"Relevanz für die Gegenwart"

Das vermeintliche Kaff namens Syke

Regionale jüdische Geschichte und deren Relevanz für die Gegenwart kunstgerecht thematisieren: Dem widmet sich ab Mitte Oktober eine die Ausstellung "„Auf ins Kaff ??? – Jüdisches Leben in Syke“.
23.09.2021, 14:12
Lesedauer: 3 Min
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Von Rita Behrens /rbe

Syke. Mit einem kulturellen Highlight wartet das Syker Vorwerk noch in diesem Jahr auf. Im vierten Quartal soll im Zentrum für zeitgenössische Kunst die Ausstellung „Auf ins Kaff ??? – Jüdisches Leben in Syke“ am 17. Oktober eröffnet werden. Mit viel Vorfreude informiert Nicole Giese-Kroner als künstlerische Leiterin des Vorwerks, Am Amtmannsteich 3, vorab über den Entstehungskontext und das künstlerische Konzept.

Mit dem Titel sei eine Einladung verbunden, das „vermeintliche Kaff Syke und seine Umgebung zu besuchen und Vorurteile abzubauen“. Zudem berichtet die Initiatorin, dass sie im Zuge der Bundesinitiative „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ deren Aufruf gefolgt sei, sich daran zu beteiligen. Die damit verbundene Förderzusage sei zum Jahresanfang im hiesigen Kunstzentrum eingegangen.

Wissenschaft, Gegenwartskunst und Gesellschaft

Auf dieser Grundlage ist das „Ausstellungsprojekt an der Schnittstelle von Wissenschaft, Gegenwartskunst und Gesellschaft“ auf den Weg gebracht worden. Gemeinsam haben Nicole Giese-Kroner und Elianna Renner als Projektleiterinnen und Kuratorinnen das Projekt umfassend vorgeplant und arbeiten an dessen Umsetzung. Die Syker Organisatorin freut sich sehr über diese Zusammenarbeit. Zum Beispiel sei Elianna Renner mit vielen jüdischen Künstlerinnen und Künstlern „total gut vernetzt“.

Inzwischen haben sieben international anerkannte Freischaffende zugesagt, sich mit ihren Arbeiten interdisziplinär einzubringen. Die Kuratorinnen initiierten und begrüßen sehr deren teils aktive Teilnahme vor Ort. Das heißt, verschiedene künstlerische Arbeiten müssen noch entwickelt werden. Sie entstehen während diverser Kurzaufenthalte in der Hachestadt. Ursprünglich sollten es sogar längerfristige Aufenthalte für mehrere Wochen sein, berichtet Giese-Kroner über die Planungsabsichten. Erste Treffen vor Ort haben Anfang Juli stattgefunden. Hadas Amster etwa lebt in Berlin und wird ihre Arbeit selbst aufbauen.

Es bestehe das Anliegen, regionale jüdische Geschichte und deren „Relevanz für die Gegenwart“ kunstgerecht zu thematisieren. So etwa anhand der Frage „Wo sind sie geblieben?“, klärt Giese-Kroner auf. Die deutsche Künstlerin und Musikerin Michaela Melián, Professorin an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, werde den Verbleib der Juden in der Region seit den 1940er-Jahren bis hin zum Holocaust künstlerisch dokumentieren beziehungsweise kartographieren. In diesem Kontext betont die Syker Kuratorin auch, dass es keine Ausstellung werden solle, die sich ausschließlich mit der Schoah beschäftige. Anderweitig beteiligt sich Daniel Laufer an der Ausstellung. Der freie Künstler lebt und arbeitet inzwischen in Berlin. Giese-Kroner erklärt, im Fokus seiner jetzigen Arbeit „The Garden“ beschäftige er sich mit dem Judentum abseits der großen Metropolen.

Laubhüttenfest im Bewegtbild

Des Weiteren werde das Jerusalemer Künstlerduo Lea Mauas und Diego Rotmann unter der Namensgebung Sala-Manca-Group das jüdische Laubhüttenfest „Sukkot“ in seinen Videos künstlerisch darbieten. Diese sowie die anderen schöpferischen Beiträge und Objekte werden im Syker Vorwerk ihre einzigartige Wirkung entfalten und auf die Besucherinnen und Besucher einwirken. Als jüngste Künstlerin wird Ali Shrago-Spechler avisiert. Die 1989 in den USA geborene Fulbright-Stipendiatin, derzeit in Karlsruhe ansässig, bediene sich eines „humoristischen Blickes“, charakterisiert Giese-Kroner deren Arbeitsweise.

Hinzu kommt ein vielversprechendes Rahmenprogramm. „Wir haben uns breit aufgestellt mit Literatur, Musik, Kunst und Wissenschaft“, fasst die hiesige Projektleiterin das Spektrum des generationsübergreifenden Kulturangebots zusammen. Auch Kinder und Jugendliche werden einbezogen. Für die Jüngsten spielt Bubales Puppentheater aus Berlin „Shlomos Chanukka-Wunderlampe“ am 12. Dezember. Der kostenfreie Herbstferienworkshop „Dagesh on tour“ richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren. In Kooperationen, etwa mit der Syker Gästeführung, dem Verein JFK oder der Stadtbibliothek ergibt sich ein abwechslungsreiches Programm. Alles endet erst mit dem letzten Ausstellungstag im Syker Vorwerk am 26. Dezember.

Elianna Renner und Nicole Giese-Kroner gehen zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass das alles an den vorgesehenen Orten präsentiert werden kann. Die Alternative, einiges auch als Online-Veranstaltungen anzubieten, ist infolge der Erfahrungen in diesem Jahr für die Notfallsituation im Hinterkopf abgespeichert.

Zur Sache

Zur genaueren Information

Weitere Informationen zu den Künstlerinnen und Künstlern der Ausstellung „Auf ins Kaff ??? - Jüdisches Leben in Syke“, die vom 17. Oktober bis zum 26. Dezember im Syker Vorwerk gezeigt wird, finden sich unter den hier zugeordneten Internetadressen von Hadas Amster (www.hadasamster.com), Daniel Laufer (www.daniellaufer.info), Dana Levy (http://danalevy.net), Michaela Melián (www.michaelamelian.net), Lea Mauas und Diego Rotmann als Sala-Manca-Group (www.sala-manca.net/?page_id=10) und Ali Shrago-Spechler (www.alispechler.com).

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