Fußball

Der Umbruch ist beim TV Stuhr in vollem Gange

Die Trainer Christian Meyer und Stephan Stindt haben ihren Kader im Sommer verjüngt. Den Talenten schenken sie Vertrauen, und die zahlen es durchaus zurück. Ein Blick auf die junge Garde mit Coach Meyer.
06.01.2021, 15:48
Lesedauer: 5 Min
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Von Thorin Mentrup

Eines kann man dem Kader des TV Stuhr nun wirklich nicht absprechen: Erfahrung. Jan-Hendrik Schwirz, Jenno Bülders, Torben Drawert, Adrian Herrmann, Riccardo Azzarello, René Rogalla, Timo Wetjen oder auch Tobias Peters und Fynn Rusche sind gestandene Bezirksliga-Fußballer. Allerdings gehen sie alle auf die 30 zu – oder haben sie bereits überschritten. Deshalb haben die beiden Trainer Stephan Stindt und Christian Meyer ihrer Mannschaft eine Frischzellenkur verordnet. Gekommen sind im Sommer viele junge Kräfte, etliche sogar aus der Jugend. Stuhrs Talente genießen das Vertrauen der beiden Trainer. Sie haben viel Spielzeit gesammelt – und dabei durchaus überzeugt. Der Umbruch ist in vollem Gange. Ein Blick auf die junge Garde.

Moritz Sagehorn

Der 19-Jährige war kein Unbekannter beim TVS. „Als ich Jugendleiter war, hat Moritz bereits in Stuhr gespielt“, verrät Christian Meyer, den noch mehr mit dem Angreifer verbindet: „Sein Elternhaus ist direkt in der Nähe von meinem. Von daher sind wir uns auch in der Zeit, als er beim JFV Weyhe-Stuhr gespielt hat, häufiger über den Weg gelaufen.“ Meyer verlor das Talent also nie aus den Augen und wusste daher um das Potenzial des jungen Kickers, der im Sommer in niedersächsische Gefilde zurückkehrte.

Wer Sagehorn noch nicht kannte, lernte ihn schnell kennen. „In der Vorbereitung hat er einen blendenden Eindruck hinterlassen“, verweist Meyer auf starke Auftritte mit unter anderem einem Treffer beim Sieg über Thedinghausen. Den Angreifer warfen aber immer wieder Verletzungen zurück, so etwa kurz vor Saisonbeginn. „Und immer, wenn er wieder richtig drin war, hat es ihn erneut erwischt. Das war sehr schade“, sagt Meyer. Sagehorn war im Training fleißig, zeigte sich auch während der Duelle um Punkte frech und ohne Angst. Allerdings agierte er auch ein Stück weit glücklos, wie Meyer unterstreicht: „Seine Spiele waren noch nicht dabei.“ Das Vertrauen in Sagehorn ist dennoch groß. „Moritz hat gezeigt, dass er ein sehr talentierter Stürmer ist“, sagt der Trainer.

Jesco Wehrhahn

Er ist einer von vier Spielern, die aus der U19 des TVS den Sprung in die erste Herren vollzogen, und sicherlich der spannendste Akteur des Quartetts. Wehrhahn ist unwahrscheinlich schnell, bereitete so unter anderem den Bassumern im ersten Saisonspiel Probleme. „Durch seine Schnelligkeit hat er einige tolle Momente heraufbeschworen“, sagt Meyer. Meist kommt Wehrhahn über die Außenbahn, wo er dank seiner Geschwindigkeit auch seine Gegenspieler bindet. Körperlich müsse der 18-Jähriger aber noch zulegen, sagt Meyer.

Und auch vor dem Tor ist noch Luft nach oben: Nach sieben Einsätzen in der Liga wartet Wehrhahn noch auf seinen ersten Treffer. Seinen Torinstinkt hat er in den Vorbereitungsspielen nachgewiesen, als er gegen Dötlingen und Habenhausen traf. Diese Coolness im Abschluss werde auch in den Punktspielen noch kommen, ist Meyer überzeugt. Schließlich habe Wehrhahn genau wie Sagehorn mit Torben Drawert, Riccardo Azzarello und René Rogalla exzellente Lehrmeister. „Von Jesco wird noch einiges kommen“, blickt Meyer gespannt in die Zukunft. Erst einmal muss sich das Talent jedoch von einer Spiralfraktur am Fuß erholen.

