Syker des Jahres

Auszeichnung für einen Macher

Beim Neujahrsempfang im Syker Rathaus wurde Kurt Wilhelm zum Bürger des Jahres ernannt. Seit 1988 ist er der Vorsitzende der TSG Osterholz-Gödestorf-Schnepke und prägt damit das Vereinsleben maßgeblich.
19.01.2020, 18:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Dominik Albrecht

Syke. Der Syker Neujahrsempfang im Rathaussaal der Hachestadt hat auch 2020 nichts an Glamour und Geselligkeit missen lassen. Eine abwechslungsreiche Stunde wurde gefüllt mit Tanz, Musik, großen Plänen und Danksagungen für das Ehrenamt sowie die Ernennung des Bürgers des Jahres. Das Foto zu diesem Bericht nimmt es schon vorweg: Dieses Jahr traf es Kurt Wilhelm aus Gödestorf.

Ohne große Einleitung positionierten sich zu Beginn die 13 Mädels von „Exploding Dreams“ der Hip-Hop-Sparte des TuS Syke vor den Besuchern. Unter der Leitung von Julia Tomczyk zeigten sie sprichwörtlich, wo die Musik spielte und zogen alle Blicke auf sich. Sprachlos waren sicherlich auch einige Anwesende bei der Darbietung des Klassikers „Hallelujah“ (im Original von Jeff Buckley), gesungen von den Schülerinnen der Syker Realschule Lara und Valentina und begleitet von Sebastian sowie Lehrer Nikolai Tetzlaff.

Bei den Reden ging es dann ein wenig nüchterner zu. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig machte keinen Hehl daraus, dass die neue Dekade einige Herausforderungen mit sich bringen wird. Während bei den vergangenen Jahren von einem „zweiten deutschen Wirtschaftswunder“ die Rede war, schwächele die Konjunktur mittlerweile. Aber Knoerig beruhigte, es besteht „kein Grund zur Sorge“ – Glück gehabt. Da sich die geburtenstarken Jahrgänge jetzt langsam in den Ruhestand verabschieden würden, arbeite eine Rentenkommission an einem Zukunftskonzept. Darüber hinaus soll die Fachkräftesicherung zur Hauptaufgabe erklärt werden. Abgerundet wird das To-Do-Potpourri vom Breitbandausbau und einem Engagement zur beruflichen Bildung in der digitalen Arbeitswelt.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Volker Meyer wiederum wünschte sich, den zu Beginn mit den Darbietungen der Schüler eingebrachten „Schwung mit ins Neue Jahr zu nehmen“. Er orientierte sich am Zitat des Autors Antoine de Saint-Exupéry: „Man kann nicht in die Zukunft schauen, aber den Grund für etwas Zukünftiges legen. Denn Zukunft kann man bauen.“ Und das gehe am besten Hand in Hand. Man brauche den Diskurs mit allen gesellschaftlichen Kräften und die Teilnahme der Bürger. „Je mehr Bürger sich an diesen Diskussionen beteiligen, desto mehr zukunftsweisende Antworten gibt es.“

Sykes Bürgermeisterin Suse Laue wagte einen Blick voraus. Eine dreigruppige Kita für Okel, ein neuer Gruppenraum fürs Pendant in Gessel, Sanierungsarbeiten an der Grundschule Heiligenfelde, der Abschluss des Baugebiets Lerchenfeld II – 2020 steht ganz im Zeichen des Baggers. „Das Syker Hallenbad wird zu Beginn 2021 seine Türen schließen, damit die Erweiterungsmaßnahmen durchgeführt werden können“, informierte Laue. Mit dem Hachelauf (9. Mai), dem Entenrennen auf der Hache und dem Syker Dorfmarkt (6. September) wurde dazu das erste Event-Trio des Jahres angekündigt.

Ein großes Thema werde auch bezahlbarer Wohnraum sein. Sowohl älteren Menschen als auch jungen Familien und Alleinerziehenden bleibe momentan „der Wohnungsmarkt nahezu verschlossen“. Darum soll auf stadteigenen Flächen bezahlbarer Wohnraum entstehen, berühmtestes Beispiel ist aktuell das Areal am Syker Hallenbad. Zum guten Ton gehört auch die Huldigung des Ehrenamtes. Einen großen Teil leiste die freiwillige Feuerwehr. Mehr als 2000 Mal seien die Syker Wehren 2019 ausgerückt, allein die Ortswehr Gessel-Ristedt komme auf 6500 Einsatzstunden. „Wenn wir das hochrechnen auf unsere neun Feuerwehren, ist das ein wahnsinniger Zeitaufwand, der ehrenamtlich investiert wird. Ganz herzlichen Dank dafür“, honorierte die Bürgermeisterin dieses Engagement – zu Recht ergänzt von lautem Beifall.

Mit dieser Überleitung wandte sich Edith Heckmann der Ernennung des Bürgers des Jahres zu. Denn auch Kurt Wilhelm ist in Hinsicht auf das Ehrenamt kein Unbekannter. Seit 1988 ist er der Erste Vorsitzende der TSG Osterholz-Gödestorf-Schnepke und prägt damit das Vereinsleben maßgeblich. „1949 geboren, ist er mit drei Geschwistern erst in Clues und später in Gödestorf aufgewachsen“, sagte die ehrenamtliche Bürgermeisterin. 1962 trat Wilhelm als 13-Jähriger in die Fußballsparte der TSG ein, 18 Jahre später übernahm er die Leitung, 1985 wurde er zum zweiten Vorsitzenden gewählt. „Er sieht die Arbeit und packt dort an, wo Not am Mann ist“, rezitierte Heckmann Vereinskollegen. Vor zehn Jahren erhielt der Tausendsassa dafür die Ehrenamtskarte. Überrascht war er gewesen, gab Wilhelm zu, als Edith Heckmann ihm vor ein paar Wochen von der Auszeichnung berichtet hatte. „Ich habe mir ein wenig Bedenkzeit erbeten. Frau Heckmann hat mich aber schnell überzeugt und gesagt, dass ich das nicht ausschlagen kann.“ Jetzt sei er also Bürger des Jahres und wisse gar nicht, was er so alles machen soll. Schließlich sei er 2019 auch noch 70 geworden. Und in gewohnter Fußballertradition stellte er grinsend die Weisheit auf: „Wenn die sieben vorne steht, ist man keine 20 mehr.“ Er habe schon viel gestemmt. Ohne die Hilfe seiner Mitstreiter aus dem Verein könne man aber nicht viel bewirken. „Alleine ist man nicht viel wert und ich bin froh, dass es diese Leute gegeben hat. Sonst hätte es vielleicht den ganzen Verein nicht gegeben.“

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