Grenzgebiet zwischen Stuhr und Bremen Wolfsberater Lars Pump: Gesichtetes Tier wahrscheinlich ein Wolf

Bei dem am Mittwoch gesichteten Tier im Grenzgebiet zwischen Stuhr und Bremen handelt es sich nach ersten Einschätzungen des zuständigen Wolfsberaters um einen Wolf.
04.02.2021, 18:03
Lesedauer: 3 Min
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Wolfsberater Lars Pump: Gesichtetes Tier wahrscheinlich ein Wolf
Von Eike Wienbarg

Stuhr/Bremen. Die mutmaßliche Sichtung eines Wolfes im Bereich der Stuhrer Landstraße in Moordeich und im Grenzgebiet zu Bremen am Mittwoch scheint sich zu bestätigen. „Es sieht sehr nach einem Wolf aus“, berichtet Lars Pump, zuständiger Wolfsberater für den Landkreis Diepholz, auf Nachfrage des WESER-KURIER. Darauf deuten die Videos und Fotos, die auch in den Sozialen Netzwerken kursieren, hin, sagt er.

Nach Sichtung der Aufnahmen von Mittwochmittag gehen auch das Wolfsbüro der Landesregierung in Hannover und die Bremer Landesjägerschaft von einem Wolf aus. Weitere Bilder, die am Mittwochabend gemacht wurden, würden dies ebenfalls bestätigen, so Pump weiter. Eine weitere Sichtung, die der Gemeinde Stuhr am Donnerstagmorgen gemeldet wurde, möchte der Wolfsberater aber nicht bestätigen. Diese habe im Bereich der Rheinallee stattgefunden, berichtet Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte.

Dass sich ein Wolf in einem so dicht besiedelten Gebiet länger aufhalte, sei eher ungewöhlich, berichtet Pump. „Es ist aber schon mal vorgekommen. In der Regel meiden Wölfe aber Siedlungen und Verkehr“, sagt er. Pump vermutet, dass das Tier eventuell eine läufige Hündin gewittert hat oder auf der Suche nach Nahrung aus Mülltonnen war. „Bei einem längeren Aufenthalt müssen wir der Ursache auf den Grund gehen“, sagt der Wolfsberater, der von einem jungen Tier ausgeht, das umherzieht. Laut Angaben des Landkreises Diepholz können Wölfe auf der Suche nach Nahrung, Revier oder Partnern Tages- oder Nachtstrecken von rund 70 Kilometern zurücklegen. „Wenn sie keine unangenehmen Begegnungen mit Menschen hatten, kann es auch vorkommen, dass sie sich Siedlungen und Menschen nähern“, so Landkreis-Sprecherin Mareike Rein.

Für Menschen bestehe durch den Wolf allerdings keine Gefahr, betont Wolfsberater Pump. So sei das Verhalten des Wolfes nicht auffällig oder aggressiv. Auf gar keinen Fall sollten Menschen das Tier jedoch füttern oder anlocken, um ein Foto zu machen. „Dann wird er sich eventuell an den Menschen gewöhnen“, warnt Pump. Bei Antreffen des Wolfes sollten sich Menschen zurückziehen oder ihn durch Lärm wie zum Beispiel Händeklatschen verscheuchen. „Panik ist aber nicht angebracht“, sagt Pump.

Er rät ebenfalls dazu, dass Hundehalter ihre Vierbeiner beim Gassigehen nah bei sich behalten. Halter von Nutztieren wie Schafen sollten diese möglichst über Nacht in den Stall holen oder für eine gute Einzäunung sorgen. Das können laut Kreisangaben vor allem Stromzäune sein. Aber auch Herdenschutzhunde könnten helfen.

„Wir haben die Polizei gebeten, verstärkt Streife zu fahren“, berichtet Stephan Korte über erste Vorkehrungen der Gemeinde Stuhr. Er bittet die Bürger auch, die Augen offenzuhalten. Mögliche Sichtungen sollten dann auch der Gemeinde gemeldet werden, so Korte. Am Donnerstagnachmittag soll erneut ein Wolf von einem Jäger im Bereich Harpstedt gesichtet worden sein, berichtet der Stuhrer Bürgermeister weiter. Ob es sich dabei um das Tier aus Stuhr handele, sei aber nicht klar.

Wie der Landkreis Diepholz mitteilt, liegen laut dem Monitoringbericht des dritten Quartals 2020 mehrere gesicherte Nachweise aus dem Süden des Landkreises vor. „Hier halten die Tiere sich in und um die Moorgebiete auf“, berichtet Mareike Rein. Die exakten Tierzahlen seien nur schwer zu ermitteln. Möglicherweise gebe es dort aber zwei bestätigte Rudel mit jeweils fünf bis sieben Tieren und einige Einzeltiere.

Seit den 1990er-Jahren findet eine Wiederbesiedlung des westlichen Europas durch große Karnivoren, also Fleischfresser, statt, zu denen neben dem Wolf auch der Luchs und der Goldschakal gehören, heißt es vom Landkreis. Bisher seien keine Übergriffe auf Menschen bekanntgeworden. Übergriffe auf Tiere, die zum Beutespektrum der Tiere gehören, hatte es aber bereits gegeben.

Für Wolfsberater Lars Pump geht es jetzt darum, wie lange sich der Wolf im hiesigen Gebiet aufhält. Sollte es weitere Sichtungen in der Region geben, werde das Wolfsbüro eingeschaltet. Auch mögliche Vorkehrungen, um den Wolf zu vergrämen, also zu verscheuchen, könnten dann getroffen werden.

Verhaltensregeln für ein Aufeinandertreffen mit einem Wolf gibt es auf der Internetseite des Wolfsbüros unter https://www.nlwkn.niedersachsen.de/wolfsburo/verhaltenstipps/begegnung_mit_wolfen/wenn-sie-einem-wolf-begegnen-153953.html. Dort sind auch Hilfsangebote für Tierhalter und die Kontaktdaten der Wolfsberater zu finden. Eine genaue Auflistung der Sichtungen des Wolfes im Grenzgebiet zwischen Stuhr und Bremen gibt auf der Seite der Landesjägerschaft Bremen unter http://www.lj-bremen.de/Aktuelles.html?newsID=1107. Einen Überblick von Wolfsmeldungen in Niedersachsen gibt es unter https://www.wolfsmonitoring.com/monitoring/wolfsnachweise/.

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