Tierheim in Brinkum "Arche Noah" fehlen künftig 4200 Euro im Monat

Stuhr-Brinkum. Die Folgen der Wirtschaftskrise haben jetzt auch das Tierheim Arche Noah in Stuhr-Brinkum erreicht. Weil der Betreiberverein künftig aller Voraussicht nach keinerlei Zuschüsse mehr zahlen kann, fehlen der Arche monatlich rund 4200 Euro in der Kasse.
08.09.2010, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Hauke Gruhn

Stuhr-Brinkum. Die 'Arche Noah' hat ein Problem: Schon in sechs Monaten könnte der bundesweit aktive Betreiberverein bmt gezwungen sein, seine monatlichen Zuschüsse an das Brinkumer Tierheim komplett zu streichen. Dieses Signal erhielt Tierheimleiter Stefan Kirchhoff kürzlich aus der Zentrale des Vereins in München. Grund sind allgemein rückläufige Spenden, Erbschaften und Beiträge.

Für das Brinkumer Tierheim, dass sich vor allem um den Bereich Stuhr, Weyhe und Syke kümmert, könnte das eine monatliche Lücke von mehr als 4000 Euro bedeuten. Die Tierheimleitung will jetzt gegensteuern und selbst die Initiative ergreifen.

Die Situation sei schon paradox, findet Stefan Kirchhoff. 'Vor zwei Jahren haben wir noch 10000 Euro im Monat als Zuschuss vom Verein erhalten. Seitdem haben wir es geschafft, jährlich 60000 bis 70000 Euro zusätzlich selbst aufzutreiben.' Man habe versucht, möglichst unabhängig zu werden. 'Der Zuschuss konnte so auf 4200 Euro im Monat gedrückt werden', erzählt Kirchhoff. Man habe dazu etwa bessere Fundtierverträge mit den Kommunen ausgehandelt, eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit betrieben und mehr Ehrenamtliche für die Arbeit im Tierheim gewonnen.

Doch schon bald könnte der bereits gekürzte Zuschuss vom Betreiberverein bmt (Bund gegen Missbrauch der Tiere) ganz wegfallen. 'Wenn wir jetzt nichts tun, könnte es in einem halben Jahr erstmals so weit sein, dass wir die Rechnungen nicht mehr bezahlen können', sagt Kirchhoff. Gemeinsam mit Geschäftsstellenleiterin Anke Mory hat er in den vergangenen Wochen deshalb Pläne geschmiedet, wie eine solche Situation verhindert werden kann.

Zur Verdeutlichung: Das Brinkumer Tierheim hat monatliche Ausgaben, die zwischen 20000 und 24000 Euro schwanken. Ein Großteil davon entfällt auf die Tierarztkosten (rund 7000 Euro). Hinzu kommen Rechnungen für Strom, Wasser, Futter, Katzenstreu oder die Leerung der tierheimeigenen Klärgrube. Und natürlich die Kosten fürs Personal: Acht Festangestellte sind im Tierheim tätig, davon sechs in Vollzeit. Sie werden von einer Auszubildenden und mehreren unbezahlten Schüler- und Jahrespraktikanten unterstützt.

Alles in allem machen die Personalkosten rund 13000 Euro im Monat aus - nicht gerade viel, wie Tierheimleiter Stefan Kirchhoff findet. 'Es tut uns weh, dass wir unsere Mitarbeiter trotz ihrer hervorrragenden Leistungen und ihres permanenten Einsatzes nicht besserstellen können.' Doch auch die an sich überschaubaren Personalkosten müssen erst einmal gestemmt werden.

Denn auf der Einnahmenseite stehen bislang rund 16000 Euro monatlich, die selbst erwirtschaftet werden. 7500 Euro steuern die Kommunen Stuhr, Weyhe und Syke über die Fundtierverträge bei, und jeweils zwischen 4000 und 5000 Euro kommen im Monat über Vermittlungsgebühren beziehungsweise Spenden und Förderbeiträge herein. Und eben die 4200 Euro vom bmt, die jetzt auf der Kippe stehen.

