Alter Friedhof

Verwunschenes Kleinod

Der Alte Friedhof an der Bundesstraße 6 in Syke ist ein naturnahes Kleinod. Die Stadt will das Fleckchen nun stärker als Naherholungsfläche in Zentrumsnähe ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.
04.09.2020, 16:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing

Syke. „Dieser Friedhof ist ein Kleinod“, sagt Sykes Bürgermeisterin Suse Laue über den alten Friedhof an der Bundesstraße 6. Versteckt hinter Hecken wird der Pfad durch die parkähnliche Anlage allzu häufig nur als Abkürzung zwischen Freibad und Innenstadt genutzt. Das soll sich nun ändern. Die Stadt will dieses grüne Kleinod nun einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein rufen. „Damit die Besucher auch in der näheren Umgebung noch etwas entdecken können“, sagt Suse Laue auch mit Blick auf die baldige Eröffnung der Goldhort-Ausstellung im Kreismuseum.

Derzeit wird der Parkplatz am Freibad für die erwarteten Besucher hergerichtet. Die Bauarbeiten dafür sollen im Oktober abgeschlossen sein. Im Zuge dessen wird auch der etwas versteckte Eingang zu diesem kleinen Naherholungsgebiet „etwas einladender“ gestaltet, wie Stadtbiologin Angelika Hanel verrät. „Aber nicht gepflastert, sondern nur mit Erd- und Graswegen.“

Denn das ist das Besondere an diesem Fleckchen: Der Natur wird soviel Spielraum gelassen wie möglich. Gepflegte Ecken wechseln sich ab mit Bereichen, in denen die „Natur laufen gelassen wird“, wie Angelika Hanel es ausdrückt. Der alte Baumbestand aus Ilex, Eiben, Eichen, Eschen, Ahorn, Holunder, Erlen, Birken und vielem mehr kann in Ruhe wachsen. „Die Natur hat sich hier langsam entwickelt, das bleibt auch so mit dem Park“, sagt Angelika Hanel.

Um den Park kümmert sich Künstler Henning Greve in Absprache mit der Stadtbiologin. Die Besucher bewegen sich dabei auf Waldboden, einer Mischung aus Erde, Geäst sowie Baumfrüchten wie Bucheckern, Zapfen und Eicheln. Da kann es mitunter auch mal matschig werden, zumal die Hache in der Nähe fließt und ein Erlengrund auf dem Weg zu dem ehemaligen Friedhof passiert wird.

Die Wege wurden von Springkraut und Brennnesseln befreit, dafür breitet Efeu sich munter aus und umschlingt idyllisch die mächtigen Stämme der alten Eichen und Buchen. „Dieses Verwunschene soll auf jeden Fall erhalten bleiben“, ist Henning Greves größter Wunsch. „Wir greifen nur ein, wenn das Efeu den Bäumen zu sehr Luft und Licht abschnürt“, sagt daher Angelika Hanel. Ansonsten darf sich die Natur ausbreiten. Dazu gehört auch, dass abgebrochene Äste oder umgekippte Bäume dort liegen bleiben, wo sie hinfallen. Wie jüngst bei dem kurzen, aber umso heftigeren Gewitterschauer, der über Syke hinwegzog und zum Teil erhebliche Schäden hinterließ. „Hier ist nur eine Birke umgekippt“, sagt Henning Greve. Die liege aber so günstig, dass sie liegenbleiben kann. Ebenso wie der dicke Ast aus dem Lebensbaum.

Der alte Friedhof wurde 1837 angelegt und bis 1915 genutzt. „Viele, die Sykes Entwicklung begleitet haben, liegen hier“, sagt Suse Laue. Prominentestes Beispiel dafür ist wohl Franz August Heinrich Albrecht, Ururgroßvater von Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission. Sein umzäuntes Grab mit einem schwarzen Metallkreuz ist nicht zu verfehlen. Auch die beiden mit Reliefs verzierten Grabsteine für die Gebrüder Ritterhoff und ein naturbelassener Findling für das ehemalige Grab eines Offiziers des Norddeutschen Lloyd gehören zu den Spuren des einstigen Gottesackers. Es gibt jedoch noch weitere, wie Henning Greve weiß. „Alles, was nach der Auflassung noch auf dem ehemaligen Friedhof stand, wurde in den 1960er-Jahren einfach in eine Ecke geschoben“, sagt er und zeigt auf eine überwucherte Kuhle, wo unter Sträuchern und Büschen verborgen noch weitere alte Grabsteine liegen. Greve will sie bergen und auf dem Gelände wieder aufstellen. Schließlich seien auch „Grabsteine Kinder ihrer Zeit“, wie Suse Laue sagt. Und darin läge auch der Reiz dieser Fläche: Dass die Besucher sowohl die Natur als auch die Geschichte ganz neu entdecken können.

Unterstützt wird Henning Greve dabei von Stadtarchivar Hermann Greve. Er wird die Geschichte der Menschen erforschen, die dort begraben wurden. Wann das geschieht, steht allerdings noch nicht fest. Es ist alles ein Prozess, sagt Henning Greve. „Es wird sich stetig etwas verändern.“ Zeit genug ist dafür: Der Pachtvertrag der Stadt mit der evangelischen Kirche läuft bis Dezember 2043.

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