Umzug in Brinkum-Nord

Becomix bleibt im Ort

Die Firma Becomix bleibt in der Gemeinde Stuhr. An der Bergiusstraße in Brinkum-Nord baut das Maschinenbauunternehmen seinen neuen Firmenstandort.
01.01.2021, 14:24
Lesedauer: 4 Min
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Becomix bleibt im Ort
Von Eike Wienbarg

Stuhr-Brinkum. Auf der Fläche an der Bergiusstraße in Brinkum-Nord direkt hinter den Parkplätzen des Outlet-Centers Ochtum-Park ist noch nicht allzu viel zu sehen. Nur eine platt geschobene Fläche, einige Erdhügel sowie ein Baustellenschild und ein Zaun zeugen von dem, was dort bald passieren soll. Auf rund 15 000 Quadratmetern entsteht vor Ort der Neubau der Firma Becomix. Das Maschinenbauunternehmen baut dort seinen neuen Firmensitz – nur rund 500 Meter Luftlinie vom alten Standort entfernt.

Aktuell ist das Unternehmen noch an der Henleinstraße, ebenfalls in Brinkum-Nord, tätig. Auf der Fläche dort sei eine Erweiterung aber nicht möglich gewesen, berichtet Stephan Berents, Geschäftsführer bei Becomix. Seit 1982 ist die Firma in der Gemeinde Stuhr ansässig. Damals verließ sie – wie manch anderes Unternehmen auch – die Hansestadt Bremen und zog in den Speckgürtel. Becomix gilt als Weltmarktführer im Bau von Anlagen und Maschinen für die Herstellung von Sonnencreme, Schmerzgel, Zahnpasta oder Kosmetikprodukten. Rund 80 Prozent davon gehen in den Export, ein Großteil außerhalb von Europa, berichtet Berents. „Wir haben eine Vielzahl von Patenten“, hebt der Geschäftsführer hervor.

Die stetige Erweiterung des Unternehmens – unter anderem kam im Jahr 1998 die Software-Firma RWH in Cloppenburg dazu – brachte das Gelände an der Henleinstraße an seine Grenzen. Auch dort wurde schon auf beiden Seiten der Straße gearbeitet, so Berents. Im Jahr 2016 starteten dann die Überlegungen, wie ein Ausbau des Geschäfts funktionieren kann. „Wir haben alle Möglichkeiten geprüft“, berichtet Berents.

Ein Wegzug aus Stuhr sei keine wirkliche Option gewesen. „Unser Kernpunkt ist das Know-How. Das ist in den Mitarbeitern verankert“, betont Berents mit Blick auf seine rund 140 Angestellten. Ein Ortswechsel hätte für die Beschäftigten, die zumeist aus Bremen und den Landkreisen Diepholz und Oldenburg kommen, einen härteren Schnitt bedeutet, der eventuell auch mit einem Verlust der Fachkräfte einhergegangen wäre. „Ein Standortwechsel würde immer einen neuen Lebensplan für einige bedeuten“, sagt der Geschäftsführer.

Daher bemühte sich das Unternehmen gemeinsam mit der Stuhrer Verwaltung um eine Lösung innerhalb des Gemeindegebiets. Und diese wurde an der Bergiusstraße gefunden. „Das ist für die Mitarbeiter und mich toll“, freut sich Stephan Berents. Vor Ort soll sich die Nutzfläche der Firma verdoppeln. Rund 6500 Quadratmeter sind für die Produktion und das Lager der Firma vorgesehen, weitere 2500 Quadratmeter stehen für Büros, Verwaltung und Planung zur Verfügung, berichten Berents und der zuständige Architekt Detlev Rohr vom Büro Beichler und Rohr aus Bremen. Rund zehn Millionen Euro sollen investiert werden. „Wir sind sehr froh, den Standort gefunden zu haben. Das ist die größte Investition der Firmengeschichte“, sagt Berents. Unter den Mitarbeitern herrsche eine „Stimmung voller Zuversicht“. „Es ist eine spannende Zeit“, findet der Geschäftsführer.

An das neue Gebäude werden durch den Standort in der Nähe des Radarturms des Bremer Flughafens ganz besondere Anforderungen gestellt. „Wir sind im ständigen Kontakt mit der Luftfahrtbehörde“, berichtet Architekt Rohr. So müsse darauf geachtet werden, dass die Radarstrahlen nicht reflektiert werden. Die Bepflanzung im Nordbereich soll dies verhindern. Auch an der Fassade der Gebäude müsse es Vorkehrungen geben, so Rohr weiter. Eine Dachbegrünung sei ebenfalls nicht möglich, um keine Nistplätze für Vögel zu schaffen. Aufgrund einer geplanten Photovoltaikanlage sei dies aber sowieso kein Thema, erklärt Rohr. „Das ist kein Null­acht­fünf­zehn-Projekt“, weiß auch Stuhrs Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier, der den Umzugsprozess von Becomix begleitet.

Auch energetisch möchten die Planer mit den Gebäuden hohe Maßstäbe einhalten. So sollen die Anlagen möglichst „nachhaltig“ gebaut werden, wie Rohr berichtet. Dafür sollen etwa eine Niedrigtemperaturheizung und ein Blockheizkraftwerk sorgen. Dabei orientieren sich die Planer nach eigenen Angaben an den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). „Eine Silber-Zertifizierung wollen wir erreichen“, sagt Rohr, dessen Büro sich vor allem auf Industriebauten spezialisiert hat.

Bereits jetzt haben die ersten Bauarbeiten auf dem Gelände begonnen. Bis Ende Januar sollen die Erdarbeiten abgeschlossen sein. „Wir müssen 60 000 Kubikmeter Erde bewegen. Das sind ungefähr 3000 LKW Material“, rechnet Architekt Detlev Rohr vor. Im Februar sollen dann die Arbeiten an den Gebäuden starten. Zum Großteil mit der Beteiligung regionaler Firmen, wie Rohr betont. Im Herbst könnten dann bereits die ersten Teile der Firma in Betrieb genommen werden, hofft er.

Ende 2021 wird mit der Fertigstellung gerechnet. Was dann mit dem alten Standort an der Henleinstraße passiert, ist allerdings noch nicht klar. „Wir werden ihn unter Umständen vermarkten“, mutmaßt Stephan Berents.

Mit dem Neubau der Firma Becomix sind die Gewerbeflächen in Brinkum-Nord so gut wie ausgeschöpft. „Eine Erweiterung wird nicht mehr möglich sein. In Brinkum-Nord ist das Ende erreicht“, sagt Wirtschaftsförderer Wimmelmeier mit Blick auf die Grenze zum Flughafen und zur Ochtum. Was aber nach einer möglichen Realisierung der B6neu passieren könnte, sei schwer abzuschätzen, ergänzt er. Freie Gewerbeflächen sind damit in Stuhr weiter rar. Nur noch in Neukrug und Groß Mackenstedt gebe es aktuell kleine Flächen, sagt Wimmelmeier. Trotzdem wolle sich die Gemeinde weiter bemühen, Firmen Flächen zur Erweiterung zu bieten.

Für Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte ist der Baustart der Firma Becomix ein „guter Tag für die Firma und für die Gemeinde“. „Für mich ist es wichtig, solche Unternehmen hier halten zu können“, sagt er. Becomix garantiere „hochwertige Arbeitsplätze“ für Stuhr. Auch wenn es in der Gemeinde langsam knapp mit den Gewerbeflächen werde, sei jede Investition gut für die Wirtschaftskraft der Gemeinde.

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