Fall Davina: Kommissar Detlef Misch brachte wahrscheinlich die Ermittlungen ins Rollen / Landespolitik wird aktiv Aufklärung dank Magdeburg

Stuhr·Kiel·Cuxhaven·Magdeburg. Gut eine Woche nach der Bestätigung des Todes von Davina Seyfried durch die Polizei verdichten sich die Hinweise auf eine eher zufällige Klärung des Falles. Demnach hat vermutlich der Magdeburger Kriminalkommissar Detlef Misch ganz erheblich dazu beigetragen, dass die fehlenden Puzzleteile endlich zusammengetragen wurden. Mischs Vorgesetzter bestätigte gegenüber unserer Zeitung auf Anfrage die Aktivitäten des Magdeburger Ermittlers. Derweil wird sich auch die schleswig-holsteinische Landespolitik mit den Ermittlungspannen befassen.
17.06.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Hauke Gruhn

Stuhr·Kiel·Cuxhaven·Magdeburg. Gut eine Woche nach der Bestätigung des Todes von Davina Seyfried durch die Polizei verdichten sich die Hinweise auf eine eher zufällige Klärung des Falles. Demnach hat vermutlich der Magdeburger Kriminalkommissar Detlef Misch ganz erheblich dazu beigetragen, dass die fehlenden Puzzleteile endlich zusammengetragen wurden. Mischs Vorgesetzter bestätigte gegenüber unserer Zeitung auf Anfrage die Aktivitäten des Magdeburger Ermittlers. Derweil wird sich auch die schleswig-holsteinische Landespolitik mit den Ermittlungspannen befassen.

Sabine Maßmann, eine Freundin von Familie Seyfried, die in den vergangenen Monaten intensiv an der Suche nach Davina beteiligt war, hat die genauen Zeitabläufe zwischen dem ersten Kontakt mit dem Magdeburger Kriminalkommissar Detlef Misch und der Bekanntgabe der Aufklärung des Falles rekonstruiert. An einen Zufall, von dem das LKA in Schleswig-Holstein bis heute spricht, mag sie nicht glauben. Maßmann zufolge hatte Kommissar Misch am Montag, 6. Juni, erstmals um 13.23 Uhr mit ihr Kontakt aufgenommen, da sie bei der öffentlichen Suche nach Davina Seyfried als Ansprechpartnerin fungierte.

Die vermisste Stuhrerin war zuvor angeblich in Magdeburg gesehen worden, was sich aber als falsch herausstellte (wir berichteten). Der Kommissar meldete sich dann umgehend bei der Zeugin, Maßmann ihrerseits versorgte den Magdeburger Ermittler noch am selben Tag mit weiteren Informationen. Misch nahm ebenfalls sofort Kontakt mit Familie Seyfried in Stuhr auf. Auch am folgenden Dienstag, 7. Juni, gab es einen regen Austausch. "Frau Seyfried und ich waren begeistert über seinen Einsatz." Nur einen Tag später, am Mittwoch, 8.Juni, erreichte die Familie nachmittags die Nachricht, dass Davina bereits Anfang November tot im Wattenmeer bei Brunsbüttel in Schleswig-Holstein aufgefunden worden sei. "Ein zeitgleicher Zufall, wie das LKA behauptet, kann es eigentlich nicht sein", sagt Maßmann.

Ob es tatsächlich der Magdeburger Kommissar war, der den Fall zur Aufklärung brachte? Andreas Ellrich, Leiter des Sachgebiets Gewaltprävention beim dortigen Polizeirevier und Vorgesetzter von Detlef Misch, hält es für möglich. "Wir haben uns nach dem Hinweis aus Magdeburg zunächst an der Öffentlichkeitsfahndung beteiligt", erzählt er. Kommissar Misch, der auf Vermisstenfälle spezialisiert sei, habe Kontakte zu den Ermittlungsbehörden in Bremen und Kiel aufgebaut. "Dann verlief die Aufklärung zumindest parallel." Eine eigene Anforderung oder Überprüfung von DNA-Mustern habe es durch den Magdeburger Ermittler zwar nicht gegeben, so Ellrich. "Vielleicht hat unser Kollege durch seine Telefonate aber tatsächlich etwas angeschoben." Kommissar Misch habe großes Interesse an dem Fall entwickelt und auch länderübergreifend gearbeitet. "Das ist bei uns so üblich", betont Ellrich.

