Hermann Dierks ist seit einem halben Jahrhundert Mitglied der Heiligenroder Feuerwehr 50 Jahre Kampf gegen den Roten Hahn

Seit einem halben Jahrhundert hat der Rote Hahn in Heiligenrode einen erklärten Feind: Hermann Dierks ist seit 1962 Mitglied der Heiligenroder Freiwilligen Feuerwehr. Doch nicht nur bei der Heiligenroder Wehr hat er einiges erlebt – sondern auch auf dem Bremer Flughafen, wo er als Berufsfeuerwehrmann bei der Bremer Flughafenfeuerwehr tätig war. Als solcher ist ihm auch der Absturz einer Maschine im Jahr 1966 in Erinnerung geblieben, bis heute der einzige auf dem Bremer Flughafen.
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50 Jahre Kampf gegen den Roten Hahn
Von Markus Tönnishoff

Seit einem halben Jahrhundert hat der Rote Hahn in Heiligenrode einen erklärten Feind: Hermann Dierks ist seit 1962 Mitglied der Heiligenroder Freiwilligen Feuerwehr. Doch nicht nur bei der Heiligenroder Wehr hat er einiges erlebt – sondern auch auf dem Bremer Flughafen, wo er als Berufsfeuerwehrmann bei der Bremer Flughafenfeuerwehr tätig war. Als solcher ist ihm auch der Absturz einer Maschine im Jahr 1966 in Erinnerung geblieben, bis heute der einzige auf dem Bremer Flughafen.

Stuhr-Heiligenrode. Wirft man einen Blick auf das Haus von Hermann Dierks in Heiligenrode, dann entdeckt man früher oder später die Sirene, die auf dem Dach thront. Das ist sehr praktisch, denn so konnte Dierks, der seit 50 Jahren Mitglied der Heiligenroder Freiwilligen Feuerwehr ist, keinen Einsatz verpassen. Dierks hat quasi sein ganzes Leben der Feuerwehr gewidmet, nicht nur der Wehr in Heiligenrode, wo er es bis zum Ortsbrandmeister brachte, sondern auch der Bremer Flughafenfeuerwehr, wo er sein Geld verdiente. Neben der Erinnerung an einen Flugzeugabsturz hat er noch viele weitere.

"Wir haben eigentlich in Heiligenrode immer genug Einsätze gehabt", resümiert Dierks. An einen erinnert es sich besonders – und mit Tränen in den Augen. "Anfang der 90er-Jahre wurden wir kurz vor Weihnachten zu einem Hausbrand gerufen. Der Brand hatte sich über das ganze Haus ausgebreitet – und die Kinder wurden vermisst", beschreibt der 74-Jährige die damalige Situation. Niedergeschlagenheit und Bedrückung nahmen von den Männern Besitz. "Aber dann haben wir die Kinder bei den Nachbarn gefunden", so Dierks. Auch an Stürme, die die Stromleitungen gekappt hatten, kann sich Dierks noch gut erinnern. "Wir sind dann mit einem Notstromaggregat zu den Landwirten gefahren, damit sie die elektrischen Melkmaschinen betreiben konnten, morgens und abends." Überhaupt, Sturmschäden habe es über die Jahre immer wieder gegeben.

Aber auch zu einem kuriosen Einsatz wurden die Brandbekämpfer mal gerufen. "Da war mal ein Modellflieger irgendwann in den 90er-Jahren in einem Baum gelandet, und der Besitzer bat uns, den da runterzuholen", erzählt Dierks. Die Drehleiter aus Brinkum anzufordern, erschien den Heiligenroder Feuerwehrmännern jedoch als zu aufwendig. Deshalb boten sie dem Besitzer an, den Flieger mittels eines gezielten Wasserstrahls aus dem Baum zu holen. "Er kam auch runter, war dann aber kaputt."

Wesentlich dramatischer war hingegen der Absturz einer Convair CV 440 der Lufthansa, die am 28. Januar 1966 nach einem Durchstartmanöver hinter der Landebahn des Bremer Flughafens in die Kladdinger Wiesen stürzte. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder kamen ums Leben, rund 50 Menschen. "Furchtbar. Für uns als Flughafenfeuerwehr gab es dort nichts mehr zu löschen, weil die Stuhrer und die Bremer Wehren schon da waren. Wir haben dann Material geliefert, Sand zum Bespiel wurde gebraucht." Einen anderen Einsatz hatten er und seine Kollegen am 22. Juni 1965. Damals hatte ein Kurzstreckenjet vom Typ BAC 1-11 eine falsche Rollbahn benutzt. "Der Pilot wollte über ein kurzes Rasenstück zur richtigen wechseln", erklärt Dierks. Doch dann machte sich das Gewicht der Maschine bemerkbar, und der Jet sank in dem weichen Boden ein. "Wir montierten eine Schleppstange und zogen ihn wieder raus." Und im Gegensatz zu dem Modellflieger blieb der Jet ganz und unbeschädigt.

Einen ähnlichen Einsatz hatte er einige Zeit später, als eine Boeing 727 von der Bahn abkam und von der Feuerwehr wieder auf selbige bugsiert werden musste. Ansonsten fand er sich mit seinen Kollegen oft am Rande der Landebahn wieder. "Damals bildete die Luftwaffe Piloten aus. Sie flogen mit Piaggio-Propellermaschinen und hatten oft Schwierigkeiten mit der Fahrwerkskontrollanzeige. Dann wurden wir zur Bahn gerufen, um sofort eingreifen zu können, wenn das Fahrwerk tatsächlich bei der Landung Schwierigkeiten machte."

Bei der Flughafenfeuerwehr musste Dierks des Öfteren auch die Schulbank drücke, schließlich standen Fortbildungen auf dem Programm – zum Beispiel Strahlenschutz. "Wir haben gelernt, wie man sich zu verhalten hat, wenn es einen Unfall mit strahlendem Material gibt. Auch mit den Halbwertzeiten mussten wir uns auskennen. Da haben wir richtig gebüffelt. Aber die verschiedenen Lehrgänge kamen auch immer der Heiligenroder Wehr zugute."

Fragt man Dierks, ob er den gleichen Weg wieder gehen würde, denkt er nicht lange nach. "Ja, ich bin immer gerne bei der Feuerwehr gewesen. Wenn ich noch mal jung wäre, würde ich wieder Feuerwehrmann werden."

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