Plattdeutscher Stammtisch in Brinkum

Zum Erhalt der bildhaften Sprache

Seit nunmehr zehn Jahren trifft sich im Brinkumer Mehr-Generationen-Haus jeden Monat der Plattdeutsche Stammtisch. Die Gruppe hat sich unter anderem den Erhalt der Sprache auf die Fahnen geschrieben.
05.03.2020, 17:58
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Von Femke Liebich
Zum Erhalt der bildhaften Sprache

Am Mittwoch feierten die Aktiven vom Plattdeutschen Stammtisch den zehnten Geburtstag der Gruppe. Sie hoffen für die Zukunft auch auf jüngere Mitglieder.

Vasil Dinev

Stuhr-Brinkum. Wer mal wieder Lust hat, eine Runde platt zu schnacken und über vergangene Dörp-Geschichten zu smüüstern, der ist beim monatlichen Plattdeutschen Abend in der gemütlichen Backstube im Mehr-Generationen-Haus (MGH) in Brinkum genau richtig. An diesem Mittwoch feierte die Runde aus rund 20 erfahrenen und unerfahrenen Anhängern der niederdeutschen Sprache ihr zehnjähriges Bestehen.

„Wir machen jetzt kein großes Fass auf, sondern freuen uns einfach, dass unser Angebot über die Jahre so gut angenommen wird“, sagte Ulrike Dunkhase-Niemeyer anlässlich des runden Geburtstages. Sie gehört von Anfang an dem Vorstand der Bürgerstiftung Stuhr an, dem Träger des Mehr-Generationen-Haus, und hat den Plattdeutschen Abend ins Leben gerufen. „Zum damaligen Zeitpunkt ging es darum, das neue Mehr-Generationen-Haus mit Leben zu füllen – sei es mit einem Englischen Frühstück, Näh- und Bastelangeboten oder eben einem Plattdeutschen Abend“, erinnert sie sich an die Anfangszeit. Ihre Idee stieß gleich auf offene Ohren. „Viele aus unserer 60plus-Generation sind mit der plattdeutschen Sprache aufgewachsen. Bei mir war es aber so, dass nur meine Eltern und Großeltern untereinander platt geschnackt haben – mit uns Kindern wurde Hochdeutsch gesprochen“, berichtet Ulrike Dunkhase-Niemeyer weiter. „Viele haben die Sprache immer nur gehört, aber viel zu wenig gesprochen. Bei uns haben sie jetzt die Möglichkeit dazu“, fügt Ursula Demoliner hinzu, die ebenfalls von Anfang an beim Plattdeutschen Abend mitwirkt.

Dieser gestaltet sich allmonatlich mit Geschichten, Gedichten, Liedern und Döntjes stets sehr unterhaltsam, abwechslungsreich und manchmal auch nachdenklich. „Unser Ziel ist es, die schönen, alten, bildhaften Wörter und ihre Bilder weiterleben zu lassen“, verkünden die Initiatoren.

Während sich zu Beginn rund zehn Interessierte zum gemütlichen Beisammensein bei Getränken und Knabbereien trafen, sind es heute meistens um die 20 Frauen und Männer. Klaus Nowicki ist seit fünf Jahren einer von ihnen. „Ich habe jahrelang in niederdeutschen Theaterstücken mitgewirkt, Hörspiele gesprochen und plattdeutsche Geschichten vorgetragen“, berichtet er. Kein Wunder, dass er selbst ein großer Fürsprecher für die Erhaltung des niederdeutschen Sprachgutes ist. „Ich kann nur jeden ermuntern, in unsere Runde zu kommen, und die Sprache zu pflegen“, ergänzt er. Unter dem Motto „Jeder kann, keiner muss“ hat jeder die Möglichkeit, etwas Mitgebrachtes zum Besten zu geben. Das können eben kurze Geschichten, Erinnerungen aus dem Dörp-Leben, Gedichte, Witze und kleine Anekdoten sein. Daraus ergebe sich dann meist ein munterer Dialog unter allen Anwesenden.

Ab und zu wird bei den Plattschnackern auch gesungen. Das Liedgut ist dabei ebenso vielfältig wie die Geschichten. In der Adventszeit werden beispielsweise Weihnachtslieder op Platt geträllert. Außerdem machten bereits Liederzettel zu niederdeutschen Klassikern wie „Dat du min Leevsten büst“, „Herrn Pastor sein Kauh“ und „Wo die Nordseewellen“ die Runde.

An plattdeutschem Material für die regelmäßigen Zusammenkünfte mangelt es offensichtlich nicht. „Ich habe ein ganzes Regal voll mit Büchern und sogar einen großen Stapel mit Schallplatten“, berichtet Ulrike Dunkhase-Niemeyer. In der Gemeinde habe sich längst herumgesprochen, dass sie den Plattdeutschen Abend leitet, „sodass hinterlassene Bücher und Schriftstücke häufig bei mir landen“. Auch Klaus Nowicki kann in seinem plattdeutschen Fundus regelrecht aus dem Vollen schöpfen. Neben Geschichten und Texten würde er gerne auch kleine Filme und Hörspiele in der Runde vorstellen, allerdings „macht mir dabei derzeit noch die Technik einen Strich durch die Rechnung.“

Anlässlich ihres zehnjährigen Geburtstages haben die Mitwirkenden eigentlich nur einen Wunsch: „Ich würde mich freuen, wenn auch ein paar Jüngere zu uns kommen würden“, spricht Ulrike Dunkhase-Niemeyer den Gedanken des Mehr-Generationen-Haus an. Sie möchte ihre Leidenschaft für die niederdeutsche Sprache nur allzu gerne weitergeben. Getreu dem Motto: Plattdüütsch mutt leven!

Der nächste Plattdeutsche Abend findet am Mittwoch, 1. April, von 18 bis 19.30 Uhr im Mehr-Generationen-Haus, Bremer Straße 9, in Brinkum statt. Der Eintritt ist frei, es ist keine Anmeldung erforderlich. Nähere Informationen gibt es telefonisch unter 04 21 / 80 60 98 74.

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