Das Brinkumer Mehr-Generationen-Haus erhält in den kommenden vier Jahren eine Förderung vom Bund Bedürfnisse vor Ort bedienen

Stuhr-Brinkum. Der Duft nach Mittagessen zieht durch die Räume des Brinkumer Mehr-Generationen-Hauses (MGH), am Nachmittag steht ein Sprachkurs auf dem Programm und abends wird es gemütlich beim Plattdeutschen Stammtisch – so oder so ähnlich sieht der Alltag in der Einrichtung aus. Und damit das auch so bleibt, hat das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) für den Zeitraum von 2017 bis 2020 eine jährliche Förderung von 30 000 Euro bewilligt, die mit je 5000 Euro vom Land Niedersachsen und der Gemeinde Stuhr auf insgesamt 40 000 Euro aufgestockt wird.
05.11.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Ina Friebel

Stuhr-Brinkum. Der Duft nach Mittagessen zieht durch die Räume des Brinkumer Mehr-Generationen-Hauses (MGH), am Nachmittag steht ein Sprachkurs auf dem Programm und abends wird es gemütlich beim Plattdeutschen Stammtisch – so oder so ähnlich sieht der Alltag in der Einrichtung aus. Und damit das auch so bleibt, hat das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) für den Zeitraum von 2017 bis 2020 eine jährliche Förderung von 30 000 Euro bewilligt, die mit je 5000 Euro vom Land Niedersachsen und der Gemeinde Stuhr auf insgesamt 40 000 Euro aufgestockt wird.

In den vergangenen beiden Jahren habe es die Förderung immer nur für ein Jahr gegeben, sagt Thomas Schaumlöffel, Vorsitzender der Bürgerstiftung Stuhr. „Die Förderung, die wir in den vergangenen Jahren erhalten haben, ist jetzt in ein neues Verfahren gegangen“, sagt er. Dazu mussten alle Mehr-Generationen-Häuser Konzepte einreichen und Voraussetzungen schaffen, um in die Förderung aufgenommen zu werden. „Eine Voraussetzung war etwa, dass die Gemeinde das MGH unterstützt“, erläutert Schaumlöffel.

Das Fördergeld fließt künftig in sämtliche Angebote des Mehr-Generationen-Hauses, mit Ausnahme der Krippe, der Freiwilligenagentur, der Bürgerstiftung und dem Computertreff im Gutshaus Varrel. „Also so ziemlich alles, was im Untergeschoss des MGH stattfindet, wird gefördert“, fasst Daniela Gräf, Leiterin der Einrichtung, zusammen.

Bisher gab es in jedem Kreis Deutschlands ein Mehr-Generationen-Haus, das vom Bundesministerium gefördert wird – 450 insgesamt. Der Landkreis Diepholz bildet eine Ausnahme. Weil das Gebiet so groß ist, gibt es ein weiteres MGH in Barnstorf. Die Einrichtung in Fahrenhorst trägt sich selbst. „In der neuen Förderperiode hat das Bundesministerium entschieden, die Verwaltung der Mehr-Generationen-Häuser zu schmälern“, berichtet Gräf. Diese habe jetzt nur noch das BAFzA inne. Die Zusammenarbeit mit Serviceagentur, speziellen Beratern und einer Werbeagentur wurde gestrichen. Daniela Gräf und Thomas Schaumlöffel begrüßen diese Entscheidung. „Mit dem Geld, das dabei gespart wird, können künftig 100 weitere Mehr-Generationen-Häuser gefördert werden“, freut sich Gräf. So seien es deutschlandweit nun 550 Mehr-Generationen-Häuser. „Das hilft uns, bekannter zu werden“, glaubt sie.

Die Förderung der Mehr-Generationen-Häuser gibt es seit 2005. Damals allerdings nur in Niedersachsen. Deutschlandweit werden die Einrichtungen seit 2008 gefördert. Bis 2016 mit einem Aktionsprogramm, ab 2017 mit einem Bundesprogramm.

