Kooperation von KGS und MGH in Brinkum

Von Kochkurs bis Manga-Treff

Jugendliche kochen, malen, spielen Bingo oder diskutieren über ihre Hobbys. Und das alles ehrenamtlich. Schüler der KGS Brinkum leiten von Februar bis Juli vier Kurse im Brinkumer MGH.
25.02.2020, 18:02
Lesedauer: 5 Min
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Von Alexandra Penth und Jule Güthermann
Von Kochkurs bis Manga-Treff

Eine kreative Mischung haben Schüler der KGS Brinkum wieder für die Angebotspalette des Mehr-Generationen-Hauses ausgearbeitet.

Braunschädel

Stuhr-Brinkum. Mit zunehmendem Alter bleibt das Kochen oft auf der Strecke. Dagegen wollen drei Schülerinnen der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Brinkum etwas unternehmen und gemeinsam mit Senioren kochen. „Wir denken, dass ältere Menschen oft nicht mehr für sich alleine kochen, etwas bestellen oder etwas Einfaches kochen“, sagt Pia-Marie aus der Gruppe. Ihren Vorschlag hatten die Neuntklässlerinnen kürzlich beim Ideenwettbewerb im Mehr-Generationen-Haus (MGH) in Brinkum vorgestellt (wir berichteten). Dessen Leiterin Daniela Gräf hatte vier Projekte ausgewählt, die nun zeitnah realisiert werden sollen.

Der Kochabend am Sonnabend, 14. März, ist eines davon. Dass der Vorschlag mit Begeisterung angenommen wurde, hatte zwei Gründe: Erstens entspricht ein Kochkurs von Schülern für Senioren ganz dem Gedanken des generationsübergreifenden MGH, zweitens fehlt seit längerer Zeit ein Kochangebot in der Einrichtung. „Damit wurde eine Lücke geschlossen“, freut sich Gräf. Drei Gänge – vegetarisch oder als Fleischvariante – werden gekocht, 14 Plätze sind in der Schulküche der KGS am Brunnenweg 2 verfügbar. Unterstützung erhält das Trio von seiner Lehrerin Carolin Klatte, den Einkauf und die Organisation aber übernehmen die Schülerinnen Lucia, Pia-Marie und Gillian selbst. „Wir rechnen die Rezepte, die wir uns rausgesucht haben, auf die Anzahl der Personen um“, sagt Lucia aus der Gruppe. Sogar für einen Fahrdienst ist gesorgt. Günter Meyer befördert sonst die Gäste des MGH-Mittagstischs und setzt sich nun auch für das Schülerprojekt hinters Steuer. Das aber nicht ganz uneigennützig: Der Alt-Stuhrer hat sich gleich als Teilnehmer angemeldet. Der 74-Jährige kocht gerne – von traditioneller Küche bis zur modernen, wie er sagt. „Ich bin echt neugierig, was die jungen Leute so kochen“, sagt er und lacht. Treffpunkt für den dreistündigen Kurs mit anschließendem Essen ist am 14. März um 15 Uhr der Haupteingang der Schule. Anmeldeschluss beim MGH unter der Rufnummer 04 21 / 80 60 98 74 oder per E-Mail an info@mehr-generationen-haus.de ist Dienstag, 10. März. Die Schülerinnen hatten versucht, Sponsoren für das Projekt zu finden, was jedoch nicht geklappt hatte. Daher fallen pro Teilnehmer Kosten von zehn Euro an.

Seit 2011 besteht die Kooperation zwischen den neunten Jahrgängen des Profilfachs Gesundheit und Soziales und der gemeinnützigen Einrichtung in Brinkum. Dass Daniela Gräf aber vier Vorschläge zur Umsetzung auswählt, gab es noch nie. „Eine tolle Mischung, das ist echtes MGH“, sagt sie.

Das Projekt von Lea und Zoe, beide 15 Jahre alt, wird als erstes umgesetzt. „Malen für Kinder“ findet kommenden Freitag, 28. Februar, von 15.30 bis 17 Uhr im MGH an der Bremer Straße 9 statt, eine Anmeldung in der Einrichtung ist erwünscht. Beide Mädchen malen schon seit dem Kindheitsalter, brachten sich alles selbst bei. Aber auch Inspiration von Zuhause erreichte sie, sagt Zoe, deren Mutter selbst Malerin war und ihr die Kunst und das Interesse dafür mit in die Wiege legte. Die Mädchen unterscheiden sich in ihrem Malstil. Zoe bevorzugt das Zeichnen mit Aquarellfarben und Copic-Markern. Als Motive nutzt sie Landschaften und fiktive Figuren. Lea dagegen zeichnet mit dem Bleistift und bevorzugt Blumen und Menschen als Motive. Sie malt ohne Vorlage und „einfach drauf los“. Die Idee der beiden entsprang aus der privaten Zusammenarbeit mit Kindern. Der Malkurs soll ein „betreutes Kreativwerden“ sein, wie Lea sagt. Die Teilnehmer können selbst entscheiden, ob sie frei oder mit Vorlage malen. Es gebe keinen Schwierigkeitsgrad, geschweige denn benötigte Erfahrung beim Malen. „Ich denke, wenn wir etwas beizubringen haben, dann tun wir das auch“, sagt Zoe. Die Teilnehmer zwischen sechs und zehn Jahren dürfen gerne eigene Malutensilien mitbringen. Im MGH werden Mittel für den Kurs gestellt. Kinder mit einer besonders tollen Leistung haben die Möglichkeit, einen Preis zu bekommen, „aber trotzdem kriegen die anderen auch etwas kleines, damit sie sich nicht vernachlässigt fühlen“, sagt Zoe.

