Konzert im Brinkumer MGH

Von Gummikavalier und Flegeljahren

Das Duo Rostfrei hat die Besucher des Mehr-Generationen-Hauses in Brinkum musikalisch in die 1920er- und 30er-Jahre entführt, in eine Zeit mit zum Teil äußerst witzigen Texten.
16.09.2018, 18:13
Lesedauer: 2 Min
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Von Dagmar Voss
Von Gummikavalier und Flegeljahren

Das Duo Rostfrei präsentierte nicht nur urkomische Schlagertexte, sondern lieferte auch immer wieder unterhaltsame Erklärungen zu den Stücken und den mitgebrachten Instrumenten.

Jonas Kako

Stuhr-Brinkum. Sie zauberten gute Laune in die Backstube und richtig fette Lächeln auf die Gesichter ihrer Zuhörer am Sonnabend im Mehr-Generationen-Haus (MGH) in Brinkum. Sie, das waren Norbert Boyer und Gerhard Meyer, die als Duo Rostfrei musikalisch die 1920er- und 30er-Jahre aufleben ließen. Vor allem die unglaublich witzigen, meist sinnentleerten Schlager aus der Zeit, untermalt von verschiedenen Ukulelen-Klängen, die die beiden anstimmten, sorgten für ausgezeichnete Unterhaltung.

Pickepacke voll war es, noch mehr Stühle mussten aus dem Café des MGH herangeholt werden, damit die vielen Gäste des ungewöhnlichen Konzerts Platz fanden. Doch dann ging es los: Die beiden Herren mit Kreissägen – so nannte man die Strohhüte, die man damals trug – griffen zu ihren Instrumenten und brachten passenderweise gleich eine Liebeserklärung an die Ukulele zu Gehör. Ein von Boyer ins Deutsche übertragene Lied, das 2012 der Engländer Joe Brown für sein Ukulele-Album verfasst hatte.

Danach hielten die beiden ihr Versprechen und spielten jede Menge Stücke aus der Zeit von vor rund 90 Jahren. Zuvor gab es noch eine kurze Erklärung zu den kleinen Saiteninstrumenten, gut halb so groß wie Gitarren, aber manche fast genauso klangvoll. Zu den vielen Variationen deutscher Lieder gesellte sich manch ein englisches Stück wie das „Ain’t She Sweet“ aus dem Jahr 1927. Außerdem reicherten die beiden ihren Auftritt mit vielerlei urkomischen Gags und Anmerkungen an, die zusätzlich für offenes Lachen und Amüsement sorgten. Da sollte man die Frage beantworten, ob man einen Gummikavalier kenne. „Nun ja, je nachdem …“, überlegte manch eine laut. Natürlich ging es aber um ein Lied, nämlich um eines, in dem Amalie mit einem Gummikavalier ins Bad geht. Die Lösung hieß, dass es sich um eine aufblasbare Schwimmnudel handelte.

Frauennamen kamen immer wieder hörbar bei den musikalischen Werken der damaligen Zeit sehr häufig vor – vielleicht auch oft nur wegen des Refrains, vermuteten die beiden Musiker. Ganz selten ging es auch schon mal um einen Mann. So bei dem Lied, bei dem klar wurde, dass es früher keine Pubertät, höchstens Flegeljahre gab: „Warum ist der Walter so klug für sein Alter?“ Immer mit einem Augenzwinkern die Doppeldeutigkeit dabei wie: „Eugen, Eugen, ich möchte so gern mit dir ins Heu geh’n.“

Bei den Frauen waren es Elisabeth oder Adriane oder Donna Clara. Bei einer anderen Clara ging es ganz deutlich mal um etwas mehr Inhalt, nämlich um Scheidungsproblematik. Allerdings versicherten Meyer und Boyer, dass sie sich vom Inhalt distanzierten: „Mit Clara in die Sahara zu den wilden Tieren …“ – da wollte sie ihren Günter loswerden. Also hatte Boyer noch eine weitere Strophe dazu getextet, in der sich Günter auch was überlegte für seine Clara.

Ob nun mit Clara in der Sahara oder andere Lieder – immer mal wieder konnte man den einen oder die andere mitsingen hören. Damit das dann besser klappte, hatten die beiden Zettel mit Text für alle dabei. Da ließ es sich gleich viel besser mitsingen bei „Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt’“ oder beim kleinen grünen Kaktus. Allerdings hatten die einfallsreichen Musiker auch viele unbekannte Stücke ausgegraben. Zuhörerin Liane Ludwig aus Varrel war dennoch begeistert, sang aus vollem Hals mit und freute sich: „Das macht richtig Spaß.“ Erst nach einigen Zugaben zwei Stunden später wurden die Herren bestens gelaunt entlassen.

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