Berufsbildende Schulen Syke Mit einem Herz für die Umwelt

Zwölftklässler des Beruflichen Gymnasialzweigs der BBS Syke wurden für ihre Ideen beim Gründerpreis ausgezeichnet. Die Teilnehmer überzeugten mit vielfältigen Ideen und landeten auch bundesweit ganz weit vorn.
21.07.2021, 14:29
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Mit einem Herz für die Umwelt
Von Sarah Essing

Syke. Scheibenwischer für Brillengläser, automatisierte Mülltrennung, Blumentöpfe, die mit eingepflanzt werden können – grundverschieden und vielfältig waren die Ideen der Schüler des zwölften Jahrgangs am Beruflichen Gymnasium der Berufsbildenden Schulen Syke für den Gründerpreis. In der Mehrzweckhalle der Europaschule erhielten sie am Dienstag den Lohn für ihre Ideen und ihr Engagement.

"Wir sind mächtig stolz auf Sie!", unterstrich Dennis Landt von der Kreissparkasse Syke (KSK), noch ehe er die Gewinner bekanntgab. Die Schülerinnen und Schüler hätten "großartige Leistungen unter schwierigen Bedingungen" gezeigt, nicht nur in der Region. Bundesweit nahmen 717 Schülerteams aus 158 Schulen an dem Wettbewerb teil. Wie wichtig diese Zahlen seien, so Landt weiter, werde deutlich, wenn man sich die Platzierung der Syker Schülerteams in Niedersachsen und in Deutschland anschaue.

So landete der Syker Drittplatzierte, die Brisch AG mit Pascal Bollhorst, Moritz Bonner, Niko Köhnenkamp, Elias Witte und Alexander Banse, in Niedersachsen auf Platz 24 und bundesweit auf Platz 84. Das Quintett stellte ein Konzept zu einem sehr aktuellen Thema vor: das Reinigen von Brillen, die durch das Maskentragen beschlagen. Mit einem aufgesetzten Wischer, auch verwendbar bei Regen oder Schnee, soll dieses Problem der Vergangenheit angehören. Die Jungen überlegten sich jedoch nicht nur genau, wie sie ihr Produkt finanzieren, bewerben und zu ihren Kunden bringen wollen, sondern auch, welche Kultur in ihrem Unternehmen herrschen soll. Als Lohn für ihr Konzept gab es von der KSK 25 Euro pro Teammitglied.

Die Erleichterung des Alltags und der Schutz der Umwelt hatte sich der Syker Zweitplatzierte auf die Fahnen geschrieben. Die Smart Trash GmbH entwickelte ein Konzept zur Entwicklung und dem Verkauf eines Systems zur einfachen, automatischen Mülltrennung. Das leichte und kompakte Gerät scannt eingeworfenen Müll, unterscheidet ihn in 31 Sorten, presst ihn klein und verteilt ihn entsprechend auf unterschiedliche Behälter. Per App und Sensoren wird der Nutzer informiert, wenn es Zeit ist, diese zu leeren. Könnte dieses Gerät in Serie gehen, würde so mancher Streit darum, wer den Müll rausbringt, bestimmt vermieden werden. Mit ihrem detailliert ausgearbeiteten Konzept landeten Lani-Tashina Simm, Pauline Jaja, Melina Bunk, Shakira Schulze und Patrick Rudnik in Niedersachsen auf Platz 21 und bundesweit auf Platz 72. Dafür gab es pro Kopf 50 Euro von der KSK.

Platz eins in der Region, Platz fünf in Niedersachsen und auf einem "sensationellen" 15. Platz bundesweit errang die Gruppe Eco-Leads GmbH mit Elias Ahrlich, Mika Bade, Jona Dennert, Lani Dust, Angelina Kunst und Lucia Stannius. "2018 wurden 359 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, 80 Millionen Tonnen davon landeten im Meer." Dieser enorme Plastikkonsum sorge für zahlreiche Schäden in der Umwelt und beeinträchtige letztendlich auch die Gesundheit der Menschen. Das sei der Ausgangspunkt für ihre Geschäftsidee gewesen, führte die Gruppe bei der Vorstellung ihres Konzeptes aus. Sie setzten sich die Vermeidung von Plastikmüll als Ziel. Wo das möglich ist, sind etwa Pflanzentöpfe. Ein ohnehin widersinniges Konzept, wie die Schüler finden: Pflanzen für den heimischen Garten, die eigentlich der Umwelt gut tun, in Plastik zu stecken. Als Lösung fanden sie rasch sogenanntes "Bio-Plastik", Polyhydroxyalkanoate oder Polyhydroxyfettsäuren (PHA), das biologisch abbaubar ist. Daraus entstand die Idee für den EcoPot, einen biologisch abbaubauren Pflanzentopf aus Zuckerrohr, der sogar mit eingepflanzt werden kann. Unterstützt wurden sie dabei von ihrem Unternehmenspaten Pott Burri, ein Unternehmen, das ähnliche Töpfe bereits vertreibt. 

