Marketing-Projekt der Fachoberschule Syke

Am Ende gibt es Lob vom Fachmann

Schüler des Wirtschaftszweiges der Fachoberschule Syke geben der Volkshochschule Diepholz Tipps für ein besseres Social-Media-Marketing. Michael Knaup von der VHS war positiv überrascht.
31.01.2019, 09:26
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Dominik Albrecht

Syke. Zum dritten Mal hat die Fachoberschule Wirtschaft von den Berufsbildenden Schulen Syke sich dem Thema Marketing gewidmet. Nach dem Biohof Steding in Bramstedt und dem Tennisverein Syke stand jetzt das Marketing der Volkshochschule (VHS) Diepholz auf dem Prüfstand. Die Schüler haben dabei offen und direkt Stärken und Schwächen der VHS aufgezeigt. Zur Freude des Anwesenden Michael Knaup, dem stellvertretenden pädagogischen Leiter der VHS Diepholz.

Beatrice Kirchheck, BWL-Lehrerin an der Fachoberschule Wirtschaft, kam vor drei Jahren auf die Idee, den Themenschwerpunkt Marketing praxisnaher zu gestalten. „Ich habe gemerkt, dass man die Realität nie so komplex abbilden kann“, sagt sie. Kirchheck entwarf die Idee, dass Schüler für reale Einrichtungen und Unternehmen Marketing-Konzepte entwickeln. Im vergangenen Jahr ist die VHS auf das Projekt aufmerksam geworden und auf Beatrice Kirchheck zugekommen. Nach einer Marktforschung kam die VHS zum Ergebnis, dass das Klientel überwiegend aus Menschen ab 40 Jahren besteht. Doch wie macht man nun die jüngeren Generationen auf die VHS aufmerksam? Diese Aufgabenstellung hat Beatrice Kirchheck an ihre 19 Schüler der Fachoberschule weitergegeben.

Nur knapp einen Monat – mit vier Unterrichtsstunden pro Woche – hatten die Schüler Zeit, ein Konzept zu entwickeln. „Einige Schüler haben sogar die Möglichkeit wahrgenommen, einen Kurs bei der VHS zu belegen“, beschreibt Beatrice Kirchheck. Ergänzend gab es angeleitete Aufgaben wie die Erstellung einer Stärken-Schwächen-Analyse. Und wie haben sich die Schüler aus Sicht von Beatrice Kirchheck geschlagen? Am Anfang seien die Schüler sehr theoretisch an die Aufgabenstellung herangegangen. „Viele konnten sich nicht vorstellen, warum es nicht reicht, eine schriftlich ausgearbeitete Idee vorzulegen“, hat Beatrice Kirchheck erfahren. In der letzten Woche habe es aber Klick gemacht, und es wurden Nachtschichten eingelegt.

Auch die Gruppe bestehend aus Alina, Judith, Mirco, Sergej und Jeton hat ein paar Nächte durchgepaukt. Sie starteten den Vortragsreigen. Alina, Judith und Mirco analysierten in ihrem Teil die Präsenz der VHS in den sozialen Netzwerken. Hier ist die VHS momentan nur auf Facebook vertreten, Instagram und Co. werden nicht bedacht. Und selbst bei Facebook ist nicht alles eitel Sonnenschein. Die Kommunikation mit Nutzern der Seite sei suboptimal, weder auf positives noch auf negatives Feedback werde reagiert. Dazu fehlt sogar auf der eigenen Homepage ein Verweis auf die Facebook-Seite. „Da gibt es auf jeden Fall Verbesserungspotenzial“, schlussfolgerte Mirco. Und das fängt beim Profibild an, wie Judith verdeutlichte: „Es stellt keinen direkten Bezug zur VHS her, ist dezent platziert und hat eine sehr schlechte Qualität.“

Außerdem veröffentliche die VHS zu wenig Beiträge auf ihrer Facebook-Seite. „Der letzte Beitrag war vom 9. Januar 2019, der davor am 14. November 2018. Das ist eine lange Zeit“, monierte Judith. Insgesamt mache der Auftritt der VHS Diepholz einen „unprofessionellen Eindruck“. Und das bei einer Internetseite, auf der laut einer Umfrage 98 Prozent der 14- bis 29-Jährigen unterwegs seien. Laut Schülerin Alina bedarf es ein einheitliches Auftreten unter den VHS-Einrichtungen sowie Profile in mehr Sozialen Netzwerken wie Instagram oder Xing. „Es muss regelmäßiger und zielgruppengerecht gepostet werden. Dafür müssen wir auch mehr Hashtags benutzen, um Nutzern besser bestimmte Beiträge anzeigen zu können.“

Sergej und Jeton arbeiteten sogar komplett neue Angebot aus. Mit der Baby-VHS, der jungen VHS und der Jugend-VHS sollen neue Zielgruppen erschlossen werden. „Wir halten es für einen fatalen Fehler, nicht auf diese Gruppen einzugehen. Je früher man Kinder fördert, desto besser“, findet Sergej. Jeton stimmt ihm zu: „So entsteht noch früher ein positiver Eindruck von der VHS. Und wenn die Eltern sehen, dass ihr Kind gut betreut wird, werden sie selber vielleicht auch eher einen Kurs besuchen.“ Wie das gehen könnte, haben die beiden anhand von Flyern veranschaulicht. So dürfen sich Eltern bei der Baby-VHS über Angebote wie Baby-Massagen freuen. Bei der jungen VHS gibt es wiederum die Veranstaltungen „Mein erstes Haustier“ oder „Mein Smartphone und Ich“. Haben noch 35 Prozent der zehn- bis elf-Jährigen ein Smartphone, sind es bei den zwölf- bis 13-Jährigen schon fast 90 Prozent. „Dieser Sprung ist massiv. Die Kinder müssen Bescheid wissen, dass man mit falschen Klicks hohe Rechnungen erzeugen kann“, mahnte Sergej. Jugendliche würden sicherlich bei der Jugend-VHS einen Blick auf „Präsentation und Recherche“ werfen – ein Talent, dass im Schulunterricht sicher noch nützlich sein kann.

Michael Knaup lauschte die gut 40 Minuten gebannt. „Ich bin sehr überrascht, was Sie in der kürze der Zeit aus dem Boden gestampft haben und war ein ganzes Stück skeptischer“, gab es zu Beginn zu. Statt Schlichtungsversuchen gab er unverblümt zu, dass der Social-Media-Auftritt eine „deutliche Schwäche der VHS“ ist. „Wenn wir eine Agentur beauftragt hätten, wäre das Ergebnis in etwa so gewesen, wie Sie das dargestellt haben. Daher spreche ich Ihnen ein großes Lob aus.“ Michael Knaup freute sich abschließend schon darauf, mit den Ergebnissen aller Vorträge in die Arbeitsgruppen zu gehen: „Es gab viele Anregungen. Es wird Interessant, was wir umsetzen können.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+