Puppenbühne in der Grundschule Moordeich Wenn „Trixie“ auf einmal alles weiß

Basti geht leichtfertig mit seinen Daten im Internet um – bis das ernste Folgen hat. Mit dem Stück „Netz-Dschungel“ war die Puppenbühne der Polizeidirektion Oldenburg zu Gast in der Grundschule Moordeich.
29.03.2019, 18:20
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Wenn „Trixie“ auf einmal alles weiß
Von Alexandra Penth

Stuhr-Moordeich. Basti möchte an den Computer. Er müsse ja schließlich noch etwas für die Hausaufgaben nachgucken. „Vergiss nicht, den Virenschutz zu aktualisieren“, ruft die Stimme des Vaters zurück. „Jetzt zock’ ich erstmal eine Runde“, sagt Basti sich. Nach einem rasanten Autorennen lässt er Pokémon gegeneinander kämpfen. Da schaltet sich Trixie ein und beginnt einen Chat mit lauter Schmeicheleien zu den spielerischen Fähigkeiten des Grundschülers. Die neue „Freundin“ rät Basti, er solle einen goldenen Pokéball im App-Store kaufen – mit richtigem Geld.

So nimmt die Reise des Jungen durch den „Netz-Dschungel“, wie der Titel der Geschichte lautet, ihren Lauf. Immer mehr Tiere tauchen auf der mit schwarzem Stoff bespannten Spielbühne auf. Basti gibt bei jedem Chat ein Stück mehr von sich preis. Einer Giraffe nennt er seinen Geburtstag, das Kamel kennt die Adresse und bald ist auch die Telefonnummer kein Geheimnis mehr. Das Stück aus dem Repertoire der pädagogischen Puppenbühne der Polizeidirektion Oldenburg sahen am Freitag Schüler der vierten Klassen der Grundschule Moordeich. Alle zwei Jahre ist die Bühne zu Gast. Das Team aus Polizeibeamten und Sozialpädagogen hat für Schüler der ersten und zweiten Klasse ein altersgerechtes Stück im Gepäck und eines für die dritte und vierte. „Wir haben Basisthemen, die spielbar sind, um Kindern Gefahren aufzuzeigen“, sagt Karsten Döhrmann, der insbesondere Schulen im Bereich der Polizeiinspektion Diepholz betreut.

Seit 1982 ist er Polizeibeamter, war 29 Jahre auf Streife. Seit zweieinhalb Jahren ist die Bühne nun sein Revier. Dort spielt er Puppen, leiht ihnen seine Stimme, spricht beim Stück „Netz-Dschungel“ auch mal mit einem französischen Akzent. Handpuppe Basti nimmt neben der Spielbühne auf Björn Reschke-Theins Schoß Platz. Auf dem Tisch davor steht der aufgeklappte Laptop. Der Mann, der dem Hauptcharakter des Stückes Leben einhaucht, ist kein Polizeibeamter, sondern als Sozialpädagoge angestellt. Dritte im Bunde, ebenfalls hinter der Puppenbühne stehend, ist die Polizeibeschäftigte Jutta Hartz. Das Team wird zwei Mal im Jahr umfangreicher geschult. Das kann Schauspielunterricht oder ein Sprechtraining sein. „Früher hat man die Puppenbühne nur mit Polizei besetzt. Man benutzt aber ja meistens seinen eigenen Werkzeugkasten“, sagt Karsten Döhrmann. Damit die Botschaft der Stücke bei der Zielgruppe ankommt, sind auch Sozialpädagogen involviert. Die Puppenbühne der Polizeidirektion Oldenburg besteht seit zehn Jahren, die Schwesterbühne in Wilhelmshaven gibt es seit 27 Jahren, die in Hamburg wurde sogar vor 70 Jahren gegründet.

Das Puppentheater Oldenburg deckt die Bereiche Cuxhaven, Verden/Osterholz, Delmenhorst/ Oldenburger Land und Landkreis Diepholz ab. Gewaltprävention und das Internet sind seine aktuellen Schwerpunkte für die Jahrgänge drei und vier. Bei den Kleinsten steht Verkehrserziehung im Mittelpunkt. Nach der Aufführung spricht das Team mit den Schülern über das Gesehene, für den Lerneffekt. Doch nicht nur Kindern zeigen die Puppenspieler, wie sie sich richtig verhalten. Genauso trainiert das Team Senioren – etwa in Bezug auf die Problematik falscher Polizeibeamter. Pro Jahr, sagt Döhrmann, erreicht die Puppenbühne 12 000 bis 13 000 Kinder.

Bei dem Stück „Netz-Dschungel“ hat Bastis leichtsinniger Umgang mit seinen persönlichen Daten schwere Folgen. Trixies Wunsch, eine Pizza für sie zu bestellen, gibt der Junge noch nach. Als Basti ihr kein Smartphone kaufen möchte, lässt die Puppe buchstäblich ihre Maske fallen, eine mit Fuchskopf nämlich. Von der Puppenbühne rollt sich ein Papier aus mit allen Infos zu Basti und einem Foto. „Ich weiß alles von dir“, will Trixie Basti erpressen. Der klappt den Laptop zu und tut das einzig Richtige: Er erzählt seinem Vater, was ihm passiert ist.

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