Ute Seyfried, die Mutter der Verstorbenen, kann das große Engagement von Kommissar Detlef Misch bestätigen. "Er hat uns sehr ernst genommen." Der Darstellung der Bremer Polizei, wonach die Kleidung der in Schleswig-Holstein gefundenen Wasserleiche von der ihrer als vermisst gemeldeten Tochter abgewichen sei, widerspricht Ute Seyfried derweil. "Die Kleidung hat doch gepasst. Eine dunkelgrauer Wollmantel, Chucks, Jeans, dazu mittellange braune Haare - man hätte auch ohne DNA-Abgleich darauf kommen können, dass es sich um Davina handelte."

Parallelen zu Cuxhaven

Die sterblichen Überreste Davinas sind mittlerweile in Stuhr. Ihr Vater Lüder hat die lediglich mit einer Nummer versehene Urne seiner Tochter aus Schleswig-Holstein in ihre Heimatgemeinde überführt. Kommende Woche wird es ein Treffen beim Landeskriminalamt in Kiel geben, bei dem die Familie Einblick in die Akten nehmen darf.

Nur einen Tag nach dem Fund des Leichnams von Davina Seyfried, der erst sieben Monate später identifiziert wurde, war am 6. November 2010 eine weitere weibliche Wasserleiche gefunden worden. Und zwar ganz in der Nähe, in Cuxhaven. Zwischen den beiden Fundorten liegen knapp 30 Kilometer. Einen Zusammenhang sieht die Cuxhavener Polizei zurzeit jedoch nicht. "Es gibt darauf keine Hinweise", sagt Kriminalhauptkommissar Robert Kalka, Ermittlungsführer im Fall der Wasserleiche, die bei Cuxhaven-Döse gefunden worden war. Bei der Frauenleiche habe es sich um eine 23-Jährige aus Rheinland-Pfalz gehandelt.

Eine Verbindung zu Davina Seyfried sei nicht bekannt - allerdings sei dem auch nicht weiter nachgegangen worden, räumt Kalka ein. Wie bei Davina Seyfried handelte es sich bei der 23-Jährigen wahrscheinlich um Suizid, vermutlich waren ebenfalls Depressionen ausschlaggebend. Ob sich beide Frauen eventuell über das Internet kannten und sich verabredet hatten, bleibt Spekulation. "Wir haben Tod durch Ertrinken festgestellt, ein Fremdverschulden konnte ausgeschlossen werden", erklärt Kalka. "Die sozialen Hintergründe der Tat zu ermitteln, ist aber schwer." Somit habe sich die Cuxhavener Polizei damit nicht weiter befasst.

Im Bereich Cuxhaven werden laut Kalka jährlich fünf bis zehn Wasserleichen gefunden. "Die Strömung ist hier stark und gefährlich - wer sich dennoch ins Wasser begibt, hat in der Regel nur eine Absicht", sagt Kalka. Vor allem würden sich ältere Menschen auf diese Weise das Leben nehmen. Je nach Strömung und Windrichtung tauchten die Toten sogar an den Stränden Dänemarks wieder auf. Es sei daher möglich, dass Davina Seyfried in Cuxhaven ins Wasser gestiegen ist.

Einen direkten Austausch mit den Behörden aus dem Nachbarbundesland habe es im Fall Davina Seyfried übrigens nicht gegeben, so Kalka. "Das läuft über die Koordinierungsstellen der Landeskriminalämter in Kiel und Hannover." Die Cuxhavener Ermittler hatten einen deutlich schnelleren Aufklärungserfolg als die Behörden in Schleswig-Holstein und Bremen: Keine zwei Wochen später, am 19. November, meldete sich die Polizei aus Speyer in Rheinland-Pfalz. Ein DNA-Abgleich hatte die Identität der Cuxhavener Wasserleiche geklärt.

In Schleswig-Holstein werden die Ermittlungspannen im Fall von Davina Seyfried derweil ein politisches Nachspiel haben. Wie der Landtagsabgeordnete Thomas Rother, Vorsitzender des Innen- und Rechtsausschusses im Kieler Landtag, gegenüber unserer Zeitung bestätigte, wird es einen Auftrag der Politik geben, die Hintergründe aufzudecken. "Dass da etwas falsch gelaufen ist, ist völlig klar", sagte Rother.

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