Tango-Show „Destino“ überzeugt bei Premiere in Bassum / Ensemble eigens für diesen Zweck gegründet

400 Besucher feiern großartiges Experiment

Bassum. Die Schießsporthalle des Nordwestdeutschen Schützenbundes in Bassumverwandelte sich a
11.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von MAJANNE BEHRENS
400 Besucher feiern großartiges Experiment

Doppelte Eleganz: Bei der Tango-Show „Destino“ spielten die Akteure auch mit Licht und Schatten.

Udo Meissner

Bassum. Die Schießsporthalle des Nordwestdeutschen Schützenbundes in Bassumverwandelte sich a

m Sonnabend in ein modernes Schauspielhaus mit großer Bühne und Foyer. Auf dem Spielplan stand die Premiere einer spartenübergreifenden Inszenierung mit Orchester, Quartett, Tanz, Artistik, Film, Gesang, Chor und Kunstperformance. Eigens für diesen Zweck hatten die Initiatoren Daniela Franzen und Marcello Monaco ein freies Ensemble gegründet, bestehend aus 80 Profis und Amateuren. Zur Uraufführung von „Destino“ kamen mehr als 400 Zuschauer und feierten begeistert das großartige Experiment mit lautem Applaus und großer Anerkennung.

„Destino“ heißt Schicksal und erzählt die Geschichte einer Jüdin, die im deutschen Faschismus als junge Frau nach Argentinien floh. Eine Inszenierung, die mit starken Bildern, Musik und Choreografien das Publikum auf eine Erinnerungsreise einer 90-Jährigen ohne Text und Worte mitnahm. Die Bühnensprache war gespielter, getanzter und gesungener Tango, vielfältig und ausdrucksstark. Gleich die erste Szene zeigte mit Tanz-Theater (Leitung: Katharina Reif) die Flucht zweier Frauen vor Uniformierten, die bedrohlich im Gleichschritt aufmarschierten. Auf einer Leinwand im Hintergrund huschten zeitgleich gelbe Sterne, das Erkennungszeichen für Juden im Hitlerregime, hin und her. Auf einmal jedoch wurden Filmaufnahmen von Flüchtenden, wie sie das Publikum aus den aktuellen Nachrichten der Medien kennt, eingeblendet. Nur kurz, aber nicht ohne eine emotionale Wirkung zu hinterlassen.

Mitgenommen durch dieses Gefühl entwickelten die Zuschauer gleich zu Beginn Empathie zur Hauptfigur: Ein 90-jähriger Mensch in Frauenkleidung, der sich durch das Gewirr alter Hinterlassenschaften in verstaubten Kisten eines voll gestellten Dachbodens wagt. Erinnerungen an die eigene Flucht, Jugend, Leidenschaft und Schicksalsschläge wurden beim Öffnen alter Kartons sichtbar. Mal das besondere Kleid, die Tanzschuhe von früher oder eine Eintrittskarte für den Zirkus.

Gegenstände, die dann live auf der Bühne zum Requisit für die weiterführenden Handlungen wurden. Immer wieder tauchte das rote Kleid auf, eben noch im Film, dann getragen auf der Bühne oder im Gemälde, welches übergroß als Bühnenbild, wie ein Dia, gezeigt wurde. „Einige der Werke habe ich extra für diese Inszenierung gemalt“, meinte der Künstler Anton Kitzmüller, der zur Premiere aus Österreich anreiste.

Seine Originale konnten im Foyer der Veranstaltung in einer Ausstellung betrachtet werden. Auf der Bühne wurden sie streckenweise sogar lebendig. Während Tina Badenhop live mit ihrer Tuchakrobatik im Vordergrund begeisterte, sah man eine gezeichnete Zirkuskuppel im Hintergrund. Dort sogar mit einem gespanntem Hochseil versehen. Eine entzückende Ballerina balancierte durch das Gemälde und zwinkerte schelmisch den Zuschauern zu. „Ich habe Daniela beim Seiltanzen gefilmt und dann als Collage in das Kunstwerk eingefügt“, schmunzelte Filmemacher Ralf Schauwacker. Auch der Schuhputzer Janis Helmke ist mal im Film und mal auf der Bühne zu sehen. Eine anrührende, nostalgische Stimmung entstand, als nicht mehr ganz junge Paare mit individuellem Charme und Leidenschaft Tango tanzten. An anderer Stelle zeigten Profis mit Solotänzen ihr Können. „Kaum zu glauben, das es diesen Chor eigentlich gar nicht gibt“, zeigte sich ein Besucher von der hohen Qualität des Projekt-Chores beeindruckt und seine Frau fügte hinzu, wie sehr sie die Musik unter der Leitung von Juan Maria Solare genossen habe.

Die Autorin und Regisseurin Daniela Franzen inszenierte mit „Destino“ traumhafte Bilder und Szenen, die sich als ganz großes Theaterereignis entpuppten. Gemeinsam mit Marcello Monaco, der nicht nur den Chor leitete, sondern auch als Sänger für Musical-Flair sorgte, schuf sie ein Gesamtkunstwerk, das jetzt schon das Prädikat „Besonders wertvoll“ verdient. Donnernder Applaus und laute Bravorufe entließ das Ensemble zu einer Premierenfeier und Milonga, wo Publikum und Akteure bis weit nach Mitternacht feierten.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+