Stadtrat Syke

Bekenntnis mit einem Aber

Der Rat der Stadt Syke beschloss in seiner jüngsten Sitzung den Zuschuss für dringende Reparaturen im Barrier Bad und bekennt sich zum Weiterbetrieb. Dennoch lehnte er den FWG-Antrag ab.
14.02.2020, 17:55
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Von Sarah Essing
Bekenntnis mit einem Aber

Das Barrier Bad bleibt erhalten und geöffnet. Doch eine umfassende Sanierung lehnte der Stadtrat mehrheitlich ab.

Michael Galian

Syke. Es war wie erwartet voll im Syker Ratssaal. Sehr voll. Zur Ratssitzung am Donnerstagabend mussten die Türen geöffnet bleiben, damit alle Zuschauer, die daran teilnehmen wollten, das auch konnten. Und es wurde wie erwartet intensiv diskutiert – über das Barrier Bad. Wie berichtet, gab es zu den Plänen des Fördervereins, eine umfassende Sanierung des Bades in Angriff zu nehmen, zwei Anträge und eine Vorlage der Verwaltung. Die FWG hatte sich den Antrag des Fördervereins zu eigen gemacht und beantragte ihn in der vorliegenden Form zu beschließen. Die CDU plädierte für einen einmaligen Zuschuss von 250 000 Euro und der Verwaltungsausschuss legte als Beschlussvorlag vor, dass der Stadtrat sich für einen mittelfristigen Fortbestand des Hallenbad Barrien ausspricht sowie einen Zuschuss bis zu 250 000 Euro für unvermeidbare und dringend notwendige Reparaturen zum Erhalt des Barrier Hallenbades gibt.

Auch wenn das Barrier Bad erst unter Tagesordnungspunkt 15 stand, nahm Bürgermeisterin Suse Laue bereits in ihrem Bericht zu Anfang der Sitzung Stellung zu der Frage. „Heute wird nicht der Beschluss gefasst, dass das Barrier Bad geschlossen wird“, machte sie deutlich. Der Betrieb solle in jedem Fall aufrecht erhalten bleiben – entweder durch den Förderverein, die Stadt Syke oder auch gemeinsam. Die Arbeit des Fördervereins erhalte eine hohe Wertschätzung, unterstrich sie, doch sie rief auch in Erinnerung, dass die Ratsmitglieder den gesamten Haushalt der Stadt und die gesamte Stadt im Fokus haben müssten. Dazu gehören auch die Investitionen, zu denen die Stadt verpflichtet ist – wie etwa in Schulen, Kindergärten und im Brandschutz. „Wir haben Barrien im Blick“, versicherte sie. „Aber nicht nur.“

Die darauffolgende erste Einwohnerfrage nutzten zahlreiche der anwesenden Bad-Freunde, um ihr Anliegen noch einmal deutlich zu machen. Wie Gabriele Früchtenicht und Jochen Harries von der FWG verwiesen sie dabei auf die Bedeutung und Wichtigkeit von ausreichend Möglichkeiten, schwimmen zu lernen. „Syke wächst“, sagte Gabriele Früchtenicht mit Blick auf die ausgewiesenen Baugebiete in der Stadt, gerade auch in Barrien. Ihr Fazit laute daher, dass die Stadt gar nicht darum herum komme, das Barrier Bad zu erhalten, wenn man sicherstellen wolle, dass alle Kinder auch in Zukunft die Möglichkeit erhalten schwimmen zu lernen. Das könne sich die Stadt zudem durchaus leisten, denn die angesprochenen Investitionen erfolgten schließlich nicht sofort. „Entweder ganz oder gar nicht. Ein leises Sterben ist auch keine Lösung“, erhielt sie Unterstützung von ihrem Parteikollegen Jochen Harries, der zudem darauf verwies, dass die Stadt bei dieser Lösung eine Liegenschaft erhalte, die deutlich aufgewertet werde. Für diese Ausführungen gab es tosenden Applaus von den zahlreichen Freunden des Bades.

Der Meinung der FWG schloss sich die Grünen-Fraktion an. „Was einmal weg ist, ist weg“, befürchtete Jutta Filikowski und rief daher dazu auf, positiv zu denken. Anstatt nur die Probleme zu sehen, die sich aus der Unterstützung für zwei Bäder ergeben könnten, solle man sich vielmehr darüber freuen, dass man zwei Bäder habe. „Günstig“ fand auch Hermann Greve von den Grünen den Zeitpunkt für eine umfassende Sanierung des Bades, auch im Hinblick auf die energetischen Einsparungen, die sich daraus ergeben würden.

Claus-Dieter Bruhm (SPD) hielt den Überlegungen die steigenden Baukosten entgegen, die immer höher seien als veranschlagt. Das Bad laufe störungsfrei, sagte er. Dafür kassierte er lautstarkes Lachen vom Publikum. Zudem sei der Förderantrag noch nicht genehmigt. Ob der Förderverein die beantragte Summe von 500 000 Euro tatsächlich erhalten werde, sei unklar. Die Bürgschaft, die von der Stadt zusätzlich zu den 476 000 Euro Zuschuss erforderlich wäre, müsse im Haushalt wie ein tatsächlicher Kredit gerechnet werden. Das bestätigte auch Sykes Kämmerer Peter Pawlik klar. Zudem würde alles, was jetzt aus den vorhandenen liquiden Mitteln genommen würde, für künftige Vorhaben fehlen. Dann müssten für diese Kredite aufgenommen werden. Und diese wiederum müssten aus dem Ergebnishaushalt getilgt werden. „Vor dieser Krux stehen wir“, so der Kämmerer.

Ein etwas anderes Bild für diese „Krux“ bemühte Wilken Hartje von der CDU. Er verglich das Barrier Bad mit einer „alten Dame“. Die hätte 2014, als man angefangen habe, über die Bäderlandschaft der Stadt zu sprechen schon nackt dagestanden. Das sei – auch dank des Engagements des Fördervereins – nun nicht mehr so, die Lage sei nicht mehr „ganz akut“ und das Bad könne noch gut zehn Jahre laufen. Aus diesem Grund müsse man „der alten Dame Barrier Bad“ nun nicht gleich einen teuren Nerz verpassen, so Hartje und stellte zudem die Frage nach der Gerechtigkeit: „Was ist mit den anderen Vereinen?“ Auch diese hätten ein Anrecht auf Unterstützung ihrer Arbeit seitens der Stadt.

Mit 15 zu zehn Stimmen wurde der FWG-Antrag abgelehnt. Bei sechs Gegenstimmen und drei Enthaltungen wurde die Vorlage der Verwaltung beschlossen.

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