Freude bei den Gemeinden Stuhr und Weyhe Verlängerung der Linie 8 kann kommen

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat den Weg für eine Verlängerung der Linie 8 von Bremen über Stuhr nach Leeste freigemacht. Große Freude darüber herrscht bei den beiden Gemeindeverwaltungen.
21.01.2022, 18:25
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Verlängerung der Linie 8 kann kommen
Von Eike Wienbarg

Stuhr/Weyhe/Bremen/Lüneburg. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 von Bremen über Stuhr bis nach Leeste kann starten. Auf Nachfrage des WESER-KURIER bestätigte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg, dass die anhängige Klage gegen den Plan nach der mündlichen Verhandlung am Donnerstag abgewiesen wurde. "Nach Rücksprache mit dem Senat kann ich bestätigen, dass die Klagen abgewiesen und eine Revision nicht zugelassen wurde", sagte OVG-Sprecherin Gunhild Becker. Weitere Auskünfte zu den Gründen der Entscheidung könne das Gericht gegenwärtig noch nicht erteilen, weil noch nicht alle Verfahrensbeteiligten über den Ausgang des Verfahrens informiert seien. Das schriftliche Urteil soll in den kommenden Wochen folgen.

"Das ist ein großartiger Tag für die Gemeinden Stuhr und Weyhe", sagte Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte in einer ersten Reaktion auf das Urteil. Die Freude sei "sehr groß". Seit zwei Jahren würden die Gemeinden nun schon auf ein Urteil warten. Vorausgegangen war ein jahrelanger Rechtsstreit unter anderem um die Rechtsgrundlage der Planungen. Zuletzt hatte im Jahr 2019 das Bundesverwaltungsgericht das vorherige Urteil des OVG aufgehoben und es nach Lüneburg zurückverwiesen.

"Es war absehbar, dass es ein klares Urteil gibt", sagte Korte über die Verhandlung am Donnerstag. So seien die Planungen aufgrund des Eisenbahnrechts korrekt. "Das war auch unsere Einschätzung", so Korte. Dies sei nun auch "höchstrichterlich" festgestellt. Auch falle die Möglichkeit der Revision weg. Allein eine Nicht-Zulassungsbeschwerde sei jetzt noch möglich. "Nach unseren Einschätzungen hat das aber keine Aussicht auf Erfolg", sagte der Stuhrer Bürgermeister.

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Nun wolle die Gemeinde "mit aller Kraft vorangehen". Die Planungen für die wesentlichen Haltestellen am Bahnhof Brinkum sowie am Bahnhof Stuhr hat die Gemeinde, wie berichtet, bereits angeschoben. "Jetzt müssen wir uns mit den Projektpartnern zusammensetzen", so Korte. Es gelte, die Strecke zu ertüchtigen, die Haltestellen zu bauen und die Einwerbung von Fördermitteln voranzutreiben, sodass spätestens im Jahr 2025 die Straßenbahn rollen könnte, erklärte der Stuhrer Bürgermeister.

Die Verlängerung biete neben der verbesserten Anbindung an den großen Nachbarn Bremen auch weitere Chancen für die Region, so Korte. "Wir müssen nicht immer nach Bremen schauen. Es ist auch eine Chance, sich selbst zu entdecken", spielt er auf die verbesserte Verbindung zwischen Stuhr und Weyhe an. "Ich sehe da ein ganz großes Potenzial, das zu wenig beachtet wird", betonte Korte und zieht damit auch Verbindungen zu der derzeit in Planung befindlichen Kooperation der beiden Gemeinden als gemeinsame Förderregion für das EU-Programm Leader.

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Auch Weyhes Bürgermeister Frank Seidel ist froh über die Entscheidung. „Das ist das Signal, auf das wir so lange gewartet haben: Grünes Licht durch die Gerichte für die Verlängerung der Linie 8 bis nach Leeste. Nach Jahren des Verhandelns kann dieses verbindende Projekt für die gesamte Region endlich richtig Fahrt aufnehmen, worüber ich mich sehr freue", sagte das Weyher Verwaltungsoberhaupt. "Ich bin mir sicher, dass sich die Weyherinnen und Weyher und die Nachbarn auf eine ganz neue Qualität der Anbindung an Bremen und Stuhr sowie innerhalb Weyhes freuen können, dass letztlich alle profitieren werden von diesem Angebot, das den ÖPNV bei uns auf eine andere Stufe heben wird. Die Weichen sind gestellt, ich bin gespannt auf die nächsten Stationen“, sagte Seidel weiter.

Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) begrüßte die Entscheidung des OVG ebenfalls: "Das Urteil macht den Weg frei, diese dringend benötigte Anbindung des Umlandes im Bremer Süden an das Oberzentrum Bremen zu vollenden. Diese Straßenbahnlinie hat hohe Bedeutung für täglich tausende Pendlerinnen und Pendler, die momentan vielfach mit dem Auto nach Bremen kommen." Und weiter: "Das Urteil ist somit ein Meilenstein für die Verkehrswende und den Klimaschutz." Zugleich sei die geplante Verlängerung "wichtig für die Bremer Innenstadt und die Kulturszene sowohl in Bremen als auch beispielsweise in Weyhe".

Schaefer kritisierte aber auch die Länge des Verfahrens: "Ich appelliere an den Bund, dass solche Verfahren schneller abgeschlossen werden können, ohne die Beteiligungsrechte von Betroffenen oder Verbänden zu beschneiden. Es ist nicht hinnehmbar, dass wie im Fall der Linie 8 zwischen Planfeststellungsbeschluss und Klageende und damit Baurecht acht Jahre und teilweise noch mehr Zeit ins Land geht. Das können wir uns finanziell und angesichts der Klimakrise so nicht weiter leisten." Schaefer erhofft sich durch den Ausbau der Linien 8 und 1 eine "deutliche Attraktivitätssteigerung des ÖPNV". Als Ziel für die Inbetriebnahme gibt die Mobilitätssenatorin das Jahr 2024 an.

"Wir freuen uns darauf, auch in Weyhe und in Stuhr mit der Straßenbahn eine neue Qualität des Nahverkehrs anbieten zu können. Nach den vielen Jahren der Planung können wir jetzt in die Umsetzung einer modernen Anbindung gehen, die viele Menschen in den Gemeinden und in der Stadt Bremen zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen wird", sagte BSAG-Vorstandssprecher Hajo Müller zu dem Urteil. Schon auf der anderen Seite Bremens in Lilienthal habe die BSAG eine "gute Verbindung" nach Niedersachsen geschaffen.

"Aus BTE-Sicht stellt das Projekt einen Meilenstein dar, weil wir damit unsere Infrastruktur auf den neuesten Stand bringen können, denn unsere Strecke ist in Zukunft von Schienengüterverkehr und Schienenpersonennahverkehr gleichermaßen befahrbar. Das eröffnet unserem Unternehmen eine sehr gute Zukunftsperspektive", freute sich auch BTE-Geschäftsführer Harald Wrede. Die Straßenbahn soll zukünftig auf der BTE-Trasse fahren.

Die Straßenbahngegner des Vereins Aktiv, die seit Jahren gegen das Projekt argumentieren, eine Bedarfsanalyse für die Strecke fordern und sich für einen verbesserten ÖPNV ohne die Straßenbahn einsetzen, wollten sich am Freitag zunächst nicht zu dem Urteil äußern.

Zur Sache

Verlängerung der Linien 1 und 8

Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 über die Bremer Landesgrenze hinaus nach Stuhr bis in den Weyher Ortsteil Leeste ist schon seit Jahren geplant. Mehrere Gerichtsverfahren zogen die Planungen in die Länge. Genutzt werden soll die Strecke der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn GmbH, die sogenannte BTE-Trasse. Auf einer Strecke von 9,3 Kilometern könnten 15 neue Haltestellen entstehen. Die Linie 8 soll zukünftig die bisherige Buslinie 55 von Bremen über Moordeich und Stuhr nach Brinkum ersetzen. Der ÖPNV in Stuhr soll laut Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte dann an die Strecke der Linie 8 angepasst werden. Es werde keine Verschlechterung des ÖPNV in der Gemeinde geben, sagte Korte im Interview mit dem WESER-KURIER.

Die Linie 1 wird derzeit von der jetzigen Wendeschleife am Roland-Center bis zur Huchtinger Heerstraße/Brüsseler Straße um insgesamt 3,7 Kilometer verlängert. Entstehen sollen laut Angaben der Pressestelle des Bremer Senats insgesamt sechs neue barrierefreie Haltestellen mit Parkmöglichkeiten für Fahrräder. Am Roland-Center soll es auch neue Park-and-Ride-Stellplätze geben.

Weitere Informationen zum Ausbau der Linien gibt es im Internet unter www.linie1und8.de oder montags, mittwochs und freitags von 10 bis 17 Uhr im Infopoint im Roland-Center.

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