihre Souveränität: „Wir haben Stuhr durch viele technische Fehler, aber auch mehr Fehlwürfe wieder ins Spiel gebracht“, ärgerte sich Hoppe. Seine Mannschaft habe sich von der Hektik anstecken lassen und die Ruhe verloren.

Trotzdem schien Delmenhorst lange Zeit einem recht ungefährdeten Sieg entgegenzusteuern, führte keine 13 Minuten vor dem Ende nach einem Siebenmeter-Tor von Bastian Schäfer noch mit 20:15. Es häuften sich jedoch die Phasen, in denen Stuhr drauf und dran war, richtig zurückzukommen ins Spiel, den Rückstand mal auf zwei Tore zu verkürzen. Doch in diesen Momenten hatte Delmenhorst meist eine Antwort parat. Die Gastgeber haderten derweil auch mit den Entscheidungen der Unparteiischen, die ihrer Meinung nach einige Male das Spiel zu früh unterbrachen und damit gute Chancen und teilweise auch Treffer abpfiffen. „Diese Tore fehlen dir dann am Ende“, wusste Engelmann, der den Schiedsrichtern aber keinesfalls die Schuld an der Niederlage zuschustern wollte. Trotzdem haderten die Gastgeber in ihrer schwierigen sportlichen Situation umso mehr mit den Entscheidungen.

In der Schlussphase arbeitete sich Stuhr dennoch noch einmal heran, Sebastian Beckmann verkürzte auf 19:21 (52.), Dominik Krüger keine zwei Minuten vor Schluss sogar auf 23:24. Längst verteidigte Stuhr Mann gegen Mann. „Raus, alle raus!“, peitschte Engelmann seine Spieler in die offensive Deckung. Delmenhorst wankte, aber Delmenhorst fiel nicht. Bastian Schäfer machte mit einem Lupfer über den in der zweiten Hälfte starken Keeper Stefan Germanus hinweg den Deckel auf die Partie. Und während der Torschütze lautstark mit seinem Mitspielern den Auswärtssieg feierte, blieben konsternierte Gastgeber zurück.

Weitere Informationen

HSG Stuhr - HSG Delmenhorst II 24:26 (10:16)

HSG Stuhr: Asmus, Germanus – Sabjan, Bhola (4/2), Krüger (5), Stapper, Blume, Burgdorf (4), Peters (1/1), Gums (2), Schneider (2), Beckmann (5), Maurer, Schäfer (1)

Siebenmeter: HSG Stuhr 3/3, HSG Delmenhorst II 4/3

Zeitstrafen: HSG Stuhr 3, HSG Delmenhorst II 2 THR

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+