Im April dieses Jahres reiste Daniela Gräf gemeinsam mit anderen MGH-Leitungen nach Berlin. Dort wurde die Förderperiode vorgestellt. „Wir erfuhren, was wir machen müssen, um die Förderung zu bekommen“ sagt sie und gibt zu: „Nach der Veranstaltung hatten wir alle weiche Knie.“ Anschließend arbeitete sie gemeinsam mit ihren Kollegen und der Gemeinde den Antrag aus. Dieser orientiert sich an den Vorgaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. So lauten die Schwerpunkte ab 2017 demografischer Wandel und Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte. Die Querschnittsziele, die über allen Projekten des MGH liegen, sind generationsübergreifende Arbeit, Sozialraumorientierung und die Förderung von freiwilligem Engagement. „Wir wollen die Auswirkungen des demografischen Wandels bedienen“, erläutert Gräf und betont: „Das geht nicht ohne die Gemeinde.“ Im gleichen Atemzug lobt die Leiterin die gute Zusammenarbeit.

Als Beispiel für die Kooperation nennt Gräf die Flüchtlingsarbeit: „Die Gemeinde ist zuständig für die finanzielle Unterstützung und die Grundbedarfe. Wir repräsentieren mit ehrenamtlicher Arbeit wie etwa Fahrradkursen und Kennenlern-Veranstaltungen die Willkommenskultur.“

Zwar hat das Brinkumer MGH die Zusage für vier Jahre in der Tasche, dennoch müssen Daniela Gräf und ihre Mitstreiter künftig zusätzlich einmal im Jahr die finanzielle Aufteilung des Fördergeldes darstellen. „Das beinhaltet ein Selbst-Monitoring“, erläutert Gräf. Darin enthalten sind Fragen wie „Was wurde gemacht?“, „Wie alt sind die Gäste?“, „Woher kommen die Gäste?“ oder „Wieviele Männer und wieviele Frauen kommen ins MGH?“. „Der Verwendungsnachweis ist auch gut für unsere eigene Planungen“, findet Gräf. Allerdings lebt das MGH nicht nur von den 40 000 Euro. Obendrauf kommen eigene Einnahmen und Spenden, sodass das Haus jährlich auf rund 100 000 Euro kommt.

Mit der Förderung geht Gräf hochmotiviert ins kommende Jahr. „Unser Ziel ist es, dass alle Räume ausgebucht sind und dass wir von morgens bis abends Gäste haben“, sagt sie. Dabei wolle man auf die Bedürfnisse der Gäste eingehen. „Es kann jeder kommen und eigene Ideen vorschlagen“, betont Gräf. „Wir schauen dann, wo wir das Angebot unterbringen und wie wir es betreuen.“ Das Angebot werde mit Blick auf die Nachfrage und in Abstimmung mit der Gemeinde ausgearbeitet. Als weiteren Schwerpunkt nennt Daniela Gräf die Kooperation mit Einrichtungen wie Pro Dem.

Als neues Angebot plant das MGH-Team einen Single-Treff. Der Bedarf sei da. „Wir brauchen nur noch einen Ober-Single, der sich ein wenig um die Organisation kümmert und als Ansprechpartner vor Ort dient“, sagt Gräf mit einem Lachen. Das Angebot solle dann ganz entspannt im Backhaus stattfinden, auch Ausflüge könne sie sich vorstellen. Auch neu, aber bereits jetzt im Angebot, ist ein kostenloser W-Lan-Zugang. Zusätzlich wolle man die Kinder- und Jugendarbeit vertiefen, wenn der Bedarf da sei.

Gleichzeitig tauscht sich Daniela Gräf regelmäßig mit anderen Mehr-Generationen-Häusern aus Niedersachsen aus. Insgesamt gibt es knapp 60 Häuser im Bundesland, die sich jedoch unabhängig voneinander vor allem auf die Bedürfnisse ihrer Besucher einstellen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+