Doppelausstellung „Lebensspuren“ von Brigitte Gläsel und Jürgen Maisenbacher eröffnet im Kreismuseum Syke

An Bruno kommt kein Besucher vorbei

Syke. „Bruno“ hockt auf seinem Stuhl und beäugt durch seiner Brille und mit seiner spitzen Schnauze die Besucher, die ins Kreismuseum kommen, um die Sonderausstellung „Lebensspuren“ zu besuchen. Dabei handelt es sich aber nicht um einen schnippischen Museumswächter, sondern um eine skurrile Skulptur aus geschweißtem Kupfer und Stahl.
17.11.2015, 00:00
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Von Dominik Albrecht
An Bruno kommt kein Besucher vorbei

Felix-Junior heißt dieser Geselle, den Jürgen Maisenbacher (M.) ins Leben gerufen hat. Auch die Künstlerin Brigitte Gläsel nimmt die Skulptur in Augenschein.

Udo Meissner

„Bruno“ hockt auf seinem Stuhl und beäugt durch seiner Brille und mit seiner spitzen Schnauze die Besucher, die ins Kreismuseum kommen, um die Sonderausstellung „Lebensspuren“ zu besuchen. Dabei handelt es sich aber nicht um einen schnippischen Museumswächter, sondern um eine skurrile Skulptur aus geschweißtem Kupfer und Stahl. Oder steckt hinter dem vermeintlichen leeren Blick der metallenen Figur doch mehr? „Diese Frage könnte man auch im Zoo stellen. Betrachten die Menschen die Tiere oder die Tiere den Menschen?“, fragt sich Museumsdirektor Ralf Vogeding, der am Sonntag nach einer musikalischen Einleitung von Bernd Schott die Sonderausstellung in seinem Haus eröffnete.

Bis zum 18. Januar 2016 zeigen die beiden Künstler Brigitte Gläsel und Jürgen Maisenbacher gemeinsam Bilder, Druckgrafiken und Plastiken. Es sei schon etwas Besonderes, dass hier zwei Künstler ausstellen, die viele Gemeinsamkeiten haben, beginnt Vogeding seine Einleitung. „Nicht nur, dass sie beide in Achim wohnen, sondern in ihrer Lebensmitte, was man auch immer darunter verstehen mag, zur Kunst fanden. Die 1952 in Wolfsburg geborene Brigitte Gläsel studierte ab 1991 Psychologie und Kunst an der Bremer Uni“, plauderte der Museumsdirektor aus dem Nähkästchen. Der 1946 in Neuß geborene Jürgen Maisenbacher habe Chemische Psychologie und Biochemie studiert. Neben seinem Beruf habe er sich – im weitestem Sinn – als Bildhauer und Schöpfer skurriler Figuren aus Kupfer, Eisen und Bronze einen Namen gemacht. Beiden Künstlern ist gemein, dass sie Gesehenes, Gelebtes, Geträumtes und Unverarbeitetes in ihren Werken festhalten.

So tragen Brigitte Gläsels Arbeiten Bezeichnungen wie „Lebensspuren“, „Besuch“, „Auf meinem Weg“, „Zeitläufe“ oder „Zeitfenster“. Sie alle stehen für Spuren, die Menschen in ihrem Leben hinterlassen. Darunter auch die hochaktuellen Bilder von den Flüchtlingen, die uns das Fernsehen Abend für Abend präsentiert – mit NATO-Draht gesicherten Grenzen auf dem Balkan. Brigitte Gläsel hat ihre Eindrücke in Öl auf Leinwand festgehalten. Wie zum Beispiel auf dem Bild „Unterwegs“. Es zeigt eine Gruppe von Menschen, die in einem Boot auf dem Wasser treiben. Die Zeichnung mit dem Titel „Grenze I“ wiederum zeigt mehrere schemenhaft dargestellte Personen jenseits eines verfallenen Stacheldrahtzaunes. In „Alptraum“, einem großflächigen Gemälde, habe die Künstlerin sogar einen Traum verarbeitet, den sie nach dem Besuch eines Seminars im Rheinland tatsächlich hatte. Es zeigt drei Personen, die im Schnee Fußspuren hinterlassen haben, während sich Männer und Frauen unter einer Brücke verstecken. „Es soll zeigen, dass nicht nur Männer Nazis waren“, erklärt die Künstlerin ihr Öl-Gemälde.

Es sind aber auch Bilder von Personen dabei, die „zum Schmunzeln sind“, so Ralf Vogeding in seiner Eröffnungsrede. Bilder wie „Schön sein“, „Liebespaar“ oder „Alte Schachteln“. Währenddessen sitzt „Brunos“ Enkel – „Felix-Junior“ – am anderen Ende der Ausstellung und begrüßt die Besucher des Kindermuseums. Maisenbacher arbeitet aber auch mit Spachtelkitt, Schiefer und Öl auf Leinwand, zum Beispiel bei den Werken „Zeitläufe 1 und 2“ oder „Auf meinem Weg 9 und 5“.

Wer sich die Ausstellungsstücke gerne zu Hause anschauen würde, kann übrigens aufatmen. Denn alle ausgestellten Arbeiten können käuflich erworben werden.

Die Doppelausstellung im Kreismuseum an der Herrlichkeit 65 ist dienstags bis sonnabends von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene zwei Euro, für Schwerbehinderte und Studenten sowie Jugendliche bis zum vollendeten 17. Lebensjahr einen Euro. Kinder bis zum vollendeten fünften Jahr kommen umsonst rein.

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