Bauernhaus-Archiv

Historische Gemäuer wiederfinden

Die Verschlagwortung des Bauernhaus-Archivs ist nach zwei Jahren abgeschlossen. Interessierte können einmal in der Woche nach 449 Schlagworten in knapp 7000 Datensätze forschen.
27.10.2020, 17:31
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss

Syke/Landkreis Diepholz. Mit Augias und Thesaurus – die manch einem Kenner der Materie wohl einiges sagen – können sich Interessierte nunmehr digital im Bauernhaus-Archiv neben dem Syker Vorwerk auf die Suche machen. Auf die Suche nach historischen Gebäuden in den Landkreisen Diepholz, Nienburg, Verden und Oldenburg. Möglich und sehr vereinfacht ist das durch das Projekt Verschlagwortung geworden, gestaltet von Christine Hillenbrand als Projektmitarbeiterin und Heinz Riepshoff als Leiter des Archivs. Vor zwei Jahren begonnen und jetzt abgeschlossen, kann man nun über 449 Schlagworte auf knapp 7000 Datensätze, also alles rund um die Gebäude zugreifen. Das stellten die Organisatoren und Sponsoren, Kreismuseum, Verein der Freunde des Kreismuseums, Landschaftsverband Hunte-Weser und die VGH-Stiftung nun vor.

„Als das Archiv vor 18 Jahren begründet wurde, hatten wir 1000 archivierte Gebäude, heute sind es sieben Mal mehr, dazu 80 000 Fotos und Zeichnungen“, erklärt Heinz Riepshoff. Hervorgegangen ist das Ganze aus seinem Privatarchiv, das er als anerkannter Hausforscher und Landesbeauftragter für Niedersachsen in der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) angelegt hatte.

Das Bauernhaus-Archiv dokumentiert und archiviert ländliche Gebäude, vorrangig Bauernhäuser und deren Umfeld sowie Gegenstände der Wohnkultur, insbesondere noch vorhandene bäuerliche Möbel. Das Arbeitsgebiet beschränkt sich dabei auf die früheren Grafschaften Hoya und Diepholz. Räume fanden die Aktiven im ehemaligen Kutscherhaus des Syker Vorwerks.

Damals 2002 hatte Riepshoff mit ein paar Mitstreitern ein Datenarchiv gestartet, das dann aber irgendwann deren Ansprüchen an Ausführlichkeit nicht mehr genügte: „Da waren nicht ausreichend Möglichkeiten, Suchkriterien zu spezifizieren.“ Sein Beispiel ist ein Misthaufen, der nicht so leicht einzuordnen gewesen sei.

So kam man dann vor knapp drei Jahren auf die sogenannte Datenbank Augias mit ähnlichen Masken, wobei aber deutlichere und umfangreichere Suchmöglichkeiten gegeben sind. Um das alte Datenmaterial in Augias zu überführen, wurde das Projekt begründet mit Christine Hillenbrand, Kunsthistorikerin mit dem Schwerpunkt Denkmalpflege. Sie hatte zuvor schon im Kreismuseum gearbeitet, war also keine Newcomerin.

„Die ersten drei Monate war das aber doch sehr neu für mich, ich hatte hunderte von Zetteln mit Fragen“, sagt die junge Fachfrau. Riepshoff berichtet, dass sie seinerzeit in ständigem Kontakt gestanden hatten. Das sei ja teilweise eine Heidenarbeit, beispielsweise die Fotos zu verschlagworten: „Da gab es manchmal 300 bis 400 Fotos wie zum Beispiel beim Ehmken Hoff in Dörverden.“ Als dieses Gebäudeensemble vor rund 25 Jahren umgesetzt worden war, hatte der einstige Schriftsetzer Einzelteile fotografiert, manchmal sogar gezeichnet, was die Wiederaufbauten erleichterten. Für die Verschlagwortung mussten da rund 50 Begriffe gefunden werden – immer vor dem Hintergrund: „Wonach sucht man?“

Nun reichen die Schlagworte vom übergeordneten Deskriptor „sozialer Ordnung“ mit Ackerbürger bis „weitere Gebäudetypen“ mit Ziegelei. Dazwischen erscheint unter den vielen auch der Begriff „Berufe“, zu dem Riepshoff erklärt: „Da kann es passiert sein, dass ein fahrender Schuhmacher in einem Haus etwas vergessen hat, was nun auf einem Foto sichtbar ist.“

Immerhin – „Sensation“ laut Riepshoff – wurde das Projekt doch schneller als erwartet beendet: „Wir konnten dann auch noch ein besonderes Anliegen von Ralf Vogeding erfüllen, nämlich Literaturhinweise einzuarbeiten.“ Verweise auf alle existierenden Bauernhaus-Bücher oder Chroniken. Und das alles ist mit der Datenbank des Kreismuseums kompatibel. „Nun kann man von den Fotos fast alles erfahren, mindestens aber, aus welchem Ort es stammt.“ Für Hillenbrand ein Erfolg: „Das war und ist ein wichtiger Schritt für wissenschaftliche Recherche.“ Man habe sich halt mit den Begrifflichkeiten auseinandersetzen müssen und das müssten die Nutzer ebenfalls, um Resultate zu bekommen. Sie hat dazu ein kleines Handbuch geschrieben.

Den Denkmalpfleger Riepshoff verbinden Fachleute seit dessen Buch über die „Speicher und Backhäuser in der Grafschaft Hoya“ mit profunden Kenntnissen über historische Gebäude. 18 Jahre lang hat er nun das Bauernhaus-Archiv ehrenamtlich betreut, „das war ein Glücksfall, die Gründung seinerzeit.“ Er will das auch weiterhin machen. Allerdings habe er immer im Kopf die Frage: „Wer macht das nach mir?“ Ralf Vogeding, Leiter des Kreismuseums und ebenfalls stets aktiv dabei, wenn es um das Archiv geht, meint: „Da muss es Wege geben.“

Geöffnet ist das Archiv dienstags von 15 bis 18 Uhr, neben dem Vorwerk in der Waldstraße 76. Es wird um vorherige Anmeldung unter 0 42 42 / 50 96 40 gebeten, gelegentlich sind auch andere Termine nach Absprache möglich. „Ich nehme mir gern die Zeit“, betont Heinz Riepshoff. Schließlich sei es oft ja ein Geben und ein Nehmen. „Der Besucher bekommt Fotos und ich Tipps, weil es ja meist Leute aus den Ortschaften mit guten Kenntnissen sind.“ Weitere Informationen gibt es zudem im Internet unter www.bauernhausarchiv.de.

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