Das „doppelte Tastenflüstern“

Neue Ideen sind gefragt

Der Syker Pianistin Hauke Kranz fehlen wie vielen Künstlern die Einnahmen aus Auftritten. Sie sagt, es ist Zeit, dass über neue Konzepte für Auftritte unter Corona-Bedingungen nachgedacht wird.
02.07.2020, 17:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Sarah Essing
Neue Ideen sind gefragt

Während des Lockdowns gab Hauke Kranz kostenlose Konzerte aus ihrem Fenster. "Aber das geht natürlich nicht so weiter."

Janina Rahn

Syke. Nein, untätig rumzusitzen, das ist nichts für Hauke Kranz. Das schafft nicht einmal ein riskanter Virus wie Corona. Selbst während der strengen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen in der Corona-Hochphase war die Pianistin und Musiklehrerin aktiv – soweit das unter den Gegebenheiten eben möglich war. Sie gab Konzerte aus dem offenen Fenster, streamte diese zudem übers Internet und kooperierte mit anderen Musikern via Medien, um doch gemeinsam Musik aufzunehmen. „Da ging es darum zu spielen und mit den Fans in Kontakt zu bleiben“, sagt sie. Es ging nicht nur darum zu „überleben“, sondern vor allem auch das Dasein als Künstler zu leben. Doch mit den zunehmenden Lockerungen wird immer klarer, dass eben genau dieses Künstlerleben – ihres, aber auch das aller anderer Künstler – in seiner Existenz stark gefährdet ist. Und dagegen will Hauke Kranz etwas tun.

„Wie viele andere Künstler konnte ich seit dem Lockdown nicht mehr auftreten“, sagt Hauke Kranz. Damit brachen natürlich Gagen weg, aber auch andere Verdienstmöglichkeiten wie etwa durch den Verkauf von CDs. Wie vielen Künstlern fehlten Hauke Kranz damit vom einen auf den anderen Tag Verdienste, die in vielen Fällen auch nicht durch die Soforthilfen gedeckt sind, wie sie sagt. Denn die sind vielfach ausschließlich für die Deckung von laufenden Kosten gedacht. Doch laufende Kosten halten sich bei Künstlern, die ihr Geld damit verdienen, in Clubs, Sälen oder anderen Einrichtungen aufzutreten, eher in Grenzen. Kein Auftritt, kein Geld – so lautet bei ihnen daher allzu oft die Formel, bedauert Hauke Kranz.

Künstler haben sich seither einiges einfallen lassen: Spendenaktionen, Hut-Konzerte, Crowdfunding. Das weiß die Pianistin auch, doch sie denkt, dass das nicht ausreichen wird. „Ich habe gern kostenlos Konzerte gegeben in dieser Zeit, aber das geht natürlich nicht so weiter“, sagt sie. Als die ersten Lockerungen eingeführt wurden, setzte sie sich daher hin, um ihre Konzerte für die zweite Jahreshälfte zu planen. „Die Pläne konnte ich jedoch völlig in die Tonne treten“, sei ihr dabei bewusst geworden. Denn Konzerte in „normaler“ Form werden noch lange nicht wieder stattfinden können, ist sie überzeugt. Auf dem Papier seien diese zwar auch mit Hygiene- und Abstandsregeln denkbar und auch durchdacht, doch dass „die sich auch wirtschaftlich tragen“, sieht die Künstlerin nicht.

Hauke Kranz findet es daher wichtig, dass nun über neue Konzepte nachgedacht wird, die es Künstlern wieder ermöglichen aufzutreten. Und zwar so, dass sowohl der Veranstalter seine Kosten decken kann und die Künstler ihre Gage bekommen. „Wir konzentrieren uns momentan viel zu sehr auf das, was wir alles nicht haben“, findet sie. Doch das reicht ihr nicht. „Da müssen auch wir Künstler uns Gedanken machen“, ist Hauke Kranz vielmehr überzeugt. Eine erste Idee hätte sie schon: das „doppelte Tastenflüstern“. Dazu würde sie in einer Location statt eines „normalen“ Konzerts an einem Tag, eben zwei Konzerte geben. „Etwas kürzer, aber dafür eben gleich zweimal“, erläutert sie. So könnte der Veranstalter trotzdem auf seine Einnahmen kommen, selbst wenn durch die Abstandsregeln die Zuschauerzahl reduziert ist, ist sie überzeugt.

Auf der anderen Seite könnten die Zuschauer wieder in den Genuss von Live-Musik kommen und müssten auch nicht auf Atmosphäre verzichten. So ein kleineres Konzert erzeuge vielleicht nicht gerade Stadionatmosphäre, räumt die Pianistin ein. Dennoch will sie auch nicht von Sparversion reden. „Ich behaupte, man kann auch mit kleinem Publikum Atmosphäre haben.“ Es sei eben eher eine „Wohnzimmeratmosphäre“, sehr viel persönlicher, weil auch mehr Gespräche mit den Gästen möglich seien.

Grundsätzlich sei das auch nur ein erster Ansatz, betont Hauke Kranz. Sie ist offen für weitere Ideen und hat auch großes Interesse an einem Austausch, um vielleicht gemeinsam Konzepte zu entwickeln, wie Künstler auch unter den aktuellen Gegebenheiten nicht nur ihren Platz finden, sondern mit ihrer Kunst auch weiterhin ihren Lebensunterhalt verdienen können. „Ich will nicht nur rumsitzen und jammern.“ Das ist eben nichts für sie.

Info

Zur Person

Hauke Kranz (55)

Hauke Kranz ist Klavierpädagogin, Pianistin und Komponistin. Die Sykerin gibt Konzerte und Klavierunterricht für Erwachsene. Als selbstständige Künstlerin liegt ihr daran, dass Kunst und Kultur nicht auch ein Opfer von Corona werden. Sie will Konzepte entwickeln, wie es für auftretende Künstler auch unter den derzeit geltenden Bedingungen weitergehen kann. Über ihre Homepage www.haukekranz.de können interessierte Mitstreiter Kontakt zu ihr aufnehmen.

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