VdK Stuhr Auf der Suche nach Nachwuchs

Dem Stuhrer Ortsverband des Sozialverbandes VdK droht die Auflösung. Der erste Vorsitzende Adolf Horstmann ist derzeit auf der Suche nach Mitgliedern für den Vorstand.
23.01.2022, 12:35
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Auf der Suche nach Nachwuchs
Von Eike Wienbarg

Stuhr. Adolf Horstmann ist Optimist. Der Vorsitzende des VdK-Ortsverbands Stuhr ist derzeit auf der Suche nach neuen Mitgliedern für den Vorstand, der am 4. März bei der Jahreshauptversammlung gewählt werden soll. Eine ganze Reihe von Posten ist neu zu besetzen, nur Horstmann als Vorsitzender tritt wieder an. Sollte es ihm nicht gelingen, Nachwuchs für die Arbeit an der Spitze der Ortsgruppe des Sozialverbandes zu finden, droht die Auflösung – und das im Jahr des 75-jährigen Bestehens.

"Die Arbeit des VdK ist unheimlich wichtig", sagt Horstmann über den Verband, der sich vor allem um die sozialrechtliche Beratung von Menschen mit Problemen kümmert. So gebe es immer mehr Menschen, die nicht von ihrer Rente leben können oder die von Arbeitslosigkeit betroffen sind. "Viele Rentner müssen nebenbei noch arbeiten gehen. Sie können sonst nicht überleben", nennt Horstmann ein Beispiel.

Auch er selbst ist über die Beratung zum Verband gekommen. Der gelernte Schmied fuhr in seinem Arbeitsleben zunächst sieben Jahre zur See. Anschließend hat er 28 Jahre als Berufsfeuerwehrmann in Delmenhorst gearbeitet. "Da habe ich meine soziale Ader entdeckt", erzählt Horstmann. Während der Einsätze, in denen er auch als Rettungssanitäter unterwegs war, lernte er einige Menschen kennen, die mit Problemen zu kämpfen hatten. Manchmal hätten Menschen auch einfach den Notruf gewählt, um zu reden, so der 79-Jährige. "Dann haben wir uns mit ihnen unterhalten", sagt Horstmann weiter. "In diesem System lernt man, sozial zu sein", erklärt er. Auch die Region lernte Horstmann dann kennen. "Wir waren von Hude bis Heiligenrode unterwegs", berichtet er.

Als seine Frau, die als Krankenschwester gearbeitet hat, und Horstmann selbst dann in Rente gingen, nahmen sie die Beratung des VdK in Anspruch. Dabei wurden sie im Jahr 2001 dann gleich Mitglied des Sozialverbandes. Schnell sei er dann auch von seinem Ortsverbandsvorsitzenden angesprochen worden, ob er im Vorstand mitarbeiten wolle, berichtet Horstmann. "Der Vorsitzende war damals schon lange dabei und wollte mich als Nachfolger", sagt er. Zunächst übernahm er die Funktion als eine Art Vermittler zwischen dem Vorsitzenden und der Kassenwartin des Ortsverbandes. Dann legte Horstmann aber eine Pause beim VdK ein, weil er im Jahr 2004 als Schöffe ans Landgericht Oldenburg berufen wurde.

Im Jahr 2008, nach dem Schöffendienst, kehrte er dann zum VdK zurück und wollte sich wieder dort engagieren. Damals habe der Ortsverband in Stuhr einen neuen Vorsitzenden gesucht, erinnert sich Horstmann zurück. Der Delmenhorster erklärte sich für den Posten bereit und wurde bei der Jahreshauptversammlung im Jahr 2010 zum Vorsitzenden gewählt.

In Stuhr wurde er dann Ansprechpartner für die Menschen, die mit Renten- oder Gesundheitsproblemen zum VdK kamen. Nach und nach steigerten sich dann die Mitgliederzahlen auf heute 250, sagt Horstmann. Diese Steigerung erklärt er mit den zunehmenden sozialen Problemen der Menschen. Oftmals blieben die Mitglieder aber auch nur "ein oder zwei Jahre", so Horstmann.

