Altes Handwerk Mit Geschick und Kraft

Es ist eines der ältesten Handwerke, die es heute noch gibt. Sattler Gerhard Kroschel ist ein Meister seines Fachs und demonstriert sein Handwerk manchmal auch im Kreismuseum Syke.
21.01.2021, 17:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss

Es ist eines der ältesten Handwerke, das des Sattlers. Angesichts der langen gemeinsamen Historie von Reiter und Pferd ist es aus der Geschichte der Menschheit nicht wegzudenken. Sogar heute werden die knapp 200 Arbeitsschritte zur Herstellung ordentlicher Sättel immer noch per Hand bewältigt. Davon kann auch Gerhard Kroschel ein langes Lied singen. Nachdem er als Junge den Sattler-Beruf in Verden gelernt – wie kann es auch anders sein im Pferdeland – und dort seinen Gesellenbrief gemacht hatte, zog es ihn erst mal in den Süden.

„Da konnte ich in Österreich lernen, wie größere Sachen gemacht werden, denn in Verden haben wir nur Kleineres hergestellt, Riemen, Halfter, Brustblätter oder auch Decken, Trensen und Bügelriemen – die allerdings sind in ganz Europa ausgeliefert worden.“ Also ging es in der Firma bei den österreichischen Nachbarn an die Feinheiten in Sachen Sattelbau oder Kummets. „Da ja gleich um die Ecke die spanische Reitschule war, mussten wir vor allem elegantere Sättel fertigen“, erklärt der heute 62-Jährige. Danach hat er dann seinen Meister hingelegt, mit dem er auch in Sattlerschulen unterrichtet hat.

Seit gut 30 Jahren ist der Handwerker nun im Norden und arbeitet in Stuhr bei Peinemann Reiterbedarf. Da kann er viel über den Wandel des Berufs berichten, denn seiner Meinung nach wird der immer mehr zu einem Frauenberuf. „Schon sehr lange habe ich ja Lehrlinge, aber es werden immer mehr weibliche Azubis, gerade in den letzten Jahren. Allerdings wird die Arbeit ja auch immer künstlerischer bei Trensen und Riemen mit etlichen Verzierungen.“

Bei allen Arbeitsschritten in Bezug auf Sättel ist er weit und breit ein gefragter Fachmann. Ob nun ein Sattelbaum repariert werden muss – heutzutage meist aus Kunststoff und nicht mehr Holz bestehend – oder die Polsterung, die Sattelkissen – meist gefüllt mit Rosshaar oder Schafwolle mit Silikonanteil oder synthetischen Fasern – oder Sattelblätter, die beiden seitlichen großen Lederflächen rechts und links vom Sattel. Kroschel weiß, dass gute Sättel nur aus ausgewähltem, chromfrei gegerbtem Leder bestehen sollten.

Alle diese und noch mehr Feinheiten hat er in den vergangenen 20 Jahren auch immer wieder im Syker Kreismuseum erklärt. An den besonderen Veranstaltungswochenenden, bei denen die alten Handwerke im Mittelpunkt standen, erklärte und zeigte er den Besuchern seine Kunst. Es gibt dort an der „Handwerker-Gasse“ sogar einen kleinen Raum, in dem alles ausgestellt ist, was ein Sattler benötigt. Zu seinem Handwerkszeug gehören neben Mess- vor allem Schneidwerkzeuge wie Hand-, Riemen- oder Schärfmesser oder Kantenzieher wie „Monde“. Das sind halbmond- oder viertelmondförmige Messer zum Zuschneiden von Riemen aller Art. Außerdem Lochzangen, Locheisen, Ahlen und Stanzen für Ösen und Druckknöpfe sowie Nietwerkzeug.

Besonders wichtig sind laut Kroschel die Nähwerkzeuge. Da sind das Nähross und der Nähkloben zur leichteren Handhabung von dickem, sperrigen Ledermaterial. Letztere, etwas handlichere Nähkloben waren vor allem zu den Zeiten wichtig, als die Sattler noch über Land zogen und ihr Werkzeug dabei hatten.

Immer wieder wurden natürlich auch Nähmaschinen benötigt, je nach zu verarbeitendem Material und Nahtlänge mittelschwere bis schwere Arm- und Flachnähmaschinen. Handnähte hingegen werden noch immer mit Ahlen und Sattlernadeln hergestellt. Immerhin sind gerade in diesem Beruf Nähte mehr als woanders anzutreffen und erfordern sowohl Geschicklichkeit als auch Kraft in Armen und Händen.

Neben all diesem Wissen über seine Arbeit, das er den Besuchern vermittelt, repariert der Wahlsyker im Museum noch historische Werkzeuge aus der Landwirtschaft. Gerade solche, die mit Lederstücken verbunden sind wie Dreschflegel. Wenn also das Kreismuseum wieder öffnen darf, sollte man sich unbedingt diese Werkstatt anschauen. Denn die Geschichte des Berufs reicht weit zurück in die Zeit, als Pferde die beste und schnellste aller möglichen Fortbewegungsarten war.

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