"Eine Menge Fleiß und überdurchschnittliche Motivation" bescheinigte die Jury dem Gewinnerteam, das ein sehr detailliertes und überlegtes Konzept professionell präsentierte. Dabei wurde auch deutlich, dass sich die Eco-Leads GmbH zudem Gedanken um eine Ausweitung ihrer Idee gemacht hat. So beinhaltet ihr Geschäftsplan auch einen europaweiten Vertrieb, den Bau von eigenen Produktionsstätten und der Wechsel von Zuckerrohr als Rohstoff für die PHA hin zu Algen. Diese binden nämlich zusätzlich noch Kohlendioxid. Und es werden Monokulturen vermieden.

"Finden Sie das, wofür sie brennen", hatte KSK-Firmenkundenberater Lutz Frauenheim den Jung-Unternehmern mit auf den Weg gegeben. Es scheint, diesen Ratschlag hat das Gewinnerteam beherzigt. Können sie sich angesichts dieser Leidenschaft denn vorstellen, diese Idee tatsächlich umzusetzen? "Nein", lautet die Antwort der Gruppe einhellig. "Unsere Pläne nach dem Abitur sehen etwas anders aus", sagt Angelina Kunst mit einem Lachen. Zumal sie auch gemerkt haben: Wenn Freunde gemeinsam ein "Geschäft" betreiben, sind andere Regeln für das Miteinander erforderlich. "Da muss man sehr genau trennen und auch lernen, nicht sofort alles persönlich zu nehmen", sagt Lani Dust. Dennoch seien sie das Projekt anders angegangen. "Wir wollten noch etwas mehr", bekräftigt Lucia Stannius. Das ist ihnen auf jeden Fall gelungen.

Und vielleicht kommen sie in Zukunft auf noch eine bessere Idee. Überraschend wäre es nicht. "Das ist eine Generation, die etwas verändern will", hat Lehrerin Kristin Vogelsang festgestellt. Die Verknüpfung von wirtschaftlichen Interessen mit Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Sozialem liege ihr nicht fern. Vielmehr seien das Themen, "die dieser Generation am Herzen liegen".

Zur Sache

Der Gründerpreis für Schüler

Der Gründerpreis für Schüler wurde von der Zeitschrift Stern, den Sparkassen, ZDF und der Porsche AG ausgerufen. Er soll dazu beitragen, das Gründungsklima im Land zu fördern und Mut zur Selbstständigkeit machen, heißt es auf der Internetseite www.dgp-schueler.de. Die Schülerausgabe richte sich dabei speziell an den Nachwuchs, um wirtschaftliche Themen für Schüler aller Schulformen erlebbar zu machen und unternehmerische Handlungskompetenz zu vermitteln. Mitmachen können Schüler ab Klasse neun aller Schulformen, die Teams sollten aus drei bis sechs Mitgliedern bestehen. Nach eigener Aussage der Initiative handele es sich dabei um Deutschlands größtes Existenzgründer-Planspiel.

In der Spielphase von Januar bis Mai 2021 entwickeln die Schülerteams eine fiktive Geschäftsidee: Anhand von neun Aufgaben konzipieren sie einen Businessplan inklusive Vertriebs- und Marketingstrategie. Mit dem Website-Baukasten des Kooperationspartners Jimdo können sie zudem eine Internetseite nach ihren Vorstellungen erstellen. Während der gesamten Spielphase werden die Jugendlichen von einem Spielbetreuer der Sparkasse oder dem virtuellen Spielbetreuer „Mister S“, einer Lehrkraft sowie einem Unternehmenspaten aus der Wirtschaft individuell unterstützt. Im Mai bewertet dann eine Jury aus Wirtschaftsexpertinnen und -experten die Geschäftskonzepte. Der Wettbewerb findet komplett digital statt.

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