Persische Musik Virtuose auf der Santur

Traditionelle persische Musik brachte Hossein Taghinejad in die Brinkumer Kirche Zum Heiligen Kreuz. Sein Instrument, die Santur, soll schon in biblischer Zeit erklungen sein.
05.09.2018, 17:53
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Bayer-Thiemig

Stuhr-Brinkum. Der Blick auf andere Kulturen schärft auch die Sichtweise auf die eigene Kultur. Das wusste schon Goethe, als er seinen west-östlichen Diwan nach persischen Gedichten schrieb.

Jüngst wurde in Stuhr aber nicht persische Kultur, sondern persische Musik geboten. Die evangelische Brinkumer Kirche Zum Heiligen Kreuz bildete den passenden Rahmen, um die Besucher mit fernöstlicher Musik bekanntzumachen. Zu Gast war Hossein Taghinejad mit seiner Santur, ein Virtuose auf dem traditionellen Instrument seiner persischen Heimat. Er nahm die Zuhörer mit auf eine Reise in seine Welten.

„Die Musik spricht an“, versprach Pastor Detlef Korsen den rund 50 Besuchern im Gotteshaus. Der Nord-Iraner überraschte mit klassischer persischer Musik, in der es sehr viel um alte Poesie ging, war also sehr stark mit der Kultur verwurzelt. Die Begeisterung übertrug sich schon nach den ersten Klängen nahtlos auf das Publikum. Die 72 Saiten der Santur, wie das Hackbrett aus dem alpenländischen Raum mit Holzschlägeln zum Klingen gebracht, erzeugten durch die diatonische Stimmung eine mystische Atmosphäre.

Persische Musik arbeitet unter anderem mit Vierteltönen. Das klang ungewohnt aber fantastisch, was der Musiker dort präsentierte. Lange Tonfolgen über mehrere Oktaven, rasante Schlagtechnik, die helle, metallene Klangfarbe füllten den Raum mit verträumten Melodien. Das vorletzte Stück handelte von der Entstehung eines Blattes, bis es vom Baum fiel. Sehr beeindruckend.

Die Santur findet man schon im Buch Daniel unter dem Namen Zither. Im Irak wie im Iran ist sie ein wichtiges Instrument in der klassischen hochvirtuosen Kunstmusik. Es handelt sich um eine kammermusikalische, sehr intime Tradition. Die Santur ist ein sehr altes Saiteninstrument, (san = Hundert, tur = Saite). Archäologische Forschungen zeigen, dass auf diesem Instrument bereits im Tempel von Jerusalem gespielt wurde.

Mal als zarter Hauch durch die Kirche schwebend, dann wieder von archaisch anmutenden Rhythmen vorangetrieben, ihre Klangreise führte weit weg von der hektischen Betriebsamkeit des Alltags. All das passte wunderbar in einen Kirchenraum, klang lange und weit nach und regte an.

Auch wenn es für deutsche Ohren gewöhnungsbedürftig war, zeugte es aber von hoher Kunstfertigkeit. Dem Musiker gelang es, mit Charme und musikalischem Können das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

Hossein Taghinejad war bereits mehrfach in Deutschland, 2011 lernte er die Akustik der Brinkumer Kirche schätzen. Er mag das deutsche Publikum. Oft ist der 37-Jährige auch mit seinem Ensemble Tassain unterwegs, seine nächste Tour geht nach Italien. Dieses schöne Konzert hätte mehr Publikum verdient gehabt, die Anwesenden waren jedenfalls sichtlich gebannt von der Musik und spendeten begeistert Beifall.

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