Kommunalwahl in Niedersachsen

Abiturient aus Schwarme kandidiert für zwei Parteien

Der 18-jährige Schwarmer Artus Elias Meyer-Toms kandidiert bei der Kommunalwahl im September gleich für drei Parlamente. Und für zwei Parteien.
18.08.2016, 00:00
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Von Karin Neukirchen-Stratmann

Der 18-jährige Schwarmer Artus Elias Meyer-Toms kandidiert bei der Kommunalwahl im September gleich für drei Parlamente. Und für zwei Parteien.

Geprägt durch Zeitungslektüre

Zur Politik kam Artus Elias Meyer-Toms schon früh, und daran sind unter anderem Printmedien Schuld. „Wir haben viele Zeitungen im Haus: die Zeit, die TAZ, den WESER-KURIER. Da habe ich früh begonnen drin zu lesen, das hat mich sicher mit geprägt.“ Bereits mit zwölf Jahren hat er zusammen mit seiner Mutter eine Demo durch Schwarme organisiert – nach dem Atomunglück von Fukushima. „Und habe dabei schon viel gelernt, das war eine interessante Erfahrung, zum Beispiel der Kontakt mit der Polizei.“ Wenig später war er Mitbegründer der ersten Bürgersolaranlage auf dem Dach der Schwarmer Grundschule. „Da habe ich für 500 Euro einen Anteil erworben. Das Geld hatte ich mir zusammengespart“, berichtet der Jung-Politiker.

Sicherlich wird ihn auch das Zusammenleben mit der Familie auf dem Biolandhof in Schwarme geprägt haben, sein Vater war lange Jahre im Gemeinderat Schwarme und der Samtgemeinde unterwegs. Das kommt Artus Elias Meyer-Toms jetzt sicher zu Gute, kann er doch auf das kommunalpolitische Wissen seines Vaters zurückgreifen.

Verkehr und schnelles Internet

Wichtig sind ihm Themen wie der Verkehr. Er selber fährt viel Fahrrad, auch der Weg zur Schule nach Bruchhausen-Vilsen war für ihn keine zu lange Wegstrecke, „und auch nach Bremen geht es des Öfteren mit dem Rad“. Radwegebau steht daher ganz oben auf seiner Liste der Dinge, die er vorantreiben möchte. „Nicht alle Straßen müssen Fahrradwege haben, das ist nur bei den Kreis- und Landstraßen erforderlich. Aber damit es sicher ist, auf der Straße zu fahren, muss es mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen geben, die auch eingehalten werden müssen“, so Artus Elias Meyer-Toms. Feldwege als Radwege zu benutzen, sei dabei ebenfalls ein Weg.

Seine Pläne für die Zukunft sind ebenfalls schon konkret: Ab Oktober wird er an der Universität Osnabrück Mathematik studieren. „Naturwissenschaften waren schon in der Schule mein Schwerpunkt“, erklärt Artus Elias Meyer-Toms. Lehrer ist dabei jedoch nicht sein Berufsziel. „Ich will wissenschaftlich arbeiten.“ Er ist bereits Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). „Die beschäftigt sich zum Beispiel mit den sogenannten Chemtrails oder dem Wirken der Homöopathie. Generell finde ich es sehr wichtig, eine wissenschaftliche Perspektive zu haben.“

Postwachstumsökonomie

Wichtig ist dem 18-Jährigen auch die Postwachstumsökonomie. „Die Wirtschaft setzt immer auf Wachstum, aber unsere Ressourcen auf der Erde sind begrenzt. Die Frage ist, wie man zu einer Ökonomie kommen kann, die nicht immer größer wird, sondern auf Regionalisierung aus ist.“

Als jüngster Kandidat auf den Listen der UWS und der Grünen macht Artus Elias Meyer-Toms im Augenblick ständig neue Erfahrungen, etwa bei den Treffen seiner Partei. „Aber es sind durchaus noch mehr jüngere Kandidaten dabei – und auch viele Frauen.“ An die Diskussionskultur muss er sich dabei aber erst noch gewöhnen. „Das läuft bei der Grünen Jugend schon anders.“ Vorstellen kann er sich, sollte er gewählt werden, die Mitarbeit im Schulausschuss oder auch im Tourismusausschuss. „Bei Letzterem würde ja auch das Thema Radfahren gut reinpassen.“ Und auch zur Bildung hat er, selber gerade aus der Schule abgegangen, etwas zu sagen. „Die Smartboards zum Beispiel sind eigentlich überflüssig, damit wollen sich manche Politiker nur profilieren. Eine Tafel kann man damit nicht ersetzen.“ Die Boards seien im Verhältnis zu teuer, der Kontrast meist nicht ausreichend. „Und Filme kann man auch über den Beamer gucken.“

Im Moment beschäftigt sich der 18-Jährige viel mit der Politik. Bedenken, dass er sich während des Studiums zu wenig um seine mögliche Ratstätigkeit kümmern kann, hat er nicht. „Osnabrück ist nicht aus der Welt, die Zugverbindung ist prima.“ Jetzt muss es nur noch mit den Stimmen klappen.

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