Örtliche Fischer sind verärgert

Zulauf zu Biotop in Heiligenrode wird ständig verstopft

Alle sechs Wochen müssen die Fischereifreunde vom Klosterbach Heiligenrode inzwischen das verstopfte Verbindungsrohr zwischen Mühlenteich und Biotop freimachen. Sie sind verärgert und vermuten Vorsatz.
06.05.2021, 17:30
Lesedauer: 3 Min
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Zulauf zu Biotop in Heiligenrode wird ständig verstopft
Von Alexandra Penth
Zulauf zu Biotop in Heiligenrode wird ständig verstopft

Ärgern sich über das beinahe trocken gefallene Biotop am Klosterbach: Wilfried Cassens (links) und Rainer Woiwode.

TAMMO ERNST

Stuhr-Heiligenrode. Der Schlauch mit dem Korken am Ende will nicht weiter. „Da ist wohl ordentlich was drin“, sagt Wilfried Cassens. Er kniet am Klosterbach und ruckelt kräftig hin und her. Auf der anderen Seite der Öffnung des unter der Grasnarbe verlaufenden Rohres blubbert es daraufhin. „Da sitzt noch was“, ruft Rainer Woiwode seinem Kameraden von den Fischereifreunden vom Klosterbach Heiligenrode zu. Kurz darauf fließt das Wasser wieder. Es bahnt sich seinen Weg in das etwas tiefer liegende Biotop, in dessen Mitte sich bloß noch eine Pfütze befindet. „In zwei Tagen müsste es wieder vollgelaufen sein“, sagt Rainer Woiwode. Wilfried Cassens und er blicken dem Rinnsal Richtung Pfütze nach.

Die Prozedur am Klosterbach wiederholen die Angler inzwischen beinahe alle sechs Wochen. Das vor mehr als 20 Jahren verlegte Verbindungsrohr zwischen dem Gewässer und dem Biotop ist immer wieder verstopft. Die Angler vermuten dahinter Absicht. Denn oft holen sie Kies und größere Steine aus der Öffnung hervor. Vor zwei Jahren sei das Rohr mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern erstmals verschlossen worden - damals sogar mit Bauschaum. „Der kommt da sicher nicht von alleine hin“, sagt Rainer Woiwode. Die Fischereifreunde dürfen den Klosterbach vom Dreimädelhaus in Kirchseelte bis nach Tölkenbrück in Varrel befischen. Der Erhalt des angrenzenden Biotops parallel zur Straße Zur Malsch, direkt zwischen Klosterbach und Storchen-Nest, liegt ihnen dabei ebenfalls am Herzen. Das Biotop ist nämlich auch Laichort für Frösche. Rainer Woiwode deutet nach oben zum Horst, der auf einem Stamm thront. „Ideale Bedingungen für den Storch.“ Der Klosterbach gilt zudem auch als Laichstätte für das aalartig anmutende und streng geschützte Neunauge.

Den Fischereifreunden gehören 14 Mitglieder an, viele sind in fortgeschrittenem Alter. Woiwode und Cassens wollen einfach nicht mehr. Jemand scheint ihnen im wahrsten Sinne des Wortes andauernd Steine in den Weg zu legen. „Die Amphibien gehen ja weg, wenn kein Wasser da ist“, sagt Rainer Woiwode. Das Biotop beziehe vermutlich größtenteils Wasser aus dem Klosterbach. Dass zu viel Wasser hinüberläuft und das Biotop die angrenzenden Wiesen überschwemmt, halten die Fischer für ausgeschlossen. Das verhindere schließlich das Ablaufsystem. Dieses führt nach Auskunft des Stuhrer Umweltbeauftragten Marc Plitzko über einen Zulauf in den Graben entlang der Straße Zur Malsch, von dort gelangt es später in die Peske, um am Ende des Kuhteichweges wieder in den Klosterbach zurückgeführt zu werden.

Laut Plitzko war der Graben an der Straße Zur Malsch erst im vergangenen Winter ausgebaggert worden. So sei der zuverlässige Ablauf des Wassers aus dem Biotop gewährleistet. Die Trockenheit der vergangenen Jahre setze ausschließlich von Regenwasser gespeisten Feuchtbiotopen grundsätzlich merklich zu, sagt der Umweltbeauftragte, der zusichert, sich um eine Lösung des Problems bemühen zu wollen. In dem Biotop habe es zuletzt noch Fische gegeben, sagen die Heiligenroder Angler. Doch der Fischreiher hatte bei derart niedrigem Wasserstand einfach direkt an der Pfütze auf seine Beute gewartet.

Diesmal haben Woiwode und Cassens das Rohr relativ schnell freibekommen. Beim vergangenen Mal im Grunde auch schon. Nur davor, im November, sei es eine erschwerte Prozedur gewesen. Mit Wathosen standen sie im Wasser, etwa 1,20 Meter hatten sie die Erde an der Öffnung des Rohres aufgegraben, das Rohr aufgesägt und drei größere Steine entfernt. „Dann haben wir uns ein Stück Rohr wieder zurechtgesägt und mit einer Schiebemuffe wieder verschlossen“, beschreibt Cassens. Erwischt haben die Fischer auf frischer Tat bisher niemanden. Sie haben nun auch Kontakt mit dem Biotopbeauftragten des Naturschutzbundes (Nabu) Stuhr, Bernhard Helmerichs, aufgenommen, damit das Zuschütten hoffentlich bald ein Ende hat - und sie die aufwendige Prozedur zum letzten Mal verrichtet haben.

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