Was also tun? Einen Ansatzpunkt sehen Kirchhoff und Mory bei den Spenden. 'Die haben bei uns im Gegensatz zum bundesweiten Trend sogar etwas zugenommen in den vergangenen zwei Jahren', berichtet Kirchhoff. Dennoch müsse man in dem Bereich verstärkt aktiv werden. 'Wir wollen dafür etwa 200 Spendendosen aufstellen', erläutert Anke Mory. 'In der Hoffnung, dass in jeder Dose etwa 20 bis 30 Euro im Monat landen.' Sollte das klappen, wäre das Brinkumer Tierheim schon so gut wie aus dem Schneider.

Hundepension soll Geld bringen

Aber man will sich nicht auf eine einzelne Idee verlassen. 'Wir möchten künftig auch mit unserer Hundepension Geld verdienen', erzählt Kirchhoff. 'Für Hunde, die aus unserem Tierheim stammen, werden wir dabei 15 Euro pro Tag berechnen. Für alle anderen 20 Euro.' Um das Projekt verwirklichen zu können, müsste aber erstmal Platz geschaffen werden. Kirchhoff denkt da vor allem an den Quarantänebereich. 'Quarantäne ist für Katzen wichtig, die bringen oft Krankheiten mit ins Tierheim. Für Hunde hingegen brauchen wir eigentlich keinen Quarantänebereich.'

Ein weiterer Ansatzpunkt betrifft die Abgabetiere. 'Wir haben in der Vergangenheit sehr viele Notfälle aus anderen Regionen aufgenommen', sagt Kirchhoff. 'Diesen Service werden wir runterschrauben müssen.' Die Vermittlung von Hunden aus Rumänien oder Ungarn sei davon aber ausgenommen. 'Die Nachfrage nach kleinen Hunden ist enorm. Wenn wir gut zu vermittelnde Tiere aus dem Ausland retten, finanzieren wir dadurch die deutschen Problemhunde mit', erklärt Kirchhoff.

Auch der Bereich Patenschaften soll künftig ausgebaut werden. 'Wir wollen zusätzlich Tierarzt- und Futterpatenschaften für zehn Euro im Monat ermöglichen', berichtet der Tierheimleiter. 'Die Patenschaften sind wichtig für uns, weil wir damit relativ gut rechnen können.' Die Ideen, wie die Rechnungen in Zukunft bezahlt werden können, sind damit noch nicht ausgeschöpft. Neben der Möglichkeit, über die Internetpräsenz des Tierheims online zu spenden, ist auch eine eigene Hundeschule im Tierheim angedacht. 'Der Erlös würde dann ausschließlich dem Tierheim zugute kommen.'

Wie auch der aus dem Tierheimshop. Dort werden seit Kurzem zum Beispiel Leinen und Näpfe verkauft - die Erstausstattung für den Hund. 'Wir müssen betriebswirtschaftlich denken, auch wenn wir keinen Gewinn als Ziel haben', erklärt Kirchhoff. Deshalb werde der zurzeit noch überschaubare Shop auch ausgebaut.

Innerhalb von sechs Monaten muss das Brinkumer Tierheim das Ruder herumreißen. Es muss gespart werden, wo es nur geht. 'Die Spendendosen haben wir zum Beispiel aus Hundefutterdosen selbst gebastelt', erzählt Geschäftsstellenleiterin Anke Mory. 'Das klappt super.' Wer bereit ist, eine Spendendose bei sich aufzustellen, könne sich telefonisch oder per Mail melden.

Trotz aller Probleme - eine Schließung des Brinkumer Tierheims sei derzeit kein Thema, betont Stefan Kirchhoff. 'Auch die Mitarbeiter sollen sich keine Sorgen machen. Bevor es Entlassungen gibt, werden alle anderen Sparmöglichkeiten ausgelotet.'

Kontakt zum Tierheimist unter Telefon 0421/890171 oder per E-Mail unter bmt.tierheim-brinkum@t-online.de möglich.

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