Gefeiert wird zunächst online

Volksbank Stuhr wird 125 Jahre alt

Eine kleine Gruppe Männer hat am 19. April 1896 die Volksbank Stuhr gegründet. 125 Jahre und eine bewegte Geschichte später soll das lange Bestehen gefeiert werden, coronabedingt aber zunächst nur online.
18.04.2021, 18:17
Lesedauer: 4 Min
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Volksbank Stuhr wird 125 Jahre alt
Von Claudia Ihmels
Volksbank Stuhr wird 125 Jahre alt

Das heutige Gebäude der Volksbank Stuhr entstand in den Jahren 1984/85. An der Ecke Blockener Straße/Stuhrer Landstraße ist die Volksbank aber schon seit 1954 ansässig.

Vasil Dinev

Stuhr. Die große Geburtstagsparty muss coronabedingt ausfallen. Dennoch soll das 125-jährige Bestehen der Volksbank in Stuhr gefeiert werden. Und die Feierlichkeiten starten auch direkt am Geburtstag am Montag, 19. April - allerdings zunächst online auf der Homepage der Volksbank mit einem Film und einem Gewinnspiel. Weitere Beiträge sollen folgen, außerdem ist im September im Zuge der Festwoche zum 850-jährigen Bestehen von Stuhr eine Ausstellung zur Geschichte der Volksbank vor Ort geplant.

Diese Geschichte begann am späten Nachmittag des 19. April 1896 in einem kleinen Versammlungsraum des Gasthauses Martens „Lindenhof“. Eine kleine Gruppe Männer gründete dort - wie auch in anderen Orten in Deutschland zu dieser Zeit - ein Kreditinstitut auf genossenschaftlicher Basis. Unter den Leitworten „Miteinander - Füreinander“ und „Einer für alle, alle für einen“ seien in der Mehrzahl Landwirte zusammengekommen, aber auch Pastor Dannemann und Lehrer Kleyböcker gehörten zu den Gründungsmitgliedern der Stuhrer Volksbank. Das hat Kirstin Pauls bei einer Recherche zur Historie des Unternehmens herausgefunden. Pauls ist bei der Volksbank Syke, zu derer die Volksbank Stuhr mittlerweile gehört, für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

18 Mitglieder unterschrieben schließlich am 12. März 1897 das Statut und wählten den Vorstand mit Bauer Berend Corssen aus Stuhr (Direktor), Bauer Carl Kothen aus Stuhr (Rendant) und Landwirt Diedrich Eggers aus Obernheide zum Stellvertreter. Dem ersten Aufsichtsrat gehörten Landwirt Hermann Cordsen (Moordeich), Organist und Lehrer Georg Kleyböcker (Stuhr), Bauer Dietrich Detken (Varrel), Landwirt Heinrich Heidmann (Obernheide) und Landwirt Johann Stindt (Varrel) an.

„Der Geschäftsverkehr wurde im Hause des Rendanten abgewickelt, fast in einem familiären Rahmen“, so Kirstin Pauls. Die Geschäftsstunden fanden zwei Mal in der Woche am Abend statt, außerdem ganztätig am 1. Mai und am 1. November. Laut Geschäftsordnung sollte zunächst eine Gesamteinlage von 100.000 Mark nicht überschritten werden, der Höchstbetrag eines Einzelkredits wurde auf 3000 Mark festgesetzt. Die am Anfang festgesetzten Zinssätze betrugen 3,5 Prozent für Spareinlagen und 4,5 Prozent für Vorschüsse und Darlehen.

Der Erste Weltkrieg, die Nachkriegszeit und die Inflation brachten auch für die ländlichen Spar- und Darlehenskassen einschneidende Veränderungen mit sich. „Aus Millionen wurden erst Milliarden, dann Billionen“, schreibt Kirstin Pauls. Das schlug sich 1923 auch in der Schlussbilanz der Volksbank Stuhr nieder mit der „heute kaum lesbaren Zahl von 366.493.163.604.854 Mark“. Weitere schwerste Ereignisse kamen mit voller Wucht, so Kirsten Pauls weiter. Nach der schweren Wirtschaftskrise von 1929/31, dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg sei auch die Aufbauleistung der Bank weitgehend zerstört gewesen.

Am 24. Juni 1944 wurde der Rendant Johann Corßen nach einem Bombenangriff tot aus den Trümmern seines Hauses in Kladdingen geborgen, die Geschäfte seien dann Friedrich Riekers und später Gisela Lürßen übertragen worden. Auf der Generalversammlung am 29. September 1945 wurde Hermann Mehrens aus Stuhrbaum zum Rendanten gewählt. Kaufmann Friedrich Jüchter aus Stuhr stellte in seinem Haus einen Raum zur Verfügung, „sodass alle Voraussetzungen für einen geordneten Geschäftsbetrieb wieder erfüllt waren“.

Die Währungsreform 1948 bescherte den Geldinstituten ein gewaltiges Arbeitspensum. „Der Wiederaufbau der Gemeinde Stuhr und unserer Genossenschaft liefen fast parallel“, berichtet Kirstin Pauls. Bislang war die Bank vor allem landwirtschaftlich orientiert, Hermann Mehrens richtete sie bewusst auf alle Einwohner aus. Nach seinem Tod 1952 wurde sein Sohn Werner Mehrens Rendant. Um dem zunehmenden Geschäftsverkehr Rechnung zu tragen, bezog die Bank im Oktober 1954 einen Neubau in zentraler Lage in Stuhr.

„1960 wurde die Reichsmarkschlussbilanz durch die in DM überschritten und erreichte 3,3 Millionen DM. Im weiteren Jahrzehnt hat sie sich mehr als verfünffacht“, berichtet Kirstin Pauls aus der weiteren Geschichte. In den folgenden Jahren wuchs Stuhr stetig und damit auch die Bank. 1961 wurde eine Nebenstelle in Moordeich eröffnet, 1967 eine weitere in Varrel. 1970 wurde die Hauptstelle in Alt-Stuhr neu- und umgebaut. 1984 schaffte die Bank den ersten PC an. Kosten: 14.000 DM. Er verfügte über eine Zehn-MB-Festplatte und diente ausschließlich der Innenrevision.

Zur selben Zeit wurde wieder umgebaut. 1984/1985 entstand an gleicher Stelle an der Ecke Blockener Straße/Stuhrer Landstraße das neue Gebäude der Volksbank. „Zukunftsweisend mit dem ersten Selbstbedienungsbereich“, ergänzt Kristin Pauls. Der erste Geldautomat und der erste Kontoauszugsdrucker kamen ab 1987/1988 zum Einsatz. Seit 1993 gehört die Volksbank Stuhr zur Volksbank eG Syke. Dazu hatten sich die Volksbanken Bassum, Stuhr und Syke zusammengeschlossen. Seit 2016 ist die Volksbank in Stuhr eines von fünf Kompetenzzentren der Volksbank Syke.

Dass der 125. Geburtstag nicht groß gefeiert werden kann, bedauern auch Markus Lüers und Bernd Meyer, die beiden Vorstände der Volksbank Syke. „Die aktuelle Situation lässt das leider nicht zu“, sagen sie. Neben der Beteiligung an der Festwoche mit der Ausstellung haben die Mitarbeiter der Bank deshalb mit den Präsentationen und dem Gewinnspiel auf der Homepage unter www.volksbanksyke.de/125jahrestuhr ein wenig Ersatz geschaffen. Kirstin Pauls verspricht Interviews mit ehemaligen und aktiven Mitarbeiten und somit ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern.

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