Es ist zwar der Spieleklassiker schlechthin, eine feste Gruppe, die Bingo spielt, hat das MGH aber bisher nicht. Eleini und Leonie wollen daher am Freitag, 20. März, von 18.30 bis 20 Uhr zum Bingo-Abend in die Einrichtung einladen. „Ich habe das schon oft mit der Familie gespielt“, sagt Eleini. Die Ausrüstung für das Lotteriespiel hatte das MGH noch in seinem Fundus. Denn die anfängliche Bingo-Gruppe war vor zehn Jahren schnell zur reinen Kartenrunde geworden, die sich noch immer mittwochs trifft. Die Initiatorinnen des Bingo-Abends finden, dass das Spiel mit den Zahlen etwas für jedes Alter ist. Beide werden nicht mitspielen, sondern die gezogenen Zahlen ansagen und Preise verteilen. Zu gewinnen gibt es Essensgutscheine für das MGH. Damit es zwischendurch auch etwas zu knabbern gibt, backen die Neuntklässlerinnen Kekse für die Teilnehmer.

Ein Angebot für Gleichaltrige haben sich wiederum Jaqueline und Zoe ausgedacht. „AniMani“ haben sie es genannt, es steht für Anime und Manga, japanische Zeichentrickserien und ihre Comic-Vorlagen. Ein solches Fan-Treffen gibt es in der näheren Umgebung nicht, weiß Jaqueline. Die nächste Anlaufstelle wäre in Delmenhorst. Das Angebot am Donnerstag, 30. Juli, von 15 bis 17 Uhr im MGH ist für 13- bis 16-Jährige vorgesehen. „Wir wollten einen Treff im Ferienprogramm machen“, sagt Jaqueline über die Idee. Das Mädchen mit schwarz gefärbten Haaren und den seitlich abstehenden Zöpfen und ihre Freundin Zoe sind große Fans der japanischen Comics. Bei ihrem Treff sollen die Teilnehmer auch die Möglichkeit haben, ihre Lieblingscharaktere zu malen. Dafür haben sich die Schülerinnen externe Hilfe von ihrer Freundin Chantal geholt. „Weil wir nicht so viel Ahnung haben vom Zeichnen“, erklärt Zoe. Die Projektleiterinnen stellen Stifte zur Verfügung, bringen auch eine Auswahl eigener Comics mit, die beim Treff gelesen werden können. Aus Jaqueline und Zoe sprudelt es nur so heraus, wenn sie über ihr Hobby sprechen. Typisch für die Szene, sagt Jaqueline: „Es gibt viel, was man loswerden will.“ Wer Manga und Anime mag, schlüpft oft auch in die Rolle seiner Lieblingsfigur, Cosplay genannt. Jaqueline probiert viel im Bereich Frisuren und Make-up aus und wird Teilnehmer auf Wunsch in eine fiktive Figur verwandeln. „Ich werde nochmal üben, bevor es losgeht“, sagt sie. Videos im Internet helfen ihr dabei. Schon jetzt sei das Interesse groß, sagt Jaqueline.

Über die Ideen ihrer Schüler ist Lehrerin Heidrun Meier, die den Kurs Gesundheit und Soziales leitet, jedes Mal begeistert. „Es ist schön zu sehen, dass sich die Kinder unheimlich bemühen. Das ist eine ganz andere Qualität, was dabei herauskommt.“ An Kreativität mangele es den Schülern nicht. Heidrun Meier sieht ihre Aufgabe vielmehr darin, die Jugendlichen an einigen Stellen zu bremsen und an die Umsetzbarkeit zu erinnern. Bei Kochangeboten gebe es beispielsweise das Problem, dass die MGH-Küche nicht zur Verfügung steht. Besonders bemerkenswert fand die Lehrerin ein Projekt aus dem vergangenen Jahr, das nicht zustande gekommen war, weil die Schüler abgesprungen waren. Sie wollten Erwachsenen die Pubertät aus ihrer Perspektive erklären. „Davon war ich sehr angetan“, sagt Meier, die auch von den Ideen in diesem Jahr sehr überrascht worden war.

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