Tennis

Ein Außenseiter gewinnt die 4. Stuhr Open

Lennart Stegemann vom Barrier TC gewinnt die 4. Stuhr Open und überrascht damit auch sich selbst.
04.08.2020, 15:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
Ein Außenseiter gewinnt die 4. Stuhr Open

Lennart Stegemann vom Barrier TC gewann das Tennisturnier in Stuhr. Im Finale rang er Yannick Bastian vom TC Falkenberg im Matchtiebreak nieder.

Michael Galian

Zu den Favoriten zählte er sicherlich nicht. Lennart Stegemann flog vielleicht etwas unter dem Radar, als die 4. Stuhr Open, ein Turnier der von Roy Rother organisierten Weser-Ems-Serie, mit insgesamt 47 Akteuren im Männerfeld begannen. „Vielleicht war das aber auch mein größter Vorteil: dass ich keinen Druck hatte und befreit aufspielen konnte“, mutmaßte der 28-Jährige vom Barrier TC, nachdem er es allen gezeigt und im spannenden Finale seinen Kontrahenten Yannick Bastian vom TC Falkenberg mit 6:3, 4:6 und 11:9 im Matchtiebreak niedergerungen hatte.

„Planen“, wusste Stegemann, „kannst du einen Sieg vor dem Turnier nicht.“ Selbst nicht, wenn man mit einer so starken Bilanz anreist wie der Barrier. In der Verbandsliga hatte er zuvor alle seine drei Einzel gewonnen. In Form war Stegemann also. Auf dem Papier allerdings keiner der Top-Akteure: Er zählte mit seiner Leistungsklasse 12 nicht zu den acht Gesetzten, schlug aber drei dieser auf dem Weg zum Gesamtsieg: Im Achtelfinale mit Hendrik Janssen aus Woltmershausen (6:0, 6:1) die Nummer vier, im Viertfinale mit Niclas Lürig vom Bremer TV (7:6, 6:2) die Nummer drei und im Endspiel mit dem Falkenberger Yannick Bastian die Nummer zwei.

Sein Finalgegner war für Stegemann wahrlich kein Unbekannter, wenn auch nicht im positiven Sinn: „Vor zwei Jahren habe ich schon mal ein Finale gegen ihn gespielt und in zwei Sätzen verloren. Da hatte ich am Ende Krämpfe in der Hand und konnte nicht mehr richtig Widerstand leisten“, blickte der Barrier zurück. Und auch in der aktuellen Saison standen sich beide bereits gegenüber. Im Doppel allerdings: An der Seite von Florian Hartje musste sich Stegemann seinem Gegner, der in Leistungsklasse acht geführt wird, und dessen Partner Jannik Richter in drei Sätzen beugen.

Ein klarer Matchplan

Die persönliche Bilanz sprach also gegen Stegemann – und auch der beschwerlichere Weg ins Finale: Bastian hatte in seinen drei Spielen zuvor gerade einmal sechs Spiele abgegeben. In Windeseile schaffte er den Einzug ins Endspiel. Stegemann hatte nicht nur das längere Halbfinale in den Beinen, sondern auch insgesamt mehr Zeit auf dem Court verbracht. Beinahe wäre sein Weg bereits nach seinem ersten Spiel zu Ende gewesen, als er gegen den Bremer Jan Napieray erst im Matchtiebreak die Oberhand behielt. „Natürlich sind das alles Dinge, über die man sich vor dem Finale Gedanken macht“, gab der BTC-Crack zu.

Allerdings wusste er auch, mit wem er es zu tun bekam. Er kannte die krachenden Aufschläge und die starken Vorhandschläge des Falkenbergers. Es galt, ein Mittel dagegen zu finden. „Ich habe in erster Linie versucht, seine Vorhand zu vermeiden und viel über seine Rückhand zu gehen. Irgendwann stellt sich der Gegner aber auch darauf ein. Also war meine Devise, ihn viel zu beschäftigen, so zu spielen, dass er immer in Bewegung sein muss. Ich wollte diktieren, wo er hinläuft. Selbst wenn es in die Vorhand geht, sollte er aus der Defensive heraus schlagen.“ Viele Winkel sollten Bastian zu Fehlern zwingen.

Ins Match gekämpft

Der Start verlief allerdings kompliziert für Stegemann, der mit 0:2 in Rückstand geriet. „Wenn mich zu dem Zeitpunkt jemand gefragt hätte, wer das Turnier gewinnt, hätte ich auch nicht auf mich gesetzt“, gab er zu. Doch der 28-Jährige schaffte die Wende. „Irgendwann habe ich immer besser in die Partie gefunden. Es war sehr windig. Vielleicht bin ich damit auch einfach ein bisschen besser umgegangen“, vermutete er. Auch auf den Aufschlag seines Kontrahenten fand er gute Antworten und sicherte sich das eine oder andere Break zum Satzgewinn. Der zweite Durchgang verlief dann bis zum 3:3 ausgeglichen. Danach erlaubte sich Stegemann jedoch eine kleine Schwächephase. Bastian erhöhte zudem den Druck auf den Barrier. Dieser gab beim Stand von 4:5 seinen Aufschlag zu null ab. Der Satzausgleich. Die Vorteile schienen nun auf Seiten des Falkenbergers zu liegen, konnte er doch mit dem guten Gefühl, wieder komplett im Spiel zu sein, in den Matchtiebreak starten. Doch es war Stegemann, der den besseren Auftakt in den Schlussakkord erwischte und sich eine schnelle 3:0-Führung erspielte. „Aber ein Matchtiebreak ist lang“, stellte er mit Blick darauf fest, dass Bastian sich prompt zurückmeldete und ausglich. Kein Akteur konnte sich danach richtig absetzen. Ein Doppelfehler Bastians bescherte Stegemann die 9:8-Führung und den ersten Matchball. Den vergab er. Den zweiten aber nutzte er zum Sieg, mit dem er selbst kaum gerechnet hatte. „Da waren so viele starke Spieler dabei“, sagte er mit Blick auf das gute Teilnehmerfeld. Möglicherweise wäre er im Halbfinale auf den topgesetzten Syker Lennardt Schröder getroffen, wenn dieser im Achtelfinale nicht hätte verletzt aufgeben müssen.

Weiterhin das Beste herausholen

Seinen Sieg genoss Stegemann, besonders „da ich in den letzten Jahren nicht mehr so viele Turniere gespielt habe“. Jetzt wolle er nicht ausschließen, dass weitere dazukommen. „Ich bin jetzt natürlich auf den Geschmack gekommen“, sagte und lachte er. In erster Linie richte sich sein Fokus aber auf die letzten drei Punktspiele in der Verbandsliga, die ab Ende August anstehen. Dann will Stegemann seine bislang so starke Sommerrunde fortsetzen und dazu beitragen, dass sein BTC das Bestmögliche aus der Saison herausholt. So wie er selbst aus den Stuhr Open.

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