Michy Reincke entpuppt sich in der Syker Kreissparkasse nicht nur als guter Sänger und Musiker, sondern auch als Entertainer Am Ende singt das Publikum „Taxi nach Paris“ alleine

Volltreffer für die Syker Kulturinitiative Jazz Folk Klassik: Im ausverkauften Saal der Kreissparkasse Syke lieferte das Acoustic Trio mit Michy Reincke am Sonnabend ein großartiges Konzert ab. Nicht nur die alten, auch die neuen Lieder waren gelungen. Der Frontmann brillierte nicht nur mit seinem Gesang, sondern auch mit seinen Entertainerfähigkeiten.
19.11.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Karsten Bödeker

Volltreffer für die Syker Kulturinitiative Jazz Folk Klassik: Im ausverkauften Saal der Kreissparkasse Syke lieferte das Acoustic Trio mit Michy Reincke am Sonnabend ein großartiges Konzert ab. Nicht nur die alten, auch die neuen Lieder waren gelungen. Der Frontmann brillierte nicht nur mit seinem Gesang, sondern auch mit seinen Entertainerfähigkeiten.

Syke. Die letzte Stunde des Tages war schon angebrochen, als es mit Michy Reincke im "Taxi nach Paris" ging. Diesen, seinen bekanntesten, Song hatte er vor fast 30 Jahre mit der Band Felix de Luxe gespielt. Die Zuschauer im ausverkauften Saal in der Syker Kreissparkasse standen am Sonnabend bei dieser Zugabe schon längst und sangen den Refrain ohne Reinckes Unterstützung mit. Das war der Schlusspunkt eines von der Kulturinitiative Jazz Folk Klassik organisierten Konzertes, das ebenso gelungen wie besonders war.

Solche Abende sind es, die zeigen, warum eine Studio-CD und selbst das beste Dolby-Surround-System nicht an einen solchen Live-Auftritt heranreichen. Der Frontmann und sein Gitarrist Ralf Denker sowie Pianist Martin Meyer interpretierten Reinckes alten und ihre neuen Songs großartig. Zudem entpuppte sich Reincke zwischen den Songs als aufgedrehter, ironischer und unterhaltsamer Anekdotenerzähler.

Und dann hatten ja noch zwei Damen einen ungeplanten Auftritt. So fand sich Zuschauerin Silvia plötzlich mit Mundharmonika in der Hand auf der Bühne wieder, um beim Lied "Blond" mitzumachen. Zu Beginn hatte die Musikerin Tess Wiley einige ihrer Songs singen dürfen. Dabei war die US-Amerikanerin eigentlich nur nach Syke gekommen, um Reincke beim CD-Verkauf zu unterstützen. Doch spontan habe sie zur Gitarre gegriffen und vier Songs gespielt. In einem kam die begeistert aufgenommene Zungenbrecherzeile vor: "Dann-nennt-er-dich-Annette-auch-wenn-Annette-Silke-heißt-weil-er-so-gern-eine-Freundin-hätte-die-Annette-heißt". Dann kam Reincke, der nicht genau wusste, ob er schon mal in Syke gewesen sei. "Zwischen 20 und 25 hatte ich eine Phase, von der ich nicht mehr weiß, was da passiert ist", schmunzelte er, um später angesichts der guten Stimmung hinzuzufügen: "Hoffentlich drehe ich heute nicht über." Kleine Pannen beim Stimmen der Gitarre atmete er mit spontanen Gitarristenwitzen weg und raunte: "Klingt doch wie immer."

Spürbar Spaß hatte Reincke, der keinen Zweifel daran ließ, dass er der Chef auf der Bühne war. So spielte er auf einer Tröte mal eben zwischendurch "I’m a one man band" an. Seine Lieder drückten aus, was in seinem Herz und Hirn vorgehe und seien Angebote ans Publikum. Manchmal philosophierte er, selten verlor er dabei den roten Faden, was er aber mit Selbstironie und einem gewinnenden Lächeln schnell wettmachte. Und wenn es an den nächsten Song ging, war der 53-Jährige erstaunlich schnell wieder vollkonzentriert. Auch wenn seine bekanntesten Stücke aus den 1980er-Jahren stammen, ist seine aus "Taxi nach Paris" bekannte Stimme auch heute noch so markant wie einst.

Seinen Durchbruch hatte Reincke als 25-Jähriger mit Felix de Luxe. Nach der Auflösung der Band nach einigen Jahren hatte er eine von Frankreich geprägte Phase. Später brachte er regelmäßig Solo-Alben heraus. Von Felix de Luxe spielte und sang er in Syke "Niemand kommt so selten vor" und als Höhepunkt "Nächte übers Eis". "Es ist wichtig, dass Ihr gleich ausflippt", kündigte er an, und als das Eis mit ganz langem A "zerbraaaaach", tobte der Saal schon vor der Pause. Leiser ging es bei "Hamburg im Regen" sowie den neueren Stücken "Hätt’ ich in meinem Kopf Hände" oder "Unsichtbare Riesen" zu. Von alten miesen Songs aus den 1980ern sprach er ebenso wie vom Kampfschrubben am Rande der Selbsterfahrung, wenn Ralf Denker seiner Gitarre alles abverlangte.

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