NDR Radiophilharmonie auf Gut Varrel

Von Mut und Musik

Frauen und ihr Mut standen im Mittelpunkt bei den Niedersächsischen Musiktagen in der Gutsscheune Varrel. Werke von zwei Frauen wurden zu Gehör gebracht, zwei weitere Frauen sorgten aktiv dafür.
20.09.2019, 17:25
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Von Dagmar Voss
Von Mut und Musik

Dirigentin Mei-Ann Chen wirbelte in der gut besuchten Gutsscheune.

Braunschädel

Stuhr. Frauen und ihr Mut standen im Mittelpunkt eines beeindruckenden Konzerts in der Gutsscheune Varrel. Der Titel: #frauschumann. In seiner Begrüßung erklärte Günter Günnemann von der Sparkassenstiftung als Veranstalter der Niedersächsischen Musiktage: „Zum 32. Mal gibt es hier ein Konzert, bei dem in diesem Jahr das Motto Mut im Vordergrund steht.“ Denn es seien in den vergangenen Jahrhunderten immer nur wenige Frauen gewesen, die den Mut hatten, sich als Komponistinnen und andere Kulturschaffende in der Kunstszene zu behaupten. Dazu gehörten am Donnerstagabend zwei ganz praktisch anwesende – und zwei, deren Werke zu Gehör gebracht wurden.

Die beiden Komponistinnen, die zu diesen letzteren gehörten, waren Anna Thorvaldsdottir (geboren 1977) und Clara Schumann (1819-1896). Anwesend in besonderen Positionen waren wiederum die anderen beiden Mutigen, nämlich Dirigentin Mei-Ann Chen am Pult der NDR Radiophilharmonie und am Flügel Lise de la Salle. Gemeinsam mit dem bekannten Orchester wurden insgesamt drei Werke intoniert.

Den Auftakt einer ungewöhnlichen Art bildete das „Hrim“ von der Isländerin Thorvaldsdottir, geschrieben 2009. Ungewöhnlich, weil es nur mit einem Kammerorchester gespielt wurde auf der doch viel größeren Bühne. Und zu den Aktionen des Pianisten: Mal spielte er mehr im Flügel als an den Tasten, mal eilte er mit seinen Noten zum daneben stehenden Celesta. Das ist ein äußerlich einem Klavier ähnliches Instrument, das Idiophon genannt wird und dessen warmer Klang an eine Mischung aus Glockenspiel und Metallophon erinnert. In einem Satz erfreuten die Ohren sphärische Klangwelten zwischen Zirpen, Säuseln und Flügelschlagen, mitunter auch dunklere Schatten.

Und dann wurde es nach einem kurzen Umbau auf der Bühne richtig voll mit den Musikern der Radiophilharmonie. Es ging an das von Clara Schumann geschriebene Klavierkonzert Nr. 1 a-Moll op. 7, bei dem die zweite mutige Frau, Lise de la Salle, am Flügel Platz nahm. Zum Umblättern hatte sich übrigens die Stuhrer Kulturkoordinatorin Marjet Melzer-Ahrnken bereiterklärt. Was dann folgte, war schlicht umwerfend. Nicht nur das Stück an sich mit seinen teilweise sehr herausfordernden Sätzen, sondern auch der wunderbare Dialog zwischen Klavier und Cello im zweiten Satz, also bei dem Romance: Andante non troppe con grazia – klanglich deutlich eine romantische Liebeserklärung. Zurecht gab es dafür langanhaltenden Applaus.

Bevor im zweiten Teil des Konzerts ein Wechsel vorgenommen wurde zu einem männlichen Komponisten, gab es in der Pause diverse Kommentare. Besucherin Edeltraut Thewes aus Huchting meinte: „Grandios, das Klavierkonzert, hatte mich ganz auf Schumann gefreut – nur das erste Stück fand ich etwas gewöhnungsbedürftig.“ Ihr Begleiter fragte sich, ob das „Hrim“ vielleicht nur Tonübungen gewesen seien, bevor er einen Blick ins Programm warf. Eine Besucherin aus Varrel dagegen erlebte es als eher typisch für Island: „Das kennt man doch, diese etwas düsteren Klänge aus dem Norden.“

Wie ein berauschendes Fest dagegen, manches Mal mit eher sanfteren Zwischentönen, wirkte die Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61 von Robert Schumann. Schloss man die Augen, konnte man sich wiegen lassen von den Klangwellen des Adagio espressivo oder in musikalische Strudel ziehen lassen beim klanggewaltigen Allegro molto vivace. Diese Sinfonie verzichtete auf den Einsatz des Flügels. Aber dafür wirbelte eine umso temperamentvollere Dirigentin und sorgte für Begeisterung in der gut besuchten Gutsscheune. Langer Beifall und etliche Jubelrufe rundeten die zwei Stunden Konzerterlebnis ab.

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