Ausbau der Linie 8 Weiteres Potenzial vorhanden

Der Stuhrer Verkehrsausschuss hat sich am Dienstag mit der Verknüpfung des Busverkehrs mit der geplanten Straßenbahnlinie 8 beschäftigt. In manchen Ortsteilen sahen die Mitglieder noch Potenziale.
01.06.2022, 17:14
Lesedauer: 4 Min
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Von Niklas Golitschek

Stuhr. Stuhr scheint bereit für ein neues Kapitel in Sachen Mobilität. Bis die neue Straßenbahnlinie 8 in Betrieb geht, ziehen zwar voraussichtlich noch mehr als drei Jahre ins Land. Doch die Busanbindung an die künftigen Haltepunkte ist bereits jetzt weitgehend gewährleistet, erklärte Michaela Schierenbeck, Fachdienstleiterin für Verkehr und Feuerwehr, bei der Sitzung des Stuhrer Ausschusses für Verkehr, Sicherheit und Ordnung am Dienstagabend. Allerdings schmerzte einige Ausschussmitglieder, dass dann die Linie 55 wegfallen soll.

Von den künftigen Haltepunkten liegt der Erhebung zufolge keine Bushaltestelle mehr als 500 Meter entfernt. „Ein fast direkter Umstieg ist möglich“, bilanzierte Schierenbeck. Als gut erreichbar würden Entfernungen bis 300 Meter gelten. Darüber liegen mit je 500 Metern lediglich die Pablo-Picasso-Straße als Bushaltestelle nahe dem Haltepunkt Beethovenstraße sowie die Haltestelle Brüne-Meyer (Syker Straße) in Brinkum als Umstieg für den Haltepunkt Studtriede. „Wir können Haltepunkte anbieten, die die Basics erfüllen“, fasst die Fachdienstleiterin daher zusammen.

Der Bahnhof Moordeich diene den Fahrgästen dabei als „optimaler Umsteigepunkt“, um auch nach Delmenhorst, in das südliche Gemeindegebiet sowie in den Landkreis Oldenburg zu gelangen. Der südliche Bereich an der Weberstraße könnte allerdings noch besser angebunden werden. Mit einer Haltestelle für die Linie 227 oder für ein Anruf-Sammeltaxi an der Straße Neuer Weg im Bereich der Moordeicher Landstraße ließe sich eventuell auch das Wohngebiet noch besser ans Netz anschließen. Auch eine Verlängerung der DEL-Bus-Linie 204 zum Bahnhof wäre aus Stuhrer Sicht wünschenswert.

Mit Umsteigemöglichkeiten in Richtung Syke und Harpstedt sowie Wildeshausen biete auch der Haltepunkt Bassumer Straße in Brinkum eine gute Anbindung. Mit einer Verlängerung der Linie 113 zum Marktplatz (noch ZOB) könnte das Netz zusätzlich verbessert werden. Zu einem solchen Verknüpfungspunkt könnte auch der Bahnhof Erichshof ausgebaut werden. Die fehlende Buswendemöglichkeit biete noch kein optimales Ergebnis, Verbesserungen könnten noch geprüft werden.

Während die Ortsteile Moordeich, Stuhr und Brinkum bereits für die Zukunft weitgehend gerüstet sein dürften, sieht die Verwaltung in Varrel noch Potenzial: Der Ortsteil könnte über die Linie 204 an den Bahnhof Moordeich angebunden werden. Das soll mit dem Zweckverband Verkehrsbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) besprochen werden. Aus Fahrenhorst, Seckenhausen, Heiligenrode und Groß Mackenstedt gebe es bereits Zubringerlinien oder Anruf-Sammeltaxen zu den Haltestellen mit Umsteigemöglichkeiten zur Linie 8. „Wir haben das Busnetz in der Vergangenheit gestärkt, das zahlt sich aus“, würdigte Schierenbeck die bisherigen Bemühungen. Dass das Angebot wahrgenommen wird, zeige sich auch bei den Fahrgastzahlen, die auf einigen Linien über dem Niveau von 2019 – und damit vor dem pandemiebedingen Einbruch – liegen. Weitere Buslinien seien deshalb nicht zu erwarten.

Daniel Biermann (CDU) sah im Bereich Pillauer Straße und Varreler Feld noch Möglichkeiten, das Gebiet besser anzubinden. Denn Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und die Kirche lägen bis zu einem Kilometer vom Haltepunkt Hespenstraße entfernt. „Es wäre schade, wenn die Anwohner bis zum Bahnhof Moordeich das Auto nehmen“, merkte er an. Außerdem regte er mehr Abfahrtszeiten von der Schule Moordeich an, was sich laut Schierenbeck möglicherweise über die Linie 227 einrichten ließe. Dass sich die Verwaltung dafür einsetzen möge, ergänzten die Ausschussmitglieder dann noch in der einstimmig beschlossenen Beschlussvorschlag.

Für den Verein Besser meldete sich Joachim Döpkens zu Wort, der als beratendes Mitglied im Ausschuss sitzt. „Wir sind in der Rolle des Bittstellers“, bemängelte er. Der ZVBN habe schließlich die Entscheidungshoheit. Da Schienen- und Busnetz zwei verschiedene Rechtsregime seien, würde er die Straßenbahn auch lieber als Ergänzung zur Linie 55 sehen, wie es ursprünglich gedacht gewesen sei. „Wir sehen den Wegfall nicht“, sagte Döpkens. Auch andere Ausschussmitglieder hatten zuvor die Linie als nachfragt und gut getaktet gelobt.

Info

Fortschreibung des Nahverkehrsplanes

Im Zuge der Aussprache über die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes des Zweckverbandes Verkehrsbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) hat der Stuhrer Verkehrsausschuss am Dienstag erneut über die Dachbegrünung der Haltestellen diskutiert. Bernhard Helmerichs (Grüne) regte an, die „Kosten zu bündeln“ und beispielsweise mit einer Blühfläche bei gleichem Aufwand effektiver zu handeln. Heiner Lampe (CDU) bewertete das Vorhaben skeptisch: „Es steht nicht im Verhältnis zum Nutzen.“ Denn die Dächer seien schwerer zu pflegen als Bodenflächen. Susanne Cohrs (SPD) verwies darauf, dass der Gemeinderat bereits im Februar 2020 einen entsprechenden Beschluss gefasst hatte. „Wir sollten das nach Möglichkeit umsetzen“, fand sie daher.

Im kommenden Dezember will die Verbandsversammlung des ZVBN die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes für die Jahre 2023 bis 2027 beschließen. Voran geht ein öffentliches Beteiligungsverfahren von Juli bis September, bei dem sich auch die Gemeinde Stuhr äußern kann. Dem Beschlussvorschlag der Verwaltung nach soll sich die Gemeindeverwaltung dort dafür einsetzen, dass Haltestellen barrierefrei ausgebaut werden und die Bedarfe für die Busanbindung an die künftige Straßenbahnlinie 8 in den Nahverkehrsplan aufgenommen werden. Neben der Dachbegrünung soll sie sich außerdem für Elektrobusse und digitale Informationssysteme an den Haltestellen einsetzen. Bei zwei Enthaltungen wurde der Beschluss empfohlen. Die Dachbegrünung ist damit nicht beschlossen. Es handelt sich dabei lediglich um Standpunkte, die die Verwaltung vertreten soll.

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