Martfelder Literaturtage

Abschluss mit „Tante Lotti“

Zum Abschluss der Martfelder Literaturtage drehte sich alles um „Tante Lotti“. Regina Nordbruch und Heinrich Gräpel rezitierten aus ihren Werken, Wilfried Nordbruch erzählte zwischendrin Anekdoten.
06.11.2017, 17:45
Lesedauer: 2 Min
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Von Tanja Stelloh

Martfeld-Kleinenborstel. Die weiträumige Diele des Hofs Söffker (ehemals Homfeld) in Kleinenborstel bei Martfeld war gut beheizt, als rund 50 Besucher am Sonntagabend dem grauen Herbst den Rücken kehrten und vor Ort die wohlige Atmosphäre genossen. Hinter einem hübschen Rosenstrauß hatten die drei Leser derweil Platz genommen und präsentierten dem Publikum Geschichten vom Leben auf dem Bauernhof in „Hoch“ und „Platt“. Vorrangig handelte es sich hierbei um Texte der einstigen Hofinhaberin Charlotte Homfeld (1921-2009), die in der Region allgemein als „Tante Lotti“ bekannt war.

So startete Leserin Regina Nordbruch den letzten der drei aufeinander folgenden Martfelder Literaturtage mit einem Stimmungsbild des großen Feuers im Jahr 1881. „Tante Lotti“ beschrieb hierin, wie es am Gründonnerstag, dem 14. April 1881, plötzlich am Ortsende anfing zu brennen und sich die schreckliche Katastrophe über große Teile Martfelds fortsetzte. „Die Flammen fressen, vom Wind getrieben, alles nieder, was ihnen in den Weg kommt, und der Mensch steht den Urelementen ohnmächtig gegenüber“, las Nordbruch und vermittelte der Hörerschar einen tiefgreifenden Eindruck der damaligen Geschehnisse. „Die traurige Bilanz des Feuers: 44 Wohnungen und 91 Nebengebäude lagen in Schutt und Asche.“

Heinrich Gräpel wusste im Laufe des Abends von einem übermäßig wichtigen Unternehmen – ebenfalls aus Charlotte Homfelds Feder – zu berichten. Diese Geschichte spielte im Jahr 1944 und handelte von zwei Jungen im Alter von vier und sechs Jahren, die von den „Tommys“, den englischen Soldaten, drei Kanister organisierten, um damit übers Wasser zu schippern. Am Ende kam die Mutter natürlich dahinter, woraufhin Hans-Hermann und Hartmut ein heftiges Donnerwetter erlebten.

Zwischen den etwas längeren Lesebeiträgen unterhielt Wilfried Nordbruch die Gäste mit kurzen Anekdoten des kleinen „Lüttjepütt“ aus dem gleichnamigen Buch des Autors Johann Diedrich Bellmann. „Lüttjepütt lebt mit seinen Eltern, Großeltern, Onkel Hinnerk und Landarbeiter Maihööper auf einem Bauernhof und stellt selbigen gern Fragen über Gott und die Welt“, erläuterte der Vorleser vorab und brachte dann einige dieser Fragen zu Gehör: „Warum regnet es so viel? Gibt es einen Osterhasen? Warum lacht die Mama mit Onkel Hinnerk viel mehr als mit Papa? Kommen alle Vögel im Sommer zurück?“ Diese und noch viele weitere Fragen mussten die Hofbewohner über sich ergehen lassen und waren dennoch stets bemüht, die passende Antwort zu geben. Ein besonders schönes Beispiel war auch die an Opa gerichtete Frage: „Was ist der Mensch?“ Antwort: „Ein Versehen!“

So durften sich die Besucher an abwechslungsreichen, kurzweiligen Geschichten diverser Autoren der Region erfreuen und wurden zudem von Hofbesitzerin Edith Söffker, die ihr Haus bereits zum dritten Mal für Lesungen zur Verfügung stellte, mit kleinen Leckereien versorgt. Ein gelungener Abschluss der inzwischen achten Martfelder Literaturtage, welche von Freitag bis Sonntag an unterschiedlichen Veranstaltungsorten erneut ein vielfältiges Programm offerierten.

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