Tag gegen Gewalt an Frauen in Stuhr und Weyhe Flaggen und Lichter als Symbol der Solidarität

Die Gemeinden Stuhr und Weyhe haben am Donnerstag Flaggen gehisst, um auf den internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen. Der SoVD Brinkum-Stuhr entzündete Lichter.
25.11.2021, 18:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Penth Eike Wienbarg

Stuhr/Weyhe. Mit einer Lichteraktion hat der SoVD-Ortsverband Brinkum-Stuhr am Donnerstag an den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen erinnert. Am Krügebrunnen mitten im Brinkumer Ortskern stellte sich die Gruppe um seine Frauensprecherin Brigitte Winter mit Kerzen auf. Vor den Rathäusern in Stuhr und Weyhe wurden traditionell Fahnen zum 25. November gehisst.

Seit dem Jahr 1981 organisieren Menschenrechtsorganisationen am 25. November Veranstaltungen, bei denen es um die Einhaltung der Menschenrechte von Frauen und Mädchen geht, teilte Brigitte Winter mit. Später wurde der Tag von der UN-Generalversammlung dann als Gedenktag eingerichtet. Mit der Lichterkette wolle der SoVD-Ortsverband ein Zeichen setzen und darauf hinweisen, dass immer wieder Frauen und Mädchen Zwangsprostitution, sexuellem Missbrauch, Sextourismus, Zwangsheirat sowie Vergewaltigungen und häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, erklärte Winter.

Die Gemeinde Weyhe hat gemeinsam mit dem Komitee UN Women eine orangefarbene Flagge entwickelt, die Erste Gemeinderätin Ina Pundsack-Bleith und Weyhes Gleichstellungsbeauftragte Christina Scheele am Donnerstag gehisst haben. Bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, soll die Flagge mit dem Aufdruck "Wir sagen Nein! Zu Gewalt an Frauen" am Rathaus wehen. "Eigentlich sollte jeder Tag ein Tag gegen Gewalt an Frauen sein", sagte Pundsack-Bleith. Die Wahrheit aber sehe anders aus. Weltweit erlebt jede dritte Frau Gewalt in der Partnerschaft. "Das Perfide an solcher Gewalt ist, dass sie an einem Ort stattfindet, der ein Schutzraum sein sollte", erklärte Scheele, die daran erinnerte, dass viele Fälle häuslicher Gewalt gar nicht erst bei der Polizei auflaufen. Gewalt sei dabei nicht nur die Ausübung körperlicher Gewalt, sondern könne genauso psychischer Natur sein, etwa durch Nötigung oder die soziale Isolation des Partners. 

Wichtig ist laut Scheele, den Blick vor allem auch auf die Täter zu richten. Die in diesem Jahr gestartete Täterberatung im Landkreis Diepholz setze genau dort an. Denn in den meisten Fällen geben die Opfer ihr Umfeld auf, um der Gewalt zu entfliehen. "Die Gewaltspirale kann nur unterbrochen werden, wenn der Täter das Verhalten verändert", sagte Scheele. Einmal habe sich eine Frau an sie gewandt, die über Jahre Gewalt in der Partnerschaft erfahren hatte. Doch weder Familie noch Freunde glaubten ihr. "Als ihr Mann im Krankenhaus war, hat sie ihre Koffer gepackt und hat ein neues Leben angefangen", sagte Scheele, die sich als erste Anlaufstelle für diejenigen sieht, die häusliche Gewalt erleben. Sie vermittelt dann weiter an die Fachstellen. Während der Corona-Pandemie hat die Zahl der geführten Gespräche der Gleichstellungsbeauftragten grundsätzlich abgenommen. Jedoch bemerkt Scheele eine deutliche Tendenz: "Ein Drittel aller Beratungsgespräche drehten sich im vergangenen Jahr um häusliche Gewalt." Das entspricht auch dem Bundes- und Landestrend. Laut Scheele haben die von der Polizei erfassten Taten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt in Niedersachsen im ersten Pandemiejahr um sieben Prozent zugenommen. Neben der wehenden Flagge am Rathaus machen auf dieses Thema auch sechs Bäckereien in Weyhe aufmerksam, die spezielle Brötchentüten anlässlich des 25. Novembers herausgeben.

Auch vor dem Stuhrer Rathaus wurde am Donnerstag die Fahne „Frei leben – Nein zu Gewalt an Frauen" gehisst. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, wie wichtig es ist, das Thema Gewalt gegen Frauen mindestens einmal im Jahr in die Öffentlichkeit zu bringen, sagte Stuhrs Gleichstellungsbeauftragte Nicole Feldmann-Paske. "So finden immer mehr Betroffene frühzeitig den Weg zu unseren Hilfsangeboten wie Beratung oder Zuflucht. Angehörige und Fachkräfte holen sich schnell und auf kurzem Weg Unterstützung in schwierigen Situationen", sagte sie weiter.

Zuletzt hatte die Arbeitsgemeinschaft kommunaler Gleichstellungsbeauftragter eine Bestandsaufnahme der Interventionskette Häuslicher Gewalt im Landkreis Diepholz erarbeitet und sich für die Implementierung des bislang noch fehlenden Bausteins Täterarbeit ausgesprochen. Dieser Baustein konnte Anfang Oktober 2021 mit finanzieller Unterstützung durch den Landkreis Diepholz seine Arbeit aufnehmen, so Feldmann-Paske weiter. "Wir freuen uns sehr über den Ausbau der Interventionskette Häusliche Gewalt. Das neue Angebot ist ein klares Signal, denn nur Täter können Häusliche Gewalt aktiv verhindern. Die Arbeit mit Tätern Häuslicher Gewalt ist somit ein wichtiger Beitrag zum Opferschutz, gleichzeitig wird ihnen eine Lösungsmöglichkeit angeboten", sagte die Gleichstellungsbeauftragte.

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