Wehrhahn und Sagehorn könnten das Stuhrer Sturmduo der Zukunft sein. „Vor allem passen beide gut zusammen“, findet Meyer und verweist auf ähnliche Spielertypen im Kader: So sei Wehrhahn wie Drawert ein Spieler, der über die Außenbahn komme, während Sagehorn wie Azzarello ein Strafraumstürmer sei.

Marc-Dennis Hussels

Der Mittelfeldspieler trug wie Sagehorn zuletzt das Trikot des JFV Weyhe-Stuhr. Sein größtes Problem schien die Konkurrenz zu sein. Im Mittelfeld duelliert er sich etwa mit Jan-Hendrik Schwirz, Adrian Herrmann, Tim Langreder, Fabian Bischoff und Fynn Rusche um die Plätze. Herausforderer Hussels kommt dennoch auf acht Einsätze, häufig als Joker. In Okel durfte er von Beginn an ran.

Das Vertrauen von Meyer und Stindt hat er sich erarbeitet. „Er ist fleißig, lernwillig und engagiert“, hat sich der 19-Jährige laut Meyer den Respekt seiner Mitspieler verdient. Am besten aufgehoben sieht der Coach ihn auf der Sechs oder auf den Halbpositionen. „In dieser Rolle hat er seine besten Spiele gemacht. Marc braucht den Ball am Fuß und will ihn weiter verteilen. Das hat er bislang gut gemacht.“

Constantin Godt

Auf seine Premiere musste Constantin Godt länger warten als erhofft. Weil er sich in der Vorbereitung verletzte, verpasste er die ersten Punktspiele. „Als die Saison begann, war er gerade wieder im Mannschaftstraining. Dann ist es besonders im Defensivbereich schwierig, zu Einsätzen zu kommen“, weiß Meyer. Am vierten Spieltag aber durfte sich Godt zeigen. Es war ein undankbarer Auftritt mit dem Stuhrer Rumpfkader in Twistringen. Der Verteidiger sah sich unter anderem Lennart Bors und Janik Dieckmann gegenüber. Alles andere als Bezirksliga-Fallobst.

Godt konnte die Niederlage nicht verhindern, aber er wehrte sich. „Consti lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen“, freut sich Meyer darüber, dass der Verteidiger furchtlos auftrat. Godt haut sich rein. Manchmal allerdings etwas übermotiviert: Im Derby gegen Seckenhausen musste er Mitte der ersten Hälfte gelbrotgefährdet ausgewechselt werden. In manchen Momenten fehlten noch die Erfahrung und die Cleverness, weiß Meyer. Ein Vorwurf ist das nicht. Denn Vertrauen genießt Godt, der viermal spielte. Er ist angekommen. „Consti hat einen guten Charakter. Das Potenzial für die erste Herren ist da“, bekräftigt der Trainer.

Fynn Lötzerich

Einmal durfte Fynn Lötzerich Bezirksliga-Luft schnuppern: In der Schlussphase des Twistringen-Spiels durfte er sich rund zehn Minuten zeigen. Dass es noch nicht mehr Spielzeit geworden ist, hängt auch damit zusammen, dass er beruflich auf Montage ist. „Dadurch hat er in der mittleren Phase der Saison zwei, drei Wochen gar nicht trainiert. Deshalb konnte er sich als junger Spieler, der der Herausforderer ist, noch nicht so zeigen“, erklärt Meyer, warum das Talent noch nicht richtig zum Zug gekommen ist.

Dabei war Lötzerichs Start durchaus verheißungsvoll. „Fynn war extrem engagiert“, blickt Meyer auf die Vorbereitung zurück. Allerdings gehe der Beruf immer vor. Er tue sich schwer damit, Lötzerich bereits zu bewerten, sagt Meyer. Sicher ist: Der Neue ist flexibel. Der Trainer kann ihn sich sowohl als Außenverteidiger als auch auf den Halbpositionen im Mittelfeld vorstellen.

Paul Freuchen

Er ist der Pechvogel im Stuhrer Aufgebot: Bereits in der Vorbereitung zog sich Paul Freuchen einen Kreuzbandriss zu. „Wir werden ihn in dieser Saison sicherlich nicht mehr auf dem Platz sehen“, können Meyer und Stindt mit dem Talent erst einmal nicht planen. Es lief noch die Zeit des Kennenlernens, als sich der Defensivspieler schwer verletzte. Ein paar Qualitäten aber zeigte Freuchen bereits in der Jugend: „Paul ist ein Spieler, der nie aufgibt, der konditions- und willensstark ist“, ordnet Meyer den Verteidiger ein. Für ihn wird die kommende Saison ein Neustart im Herrenbereich werden.

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