In den vergangenen Jahren kümmerte sich Horstmann aber nicht um die Beratung, sondern auch um das Innenleben des Ortsverbandes. So organisierte er zum Beispiel mehrtägige Busreisen, an denen auch Nicht-Mitglieder teilnehmen konnten. "Das wurde mit den Jahren dann immer weniger", sagt Horstmann, der sich noch an die letzte Reise der Ortsverbandes auf die Insel Rügen erinnern kann. Außerdem gehörten Spielenachmittage mit rund 15 Teilnehmern sowie Grünkohl-, Spargel- und Festessen zum alljährlichen Programm. Horstmann erinnert sich auch noch an die große Feier zum 70-jährigen Bestehen des VdK-Kreisverbandes Delmenhorst, zu dem Stuhr gehört. Vor fünf Jahren kamen alle 15 Ortsverbände in Stenum zusammen, so Horstmann.

Doch dann kam im Jahr 2020 die Corona-Pandemie. "Die letzte Jahreshauptversammlung konnten wir noch kurz vor Beginn abhalten. Dann war tote Hose", erzählt Adolf Horstmann. Viele Veranstaltungen fielen aus. "Wir haben uns ein bisschen an der Öffnung der Gaststätten orientiert", sagt der Ortsverbandsvorsitzende weiter. Im vergangenen Jahr besuchte er dann alle Jubilare und überbrachte ihnen die Urkunden. "Zwei unserer Mitglieder werden in diesem Jahr 100", berichtet Horstmann.

Vor der diesjährigen Jahreshauptversammlung steht Adolf Horstmann vor einer noch schwierigeren Aufgabe. Aus Altersgründen wollen sämtliche Vorstandsmitglieder – außer ihm – nicht wieder kandidieren. "Zwei Mitglieder sind bereits seit 25 Jahren im Vorstand und hatten mehrere Posten", sagt Horstmann.  Daher ist er derzeit verstärkt auf der Suche nach Nachwuchs. Gesucht werden Interessierte für den stellvertretenden Vorsitz, als Schriftführer und Kassenwart sowie zwei Kassenprüfer. Auch weitere Posten seien noch zu besetzen. "Der Arbeitsaufwand ist nicht allzu hoch", sagt Horstmann. Der Schriftführer müsse lediglich Protokolle der Versammlungen anfertigen. Um alles andere würde sich der erste Vorsitzende gemeinsam mit dem Kassenwart kümmern, so Horstmann. Dabei sei es egal, ob die Interessierten aktuell schon Mitglied im VdK sind, sagt er weiter.

Falls Horstmann keine Interessierten findet, droht dem Ortsverband, der sich im Jahr 1947 im Gasthaus Nobel in Moordeich gegründet hat, die Auflösung. "Ich gebe nicht auf. Ich mache es aus Spaß an der Freude", sagt Horstmann selbstbewusst und hofft auf mögliche Interessenten für die Vorstandsarbeit.

Die Jahreshauptversammlung des Stuhrer Ortsverbandes des VdK findet am Freitag, 4. März, ab 16 Uhr im Gasthaus Stührmann an der Delmenhorster Straße 152 in Groß Mackenstedt statt. Wer sich für einen der Vorstandsposten interessierte, kann sich bei Adolf Horstmann unter der Rufnummer 01 52 / 38 92 41 70 oder per E-Mail an adolf.horstmann@t-online.de melden.

Zur Sache

Der VdK

Der Bundesverband des Sozialverbands VdK wurde 1950 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Die Abkürzung stand damals für Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen
und Sozialrentner Deutschlands. Mittlerweile ist VdK aber der Eigenname der Verbandes, der nun offiziell Sozialverband VdK Deutschland heißt.

Der VdK beschreibt sich selbst als "bundesweit tätigen gemeinnützigen Verband". Er möchte parteipolitisch und konfessionell neutral sowie finanziell unabhängig auftreten. Schwerpunkte des VdK sind die sozialpolitische Interessenvertretung und die Sozialrechtsberatung. Nach eigenen Angaben hat der VdK mehr als 2,1 Millionen Mitglieder. An der Spitze des Verbandes steht seit 2018 Präsidentin Verena Bentele.

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