Porträt

1001 Töpfe, 1002 Muster

Jutta Klein aus Nordwohlde fertigt in Nordwohlde handgemachte Keramik an - und das schon seit 34 Jahren. Der Sommer ist für sie Marktzeit. "Das ist ein Prozess des Drehens, Trocknens und des Malens".
31.07.2018, 12:32
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Lena Mysegades
1001 Töpfe, 1002 Muster

Neue Zeiten erfordern neue Werkzeuge: Heute nutzt Jutta Klein zum Bemalen bevorzugt das Malhörnchen.

Lena Mysegades

Bassum-Nordwohlde. Muster fliegen sie an. Sie sieht etwas, egal, ob es nun eine besondere Blume in der Natur ist oder ein architektonisch interessantes Gebäude auf Reisen. Das inspiriert sie sofort. Jutta Klein, 63 Jahre alt, Keramikerin aus Nordwohlde, ist schon lange dabei. Seit 34 Jahren schon, um genau zu sein. An der heutigen Hochschule für Künste, damals Hochschule für Gestaltung in Bremen, hat Klein Modedesign studiert. Der Zufall brachte sie dann zur Töpferei. "Einen Job im Modebereich zu finden, fällt Modeabsolventen gemeinhin schwer", sagt Klein. Und auch der gut ausgebildeten Hochschulabsolventin ging es da nicht anders.

Klein arbeitete daher einige Jahre als Grafikdesignerin. Als aber Kleins Freundin, Katharina Strubelt, damalige Inhaberin des Keramikgeschäftes "1001 Topf" im Bremer Ostertorviertel, wegzog, nutzte die Bremerin ihre Chance und übernahm "ganz mutig" den Laden. "Ich habe dann auch gleich gemerkt, dass ich eine gewisse Begabung fürs Töpfern habe, weil ich es schnell gelernt habe. Doch das Drehen ganzer Geschirr-Serien war mir zu viel, da hätte ich noch schneller arbeiten müssen, und ich habe das Geschirr lieber aufwendig bemalt, mir dafür Zeit genommen." Deshalb habe sie immer eine Töpferin gehabt, erzählt sie auf bescheidene Art und Weise. So unaufdringlich, wie sie selbst herüberkommt, wirkt auch ihre Keramik. Die Künstlerin fertigt schon seit längerer Zeit am liebsten Keramikserien in Pastelltönen an. Türkis, hellgrün und hellblau gemusterte Tassen, Vasen und Schüsseln stehen in ihrer Werkstatt Jutta Klein, Hinterm Fang 8 in Nordwohlde, in einem schlichten Regal.

Daneben stehen Brennofen und Drehscheibe. Klein hat die Keramik, die da steht, erst am Wochenende wieder zurück ins Regal gestellt. Gemeinsam mit ihrem Mann Roland ist sie gerade erst vom Schweriner Töpfermarkt zurückgekommen. Beide wirken noch etwas erschöpft, aber glücklich. Der 29. Schweriner Töpfermarkt war nämlich ein Erfolg. "Oft kommen Stammkunden aus den letzten Jahren wieder, die dann noch eine Serie kaufen wollen. Da haben wir schon gut verkauft", freut Klein sich. Früher, als Klein noch den Laden hatte, hatte sie immer ihre festen Zeiten, in denen sie geöffnet hatte und ihre Keramiken fertigte. Heute hat sie manchmal das Gefühl, dass sie die Arbeit nicht loslässt, weil sie ihre Werkstatt ja im Haus hat. Es hat alles Vor- und Nachteile.

Ein Geschäft muss bezahlt werden, und die Kunden nehmen es leicht übel, wenn man mal nicht pünktlich ist. Klein ist in Bremen mit ihrem Laden dreimal umgezogen. Das Gebäude vom ersten "1001 Topf" wurde abgerissen. Klein zog in eine Seitenstraße in die Vasmerstraße. Zuletzt war sie noch drei Jahre im Schnoor. Bei den bunten Häusern im Schnoor, der Marterburg, wo Kleins Geschäft lag, liefen die Touristengruppen oft am Laden vorbei und seltener herein. "Und wenn sie reinkamen, wollten sie oft nicht viel ausgeben und waren hauptsächlich an Bremen-Souvenirs interessiert. Ich habe zu dieser Zeit dann auch Bremer-Stadtmusikanten-Becher gemalt, aber naja", erinnert sich Klein. Und so fassten die Kleins vor 18 Jahren den Entschluss, aufs Land zu ziehen.

"Das Geschäft hat sich nicht mehr gelohnt, und ich wollte mich nur noch auf die Töpfermärkte konzentrieren." Das Ehepaar Klein hat übrigens den Bremer Keramikmarkt überhaupt erst ins Leben gerufen. Zu fünft, mit noch drei anderen Freunden, haben sie die gesamte Organisation des Marktes übernommen. Heute ist der eine Freund im Bund, Peter Henning, mit über 70 Jahren nicht mehr dabei. "29 Jahre Bremer Töpfermarkt. 29 ist eine gute Zahl, eine Primzahl, da kann man aufhören", hatte Peter Henning gesagt. "Nein", sagt die sanfte Jetzt-Nordwohlderin, "da gab es kein Zerwürfnis oder so, Peter möchte sich jetzt einfach um seine Enkelkinder kümmern. Wir wollen aber auf jeden Fall noch die 30 vollmachen, und wenn wir dann noch können, auch noch länger."

Welche Keramik-Handwerker beim Bremer Markt teilnehmen dürfen, wählt der Fünfer-Verbund aus Joachim Schmidt, Wolfgang und Jutta Klein, Peter Henning und Regina Jensen stets gemeinsam aus. "Es gibt eine Jurysitzung, Hobbykeramiker sind nicht erlaubt", meint Klein. Der Bremer Keramikmarkt ist immer am dritten Juniwochenende in den Wallanlagen gegenüber der Bremer Kunsthalle.

Sommer ist Keramik-Marktzeit für Jutta Klein, jetzt nach Schwerin geht es weiter nach Aschaffenburg und nach Hanau, in den Süden. Dort wohnt Kleins Familie. Auch der Sohn. Der hilft selbstverständlich beim Aufbau. Klein fertigt jetzt die Keramik für die nächsten Märkte. "Das ist ein Prozess von drei, vier Wochen, des Drehens, des Trocknens und des Malens." Eine Müslischüssel kostet 25 Euro, ein Becher um die 20 Euro und die Vasen ab 40 Euro aufwärts. "Es kommt immer noch vor, dass sich meine Kunden etwas schicken lassen. Heute nehme ich mir den Luxus heraus zu sagen: Verlasst euch auf mich, da kommt etwas Schönes bei raus. Früher habe ich das Geschirr auf Bestellung angefertigt. Es gibt jetzt einfach Sachen, die ich nicht mehr mache, weil ich darauf jetzt keine Lust mehr habe. Zum Beispiel Kinderteller und Namensbecher."

Die Zeiten ändern sich. "Nach 25 Jahren der gleichen Art von Pinselmalerei habe ich meine Kollektion vor fünf Jahren umgestellt." Seitdem malt Klein mit einem Malhörnchen statt mit Pinsel. Da läuft mit Druck des Handgelenks die Farbe heraus. Mittlerweile müsse sie ihre Finger schonen, da sei das besser. Jutta Kleins Keramik hat Tradition. Doch sie ist mit der Zeit gegangen – ihre Keramik wirkt modern und frisch.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+