Stuhrer E-Sport-Team geplant

Zocker sucht Mitzocker

Computerspiele haben Sascha Templin aus Seckenhausen schon immer fasziniert. Vor allem das Spielen im Team sagt ihm zu. Jetzt möchte er ein regionales E-Sport-Team gründen.
03.12.2019, 17:31
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Zocker sucht Mitzocker
Von Eike Wienbarg

Stuhr-Seckenhausen. Schon von Kindesbeinen an hatte Sascha Templin eine Leidenschaft: das Spielen am Computer. Die Faszination, die für ihn als Sechsjähriger mit den ersten Konsolen begann, entwickelte sich für den Seckenhauser immer weiter. Genauso wie der E-Sport, wie heute der Wettkampf unter Computerspielern genannt wird. Während früher oft allein am Computer gespielt wurde, vernetzen sich die Spieler heute durch das Internet weltweit und auch in Vereinen. Das brachte den gebürtigen Bremer Templin auf eine Idee: ein eigenes E-Sport-Team für die Region.

Die erste Konsole, die Templin faszinierte, war der Atari 2600. Darauf spielte er bereits als Kind Spiele-Klassiker wie Pacman oder Space Invaders, erzählt der heute 39-Jährige. Die Konsole kam damals noch mit einer Holzoptik daher, erinnert sich Templin. Später folgten dann die heute legendären Commodore 64 (C64) und Amiga. „Das habe ich aber nicht lange mitgemacht“, berichtet Templin. Er sparte für seinen eigenen Computer.

Mit dem Geld, das er zu seiner Konfirmation bekam, reichte es dann. Für rund 2000 D-Mark kaufte sich Sascha Templin einen 486er. Natürlich mit einem Disketten-Laufwerk. „CD-Laufwerke gab es damals noch nicht“, sagt Templin. Mit seinem Computer probierte er alles aus und unternahm auch erste Programmier-Versuche.

Ende der 1990er-Jahre packte ihn dann ein Computerspiel, das ihn bis heute nicht mehr loslassen sollte: der Ego-Shooter „Half-Life“. „Das war damals der heiße Scheiß“, sagt Templin schmunzelnd. Vor allem die „tolle Story und die gute Grafik“ faszinierten ihn damals, berichtet er weiter.

Mit dem Rechner im Gepäck ging Templin dann zu sogenannten Lan-Partys. Dort trafen sich Menschen, die über ein lokales Netzwerk gemeinsam spielten. „Das war eine tolle Zeit. Es gab so viele Leute, die das gleiche Interesse hatten“, denkt Templin mit Freude zurück. Vor allem die „Half-Life“-Modifikation „Counter-Strike“ (CS) hatte es den jungen Spielern angetan.

Nach und nach bildeten sich sogenannte Clans, also Teams, die gegeneinander antraten. Mit Gründung der Electronic Sports League (ESL) im Jahr 2000 begann sich dann der E-Sport zu etablieren. Heute ist die ESL eine der größten E-Sport-Ligen weltweit. Turniere der Liga füllen Hallen und noch mehr Zuschauer sind im Internet live dabei, wenn die teilweise professionellen Teams gegeneinander spielen. Die Preisgelder gehen mittlerweile in die Millionen-Höhe, weiß Templin zu berichten.

Vor allem auf dem asiatischen Kontinent ist der E-Sport weit verbreitet. Schmelztiegel der Bewegung ist Südkorea. Erfolgreiche Spieler werden dort gefeiert wie hierzulande nur Fußballer. „In Korea ist das alles schon viel weiter“, berichtet Templin, der als Programmierer in Bremen arbeitet. So wurde zum Beispiel ein südkoreanischer Star-Computerspieler als Motivator zur Fußballnationalmannschaft geschickt, die gerade bei einer Weltmeisterschaft antrat, erzählt Templin eine Anekdote aus dem E-Sport. „Das hat mich total beeindruckt“, sagt er. In Südkorea ist der E-Sport bereits als Sportart anerkannt.

Nicht so in Deutschland. Hierzulande wird die Debatte darum immer noch geführt. Sascha Templin hat dazu aber eine klare Ansicht. „Viele meinen, dass Sport etwas mit Bewegung zu tun hat“, sagt er. Seine Definition sei aber eine andere. „Es geht darum, dass man sich misst“, erklärt der Seckenhauser.

Templin selbst war noch nicht bei einem großen Turnier dabei. Dafür verfolgt er die Spiele aber auf verschiedenen Streaming-Plattformen im Internet. Mittlerweile wird sogar auf die Ergebnisse getippt. „Nicht für das Geld, sondern für den Spaß“, wie Templin betont.

Doch was ist das Faszinierende am E-Sport? Für Templin sind es die Taktik und die strategischen Absprachen unter den Spielern. Bei CS seien es zum Beispiel fünf Spieler, die wie ein richtiges Team agieren. „Man gewinnt nicht nur durch das gute Treffen“, sagt Templin über den Shooter. „Das finde ich spannend“, berichtet er weiter. „Spiele sind jetzt ein Kulturgut“, sagt Templin über die rasante Entwicklung im Computerbereich. Es sei zu merken, wie sich die Akzeptanz verändere. Nicht zu vergessen sei aber auch der hohe Spaß-Faktor unter den Spielern. „Man muss das nicht alles ganz so ernst nehmen“, sagt er.

Ein wenig ernster möchte Sascha Templin sein Hobby jetzt aber schon gestalten. Und zwar mit einem eigenen E-Sport-Team. Dafür ist er auf der Suche nach Gleichgesinnten. „Wir wollen es gerne regional halten“, sagt Templin mit Blick auf die vielen Teams, die zum einen international besetzt sind, und zum anderem sich häufig gar nicht außerhalb der Computer-Welt treffen. Über Soziale Netzwerke und Foren versuchte Templin bereits, Mitspieler zu finden. „Man kommt nicht so an die Leute ran“, hat er beobachtet. Eine kleine Gruppe kristallisierte sich aber schon heraus. „Bei einem Training waren wir acht Leute“, erzählt Templin von den Einheiten der Gruppe, die immer dienstags und donnerstags ab 20 Uhr eingeplant sind. Dann sprechen die Spieler gemeinsam über Taktiken oder schauen sich die sogenannten Maps, also die Karten, auf denen das Spiel gespielt wird, an.

Die Gruppe ist dabei für jeden Interessierten offen – egal welches Alter oder Geschlecht. „Was mich stört, ist, dass es keine gemischten Teams gibt“, spielt Templin auf die Trennung der Geschlechter im E-Sport an. Zwar gebe es auch Frauen im E-Sport. Die seien dann aber meist in rein weiblichen Teams organisiert. „Gerade beim Computerspielen gibt es keine körperlichen Nachteile“, findet Templin und würde sich freuen, wenn auch Spielerinnen zu seinem Team dazustoßen. „Ziel wäre es, wenn wir sieben Leute zusammenbekommen, die es wirklich ernst meinen. Das wäre natürlich ideal“, sagt Templin und hofft nun auf neue Mitspieler.

Wer Interesse am gemeinsamen Computer-Spiel hat, kann sich bei Sascha Templin per E-Mail an die Adresse ec-stuhr@web.de wenden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+